Verarbeitung der Vergangenheit

Forum: Philosophische Psychologie


Wie funktioniert die Psyche des Menschen? Was bestimmt unser Verhalten und unsere Handlungen?




Re: Verarbeitung der Vergangenheit

Beitragvon Mike » 22. Jan 2010 - 00:00


Ich bin mittlerweile dazu übergegangen, dass die Zeit keine Wunden heilt sondern nur "Gras über die Sache" wachsen lässt. Und wenn Gras über etwas wächst, ist das Ursprüngliche trotzdem immer noch darunter verborgen... Man klammert sich an die Hoffnung, dass die Zeit vergeht und der Schmerz verblasst und letztlich gänzlich verschwindet. Doch letztendlich gilt doch die Losung "Nihil nove sub sole". Es ist alles eine Wiederkehr des Gleichen, in unterschiedlichen Facetten und Abwandlungen. Doch das zugrundeliegende Übel, die Wurzel, ist überall vorhanden.

Andererseits verarbeitet man manche Dinge und geht das nächste Mal anders damit um. Aber lässt sich eine Erfahrung wirklich gänzlich verarbeiten/vergessen/heilen? Es hat eine (wenngleich auch nur mikroskopisch feststellbare) Veränderung stattgefunden... und nichts ist mehr wie es war, und doch bleibt alles wie es ist.
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
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Re: Verarbeitung der Vergangenheit

Beitragvon Lucivar » 7. Feb 2010 - 12:42


Hey, zuerst mal Hallo, ich lebe noch :cool:

dann zum anderen... Das Thema "Gras über die Sache wachsen lassen"... hmm tja. Um ehrlich zu sein, das hat mich sofort an Beerdigung erinnert. Man verschaufelt die geliebte Person und lässt auch Gras drüber wachsen, nein eher kultiviert man die Sache mit dem Gras und schaufelt Blumen etc auf das Grab. Der Mensch bleibt mit seinen Resten da unten. Weil man es so wollte. Man wollte, dass es so kommt und man weiß, dass da, genau unter diesem kultivierten Gras, da ruhen die Erinnerungen, da ruhen die Überreste. Dass der Zahn der Zeit sie zernagt, das wissen wir auch.

Kommt nun die Frage, vergessen wir deshalb jemals diesen Menschen? Nein. Auch, wenn die sterblichen Überreste längst Nährboden für das Gras geworden sind.

Wenn eine Stelle am Körper von Schmerz heimgesucht wird, ist sie nach einiger Zeit für die selbe Welle von Schmerz immun, das heißt, das Schmerzempfinden wurde hoehergestuft. Ich glaube, Zeit macht das gleiche. Sie verteilt nur die Schmerzgrenze um. Das Verarbeiten, also das Behandeln der verwundeten Stelle ist dennoch uns überlassen, denn tut man schlicht nichts, kommt es zu den wohl hässlichsten Narben, den schlimmsten Eiterklumpen und am Ende wohl auch zu schief zusammengewachsenen Brüchen.

Es stimmt schon, dass man mit der Zeit auch lernt, mit Dingen umzugehen, aber das liegt wohl nicht ausschließlich daran, dass der Zeitraum sich ausgedehnt hat, sondern wohl eher daran, dass man sich im Leben entwickelt hat.

Mike, dein Part? ;)

"Du magst Eis, du magst Eis, du liebst Eis, du kannst ohne Eis nicht leben, ohne Eis bist du hoffnungslos, deine Existenz ist sinnlos - ohne Eis. Ohne Eis bist du ein Scheiss."

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Re: Verarbeitung der Vergangenheit

Beitragvon Mike » 9. Feb 2010 - 12:06


Nun... was soll ich dazu noch großartig sagen? Ausser: Nett dass du wieder dabei bist ;-)
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Re: Verarbeitung der Vergangenheit

Beitragvon Svart-Vinter » 12. Feb 2010 - 18:38


Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen sich tiefer und tiefer ins Herz hinein.
Und während Jahre verstreichen werden sie Stein und warten nur darauf, erneut zu entflammen...
Auch die Seele hat so etwas wie ein Schmerzgedächtnis.

Ich denke, dass man mit der Zeit seine Wunden in gewisser Hinsicht "heilen" kann,
aber die Ursache dieser Wirkung lastet wie ein Gewicht auf der Seele.
Wenn mit voranschreitender Zeit immer mehr Wunden dazu kommen, dann wiegt die Seele nach kurzer Zeit unerträglich viel.

Man muss versuchen, die Wunden zu heilen und sie zu weniger schweren Narben werden zu lassen.
Narben, die bleiben und eine Geschichte erzählen, etwas Vergangenes, das verarbeitet wurde,
das in gewisser Hinsicht weniger wiegt und dennoch ein bedeutender Bestandteil des eigenen Lebens ist.
Seelische Narben bringen sichtbare Veränderungen mit sich.

So seltsam es auch klingen mag, aber der seelische Schmerz hat viele Gesichter und bringt den Samen für neue Perspektiven mit.
Es ist erstaunlich wie einfach das Leben werden kann, wenn man seine Lebensumstände oder was auch immer die Probleme bereitet, akzeptiert.

Das Heilen seelischer Wunden verhält sich (meiner Meinung nach) fast immer wie ein bekanntes Schema:

1. Nichtwahrhabenwollen und Isolierung
2. Zorn und Ärger
3. Verhandeln
4. Depressive Phase
5. Zustimmung


Wenn man alle Phasen nacheinander durchlebt, könnte die Chance auf einen glatten Bruch hoch sein.

Das Dumme ist, dass man nicht immer und nicht alles verdrängen kann.
Manchmal ist man gezwungen, sich gegenüber sich selbst zu stellen um einen komplizierten Seelenbruch zu verhindern.

Es ist also eine Sache, wie gut die Zeit Wunden heilt und wie viel man selber dazu beiträgt.
Sollte man in die Welle des scheinbar endlosen und ungewissen Schmerzes eintauchen und dadurch vielleicht lang und qualvoll leiden,
aber danach fast geheilt sein oder versucht man oben zu bleiben und zu kämpfen?
Zu kämpfen gegen das Zulassen des Schmerzes?
Oft bleibt es nicht nur bei einer zu heilenden Wunde, die evtl. durch andere hinzugefügt wurde.
Meistens folgt darauf die Auseinander mit sich Selbst, was das primäre Problem erheblich beschwert.

Wie dem auch sei...

So lange ein Wille vorhanden ist, wird es immerzu Berg auf und Berg ab gehen, man könnte meinen,
dass das Gesamte Leben auf diesen 5 genannten Phasen aufbaut, da man ständig in einem Wandel der 5 Phasen steht.
Sie sind ein wichtiger Grundstein in einem Menschenleben, was nicht bedeutet, dass dies ausschließlich so sein muss,
denn dazwischen gibt es noch so viel mehr...
__________________________________________________________________________________________________

Hallo, liebe Lucivar :-)

Auf dem Weg, den viele gehen, wächst kein Gras :-)


Gruß.
...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben...
Svart-Vinter

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