Verarbeitung der Vergangenheit

Forum: Philosophische Psychologie


Wie funktioniert die Psyche des Menschen? Was bestimmt unser Verhalten und unsere Handlungen?




Verarbeitung der Vergangenheit

Beitragvon Svart-Vinter » 1. Jun 2008 - 07:52


Manchmal denke ich, dass ich meine Vergangenheit verarbeitet habe.
Vor vielen Jahren dachte ich das bereits schon einmal, aber es war ein großer Irrtum.

Es standen noch viele Jahre bevor, wo sich Erinnerungen aus einer nicht so schönen Zeit einschlichen.

Kann der Mensch seine Vergangenheit überhaupt jemals verarbeiten und endgültig damit abschließen?


Liebe Grüße.
...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben...
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Beitragvon Lirias » 1. Jun 2008 - 10:34


Ich denke es kommt auf das Umfeld an. Wenn man ständig mit Situationen aus der Vergangenheit konftrontiert wird, so wird man nicht darüber hinweg kommen.
Manche Dinge können mit den Jahren abflauen. Wenn man daran denkt, ist es nicht mehr so stark wie früher. Es gibt aber auch Situationen, welche dafür viel länger brauchen als andere oder überhaupt nicht schwächer werden.
Ich habe schon mit vielen Menschen gesprochen und jeder scheint Vergangenes anders zu verarbeiten und zu akzeptieren.
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Beitragvon Vordb » 15. Jun 2008 - 00:38


Ich persönlich denke das man zu diesem Thema (mir egal was der Rest jetzt denken mag) einen Kriegsveteranen hinzuziehen sollte (ja, das die nicht an jeder Ecke mitn Schild da stehen, ist mir auch klar)

aber ich denke das, wenn man mit mehreren, von ihnen reden könnte, darüber, sie einem als eheste eine Antwort auf diese Frage geben könnte! (wohlgemerkt)
Angehörige berichten oft das die Persone "wie verändert" sein, Ehen und Partnerschaften zerbrechen manchmal auch daran....

Und sie werden oft in ihren Träumen von dem Erlebten heimgesucht.
So wie man vll auch an sich oft von Dingen aus der Vergangenheit heimgesucht wird, ....in seinen Träumen!

Ich persönlich muß die Frage mit "nein" beantworten, da ich mit vielen Dingen aus der Vergangenheit nicht abschließen kann, und diese Dinge mich bis zu heute in einigen Fragen hemmen, einen Schritt weiter zu gehen.

Dann sehen wir einen Natascha Kampusch, die vor 2-3 Jahren erst ausm Loch geholt wurde, und nun schon TV Sendungen moderiert....
Wie ging sie mit ihrer Vergangenheit um?
Warum kaufte sie das Haus...?

soviel dazu... :arrow: der nächste bitte!
Ω
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Beitragvon Kha » 15. Jun 2008 - 21:09


Viele verdrängen auch vergangenes um nicht daran denken zu müssen. Aber eines tages, durch erinnerungen oder handlungen es menschen wird man wieder daran erinnert und gewzungen darüber nach zu denken.

Ich persönlich finde es hängt davon ab was in der vergangenheit vorgefallen ist. Denn ich glaube ein kriegsveteran(was Vordb als gutes beispiel gebracht hat!) kann es kaum verarbeiten.
Hingegen kann man vllt einen tod eines menschen besser verarbeiten.

Es ist immer eine Frage der psychischen Stärke. Ist man sowieso labil kann eienn das völlig runterziehen.
Außerdem, viele die nach außen den starken makieren sind meist auch nur sensibelchen.

Ich hatte das Glück bisher fast von schrecklichen ereignissen verschont worden zu sein. Aber man soll nie nie sagen.:tee:
<b>Wer lachen kann, ist klar im Vorteil.</b>
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Verarbeitung der Vergangenheit

Beitragvon Mike » 12. Sep 2008 - 11:44


Wieder ein Thema aus der Versenkung holen.

