Wie beeinflussen Krankheiten den Glauben an Gott ?

Forum: Glaubensfragen - Geheimbünde


Religiöse Weltanschauungen und Sinngebungssysteme. Religionspsychologie, Religionsgeschichte, spirituelle Religion, Religionsphilosophie und eigene Ansichten.




Wie beeinflussen Krankheiten den Glauben an Gott ?

Beitragvon Kha » 4. Sep 2008 - 17:34


Ja, die wenn man ganz allgemein von der Kirche spricht haben die meisten den Vatikan vor den Augen, schade wie ich finde.... das macht keine Kirche aus. Es sei jetzt mal dahin gestellt was der Papst tut und lässt...

aber diese verallgemeinerung von Religionen kann ich einfach nicht leiden.
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Beitragvon Mike » 4. Sep 2008 - 22:35


Nun, ich bin kein Freund von organisierten Religionen, da hier zwangsweise auch eine Hierarchie entsteht - irgendjemand ist der Stammesälteste, irgendjemand der "Depp zum Bier holen" und so weiter. Somit werden weltliche Gelüste über den Glauben selbst gestellt. Es ist zwar ganz interessant, sich mit Gläubigen auszutauschen, aber das, was die Kirchen (egal ob evangelisch, katholisch, scientologisch etc.) als Religion ansehen, ist nur ein Bruchteil dessen, was überliefert wurde (sofern die ursprüngliche Version wirklich eine Überlieferung war und keine "Geschichte").

Wenn eine von Gott veranlasste Überlieferung (die Bibel) auf mehreren Konzilen GEÄNDERT wird, wozu soll das gut sein? Hat Gott seine Meinung geändert? Dann wäre er nicht allmächtig und hätte kein Recht, dass man ihn als das verehrt, als was er verehrt werden will. Ist er allmächtig - dann wurde die Bibel aus menschlichen Gründen verändert. Zum Beispiel, weil man den Menschen das fernhalten will, was eine Organisation wie die Kirche nutzlos machen würde.

Man mag sich daran stören, dass ich hier nur gegen die christliche Kirche wettere - aber das ist nun Mal diejenige, die ich am Besten kenne und die in unserem Kulturkreis am Verbreitetsten ist.
Ich will betonen, dass ich den ursprünglichen christlichen Glauben, wie er stellenweise in den 10 Geboten enthalten ist, nicht unbedingt schlecht reden will. Aber das, was wir heute als christl. Glauben kennen ist nicht mehr zu 100 % der Glaube, den Jesus damals gelehrt hat. Das ist bei den meisten Religionen so, die nur an einen allmächtigen Gott glauben, der über allen steht (zur Info: Buddhismus sehe ich nicht als Religion, sondern als Weltanschauung).
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
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Beitragvon Hagazussa » 4. Sep 2008 - 23:56


Ich krieg grad ne Krise...

Die Kirche hat in meinen Augen gar nichts mit Glauben zu tun. Die Kirche ist nur darauf ausgerichtet, Menschen zu kontrollieren und zu manipulieren. (aber das gehört woanders hin)

Die Menschen gehen mit "Scheuklappen" durchs Leben und sobald sie in Schwierigkeiten sind, beten sie zu Gott. Das zeigt mir nur, wie Oberflächlich Menschen sind.

Solange es ihnen gut geht, ist alles in Ordnung. Aber wenn es etwas schiefläuft, dann soll es "Gott" richten. Was für ein Blödsinn!

Ich glaube ja auch an eine kosmische Ordnung..
Aber man kann doch nicht, wenn es einem schlecht geht "Gott" dafür verantwortlich machen bzw. ihm die Verantwortung für sein Tun zu übertragen.

Wir bekommen immer nur Vorlagen, was wir daraus machen, liegt doch an uns.
Die Kirche hat auf jeden Fall nichts mit dem Glauben zu tun.

Ich glaube, es ist einfach nur die "Verzweiflung", die Menschen zum Beten bringt. Weil sie meinen, dann wird alles besser.
Sie wollen ihrer Verantwortung abgeben.
Das funktioniert aber so nicht....

Liebe Grüße Hagazussa
Wenn du es eilig hast, gehe langsam
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Beitragvon Mike » 5. Sep 2008 - 08:04


Hab ich doch geschrieben ;-)

Ein Glaube existiert im Herzen. Einen Glauben kann man nicht LERNEN, indem man dutzende Bücher liest. Einen Glauben kann man auch nicht übernehmen, wenn jemand einem ständig Vorträge über den Glauben hält. Zum Glauben muss man selbst die Dinge erkennen. Erkenne dich selbst, dann erkennst du Gott.