Die Frage, ob man seine Vergangenheit jemals als "verarbeitet" bezeichnen kann, ist interessant, aber auch schwierig zu beantworten. Zuerst Mal kommt es drauf an, was man unter verarbeiten versteht. Ich sehe das als "Fehler erkennen und für die Zukunft berücksichtigen, dass man solche Situationen anders angehen muss", sprich: sich entwickeln und aus seinen Fehlern lernen.
Einem chinesischen Sprichwort gemäß ist ein Fehler erst ein Fehler, wenn man ihn das zweite Mal begeht. Sprich: Beim ersten Mal ist es Unwissenheit, beim zweiten Mal ist es Dummheit.
Verarbeiten bedeutet für mich aber auch, die Situation von damals zwar nach Fehlern zu analysieren, aber eben auch das Anerkennen dessen, was war. Die Vergangenheit ist ein Teil unseres Lebens, wir werden sie also nie ganz objektiv betrachten können. Sie gehört zu uns. Aber wir dürfen das Damals nicht als Gesondertes sehen, sondern müssen auch die Verbinung zu heute sehen.
Natürlich, es würde uns heute vielleicht besser gehen, wenn wir damals anders gehandelt hätten. Das haben wir aber nicht, und wir können nichts daran ändern. Tatsache ist, dass erst die Geschehnisse von damals den Menschen von heute geformt haben. Probleme zu haben ist zwar nicht angenehm, aber nur an ihnen können wir lernen und uns weiterentwickeln.

Es sei allerdings auch noch gesagt, dass wir ein bestimmtes Ereignis aus der Vergangenheit, das uns beschäftigt, wohl immer und immer wieder durchkauen werden im Laufe unseres Lebens, da wir uns entwickeln und die Sache in jedem Lebensabschnitt etwas anders betrachten.

Ich dachte vor ein paar Jahren auch Mal, dass ich ne Situation verarbeitet hätte. Vor zwei Jahren dachte ich nochmal darüber nach, und war immer noch der Meinung. Aber die Tatsache, wie ich damit umgegangen bin vor zwei Jahren zeigt mir, dem Mike von HEUTE, dass ich eben noch nichts verarbeitet hatte. Wer weiß, wie ich in 10 Jahren denke? Tatsache ist... ich akzeptiere es als meine Vergangenheit und würde nichts ändern wollen.
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
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Verarbeitung der Vergangenheit

Beitragvon Lucivar » 12. Sep 2008 - 19:38


Hmm...

Ich glaube, gerade das Verarbeiten bedeutet, sich daran erinnern zu koennen. Klingt echt komisch, aber wenn man es NICHT
verarbeitet hat, dann verdraengt man es aus den Gedanken und es kommt irgendwann wieder, von allein und unerwuenscht
und laesst einen wieder leiden.

Ich lass mich nicht anfassen. Ich hasse es. Viele merken das schnell, sie wundern sich, ich hab leider auch schon Leuten derartige
Kinnhaken verpasst, dass sie hingeflogen sind, das ist keine Absicht und tut mir auch schrecklich leid, es ist ein Reflex. Ich
habe es nicht verarbeitet. Ich kann diese Art Vergangenheit nicht in Erinnerung rufen, ohne dementsprechend zu reagieren, unmoeglich
fuer mich. Ich hab einen echt guten Freund, ich kenne ihn nahezu vier Jahre, er durfte mich noch kein einziges Mal anfassen
(meinetwegen im Sinne einer Abschiedsumarmung o.ä.), obwohl wir uns echt sehr sympathisch finden. Mittlerweile bin ich sehr viel weiter,
ich kann Alltagsberuehrungen wegstecken und besagter Freund sagt auch, dass ich seine Hand mittlerweile nicht mehr ansehe, als
wuerde ich sie "abreissen" wollen -.- Ich habe es also in gewisser Weise ein Stueck verarbeitet.

Die Vergangenheit ist die Stuetze unseres Charakters, ich will nicht sagen, dass ich meine Vergangenheit so, wie sie ist okay finde,
aber sie war enorm praegend fuer mich und hat mich stark geformt und vllt sogar stark gemacht. Das klingt jetzt vllt bisschen
uneinfuehlsam, aber ich glaube, jeder Mensch erlebt mal was unglaublich Schreckliches und muss das hinnehmen, "verarbeiten". Das
heisst nicht Verdraengen, das heisst, sich bewusst damit auseinander zu setzen. Die Idee mit den Kriegsgeschaedigten ist ein
Bombenbeispiel, wie ich finde. Es zeigt auch, wie schwer es Menschen faellt, Dinge zu verarbeiten. Ich glaube auch, dass man
Staerken aus einer anderen Charaktereigenschaft nehmen muss, wenn man bestimmte Dinge in Angriff nehmen will.

Los Mike, was sagst du? :)

"Du magst Eis, du magst Eis, du liebst Eis, du kannst ohne Eis nicht leben, ohne Eis bist du hoffnungslos, deine Existenz ist sinnlos - ohne Eis. Ohne Eis bist du ein Scheiss."

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Beitragvon Mike » 12. Sep 2008 - 20:53


Nun... es freut mich natürlich, dass du meine Antwort erwartest ;-)

Zu nem Teil muss ich dir aber widersprechen (wieder Mal, sonst wärs ja langweilig :mrgreen:). Selbst WENN man es im Moment verarbeitet hat, wie schon geschrieben, man wird älter, denkt anders über gewisse Sachen. Und dann kann die Erinnerung wieder hochkommen, obwohl man sie EIGENTLICH schon verarbeitet hat. Dann wäre es keine Verdrängung. Nicht im ursprünglichen Sinne zumindest.

Ich kann mir vage vorstellen, was los war, und deine Reaktion ist natürlich vollkommen verständlich. Gewisse Dinge KANN man eben einfach nicht verarbeiten. Wenn ich richtig liege mit meiner Vermutung, dann kann ich sagen, dass ich auch zwei Bekannte habe/hatte, denen es ähnlich ging. Dabei will ich es allerdings belassen, ich will in keinen Wunden stochern.

Die Vergangenheit ist die Stütze unseres Charakters

Schön geschrieben!

Es klingt auch keinesfalls uneinfühlsam, was du schreibst. Zumindest für mich nicht, da ich an einen festen Plan im Universum glaube. Nichts geschieht ohne Grund. Wir betrachten die Hindernisse, die sich uns in den Weg stellen, und denken, dass sie SCHLECHT wären, oder dass uns irgendjemand was Böses will. Dem ist aber nicht so. Durch die Probleme erhalten wir erst die MÖGLICHKEIT, zu wachsen. Auch wenn manche Dinge sicherlich nicht angenehm waren und ich sowas nicht unbedingt gutheißen will...
Auch ich hab schon Scheisse fressen müssen, aber Tatsache ist eben, dass jeder Mensch die Fähigkeit hat, daraus zu lernen.
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Verarbeitung der Vergangenheit

Beitragvon Lucivar » 13. Sep 2008 - 11:49


Ich rechne sogar ganz fest mit einer Antwort :)

Nun, ich denke, es gibt verschiedene Arten von Verarbeiten, man kann sich auch permanent was einreden (ist ja auch Stimmungsabhaengig, zumindest bei mir) und dann denkt man es irgendwann wirklich, in meinen Augen ist das kein Verarbeiten. Zweifelsohne haften der Erinnerung bestimmte Gefuehle an und diese praegen es. Auch Gerueche koennen ja Erinnerungen hervorrufen, z. B. wenn eine Person immer geraucht hat, wenn er irgendwas Schlimmes mit jemandem gemacht hat, dann ruft der Geruch von Zigarettenrauch Panik beim Betroffenen hervor. Nehmen wir nun an, dass jemand denkt, jo, ich kann das, ich hab das verarbeitet und dann in einer depressiven Phase Zigarettenrauch riecht, dann kann es durchaus sein, dass ploetzlich alles wieder ganz anders ist, alles aufbricht, die alten Wunden wieder bluten, obwohl man sie fuer vernarbt hielt. Ich denke, wenn man etwas verarbeitet hat, dann darf man ruhig traurig oder missgestimmt werden, wenn einen etwas unerwartet dran erinnert, aber eben nicht unkontrolliert werden. Wie gesagt, die Erinnerungen gehoeren dazu und wenn sie uns irgendwann nicht mehr tangieren, dann sind wir nicht stark wie Superman, sondern einfach innerlich tot wie ein Aas.

Es kann auch sein, dass man sich das Erlebte in Pakete einteilt und diese Stueck fuer Stueck verarbeitet, aber wenn ein Ausloeser kommt, dann springt alles auf einmal aus den Paketen raus und es ist zu viel, weil man eben nur in kleinen Mengen gearbeitet hat. Dann ist man voellig aufgeschmissen und verloren in den Erinnerungen, obwohl man schon einen Teil verarbeitet hat, wobei wir wieder beim Thema einreden und verdraengen waeren. Man kann sich dauernd einreden ja, das hab ich verarbeitet und wenn es dann rausstuerzt, dann steht man schoen bloed da und kann damit nich umgehen.

Ich glaube auch, dass es extrem individuell ist wie man was verarbeitet und sich dran erinnert. Und auch vom Charakter abhaengig, weswegen unterschiedliche Menschen, die was Vergleichbares erlebt haben sich auch entweder umbringen oder den Kampf gegen die Vergangenheit aufnehmen.

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Beitragvon Mike » 13. Sep 2008 - 15:14


Nun... da weiß ich jetzt ausnahmsweise Mal nicht, was ich dem entgegen setzen sollte ;-) Kann dir eigentlich nur zustimmen.
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Re: Verarbeitung der Vergangenheit

Beitragvon Svart-Vinter » 21. Jan 2010 - 19:48


Heilt Zeit wirklich Wunden oder ist das nur eine Illusion, woran man sich in schweren Zeiten klammert wie an einen Strohhalm?
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