Wenn ein Glaube so ausartet, dass man sich auf einem weltlichen System basierend (Demokratie,...) abspricht, was man am Glauben ändern soll, damit er in die heutige Zeit passt, dann ist das schlichtweg Verarsche der Gläubigen. Wenn ein Glaube richtig ist, dann ist er IMMER richtig. Egal, ob bei den Neandertalern oder in Utopia.

Die Menschen sind aber auf dieses System eingeschossen - sie kennen den Glauben ja nicht anders. Seit sich die Kirche hier breit gemacht hat, existiert kein wirklicher GLAUBE mehr. Es ist das Geschäft mit der Angst ("Ein Auge ists, was alles sieht, auch was bei dunkler Nacht geschieht"). Ein Glaube sollte aber nicht aus Angst bestehen. Er sollte Demut beinhalten (diese geht einher mit der Erkenntnis, dass wir nicht an der Spitze der Entwicklung stehen), aber er sollte das Leben auch "leichter" machen. Wenn man den Verwesenden am Kreuz in jedes Klassenzimmer hängt, dann hält man sich ständig nur vor Augen, dass da Mal jemand gestorben ist. Das ist aber der negative Aspekt der Religion. Man sollte den Menschen lieber zeigen, was sie erreichen können, wenn sie sich GUT verhalten, und nicht, wohin sie kommen, wenn sie sich SCHLECHT verhalten.

Aber zurück... der Mensch glaubt meistens nur an Dinge, die er auch sehen und beweisen kann in diesem Zeitalter. Etwas wie Gott kann man nicht beweisen - und dennoch erwacht in Momenten der Angst der ureigene Glaube, den man eigentlich schon seit Jahrhunderten hat, seit den Zeiten, als die Menschen noch mehr in Einklang mit der Natur lebten.
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Beitragvon Haderlumpin » 26. Nov 2008 - 15:34


Zum Thema Religionen und Krankheiten habe ich heute etwas interessantes gelesen:

30.07.2008 - Gesellschaft
Wie Infektionen die religiöse Vielfalt beeinflussen

In Regionen mit vielen Infektionskrankheiten ist die Vielfalt praktizierter Religionen größer. Das sagen die beiden US-Forscher Corey Fincher und Randy Thornhill nach der Analyse mehrerer hundert Regionen rund um den Globus, in der sie die Zahl der religiösen Gruppierungen mit dem Auftreten von Infektionskrankheiten in Beziehung setzten. Ein hohes Anstreckungsrisiko beim Kontakt zu anderen Menschen begünstige die Entstehung kleiner sozialer und kultureller Gruppen und damit auch die Ausbildung verschiedener religiöser Richtungen, erklären die Forscher den Zusammenhang.

Ausgangspunkt der Arbeit war die Fragestellung, warum es in Ländern wie der Elfenbeinküste 76 religiöse Gruppierungen gibt, während in Norwegen nur 13 gezählt werden. Brasilien hat sogar 159 verschiedene Religionen, im Gegensatz zu dem flächenmäßig größeren Kanada mit lediglich 15. Auf der Suche nach einem allgemeingültigen Muster nahmen die Wissenschaftler eine Abschätzung der Bedrohung durch Infektionskrankheiten in 339 traditionell lebenden Gesellschaften der Erde vor. In die Berechnung flossen Größen wie die Durchschnittstemperatur, die Niederschlagsmenge, die geographische Breite und Werte aus medizinischen Datenbanken ein, in denen Häufigkeit und Verbreitung von Erregern und Parasiten aufgelistet waren.

Als die Forscher die Vielfalt religiöser Gruppierungen in den jeweiligen Ländern zu diesen Daten in Beziehung setzten, ergab sich ein klarer Zusammenhang: Je größer die Bedrohung durch Infektionskrankheiten in einer Region ist, desto vielfältiger ist die religiöse Praxis. Ein hohes Infektionsrisiko führe zur Aufspaltung der Bevölkerung in immer kleinere Gruppen, da die Menschen dann den Kontakt zu Fremden eher vermeiden, sich stärker ihrer eigenen Gruppe zuwenden und keine so großen Entfernungen mehr zurücklegen, erklären Fincher und Thornhill. So komme es zur Ausbildung immer kleinteiligerer sozialer Strukturen mit eigenen religiösen Traditionen. Einen ähnlichen Zusammenhang hatten Forscher bereits bei der Entstehung von Sprachen vermutet, wo eine starke Bedrohung durch Infektionskrankheiten ebenfalls mit einer großen Vielfalt einhergeht.


Corey Fincher und Randy Thornhill (Universität von New Mexico, Albuquerque): Proceedings of the Royal Society B, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rspb.2008.0688

ddp/wissenschaft.de – Ulrich Dewald

http://www.wissenschaft.de/wissenschaft ... 93858.html

Was hier im Kleinen diskutiert wurde, hat also scheinbar auch im großen Rahmen Auswirkungen auf die Gesellschaften. :)
"Dass das Leben Höhen und Tiefen kennt, weiß auch der moderne Mensch, aber in seinen Augen kommt eigentlich nur den Höhen ein Recht auf Existenz zu, die Tiefen haben es verwirkt, ihnen droht die Höchststrafe der Moderne, die Abschaffung und Entsorgung." (Wilhelm Schmid)
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Beitragvon Svart-Vinter » 26. Nov 2008 - 16:11


Hallo :)

Das klingt wirklich interessant und scheint im Grunde genau die Antwort zu sein, die ich gesucht habe,
aber ehrlich gesagt, erscheint mir das etwas zu einfach.

Die Kriterien nach was da verglichen wurde, sind mir nicht "potent" genug.

Ich könnte anstatt dessen noch zig andere Kriterien als Vergleich nehmen und sie in Betracht zum Fakt "Krankheit und Religion" nehmen.
Das soll heißen, ich könnte statt dessen z.B. sagen:

"Nicht die hohe Infektionsrate für Erkrankungen in der Region ist für die stärker ausgeprägte religiöse Praxis verantwortlich,
sondern einfach der Irrsinn (oder die Irrgesinnung) und die Tatsache der schlechten schulischen Bildung die einen minderen Intellekt implizieren,
aber vor allen Dingen eine allgemeine Armut der genannten Regierung und dessen Bevölkerung."

Eine andere Frage besteht darin, warum das Ansteckungsrisiko in den genannten Regionen höher ist?
Etwa weil die Vorsorge für die Bevölkerung nicht so erschwinglich ist wie in Kanada oder Norwegen, oder meinetwegen auch Deutschland?

Ich denke, Menschen in armen Regionen, wo ein Fakt den anderen mit zieht, neigen eher dazu,
sich religiösen Gemeinschaften anzuschließen, denn oft ist dass das Einzige was sie haben und was ihnen wirklich Halt gibt.

Ich hoffe, Ihr versteht, was ich damit sagen möchte...
...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben...
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Beitragvon Mike » 26. Nov 2008 - 23:02


Klingt ja recht interessant, aber interessant wäre es auch zu wissen, ob die Menschen erst durch die Krankheit gläubig wurden. Nur weil es viele Infektionen und viele Religionen gibt heißt es nicht, dass man diese auch in unmittelbare Relation bringen kann.

Dass Norwegen oder die - nennen wir sie Mal "zivilisierteren" - Länder in ihrer Glaubenswelt weniger aufgespalten sind als die unzivilisierteren Völker könnte auch daran liegen, dass die "zivilisierteren" ihren Glauben für Geld über Bord geworfen haben.

Zudem, wenn man nicht weiß, ob der Glaube erst durch die Krankheit entstanden ist, könnte man genauso gut - überspitzt formuliert - den höheren Schwarzen-Anteil in diesen Ländern dafür verantwortlich machen...
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Beitragvon Svart-Vinter » 24. Dez 2008 - 12:32


Ich habe noch eine Studie dazu gefunden, allerdings müsste der Threadtitel dann lauten: Wie beeinflusst Gott und Glaube, Krankheiten.

Forscher der Universität Oxford haben herausgefunden,
dass die schmerzlindernde Wirkung von religiösen Gefühlen durch eine spezielle Hirnregion gesteuert wird.
In einer Studie untersuchten sie die Schmerzempfindlichkeit von gläubigen Katholiken und Nicht-gläubigen,
während sie ein neutrales oder ein Bild der Jungfrau Maria betrachteten.
Die Wissenschafter erhoffen sich von den Resultaten neue Ansätze für die Schmerztherapie entwickeln zu können.


Weiterlesen: http://www.nzz.ch/nachrichten/wissensch ... 70563.html


Ist das ein Beweis oder wieder mal ein weiterer Beweis für den Spruch: Glaube versetzt Berge ?

Den Versuchspersonen wurden religiöse Gebilde vorgesetzt und bei den Gläubigen zeigte sich im Gehirn eine vermehrte Aktivität,
die für die Schmerzlinderung zuständig ist, bei den Nicht-Gläubigen tat sich da gar nichts.

Ich finde, dass ist kein Beweis, denn wenn man den Nicht-Gläubigen ein anderes Bild vorsetzen würde (etwas woran sie glauben),
dann hätte das evtl. die gleiche Wirkung wie bei den Gläubigen.


Viele Grüße.
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Svart-Vinter

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