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Forum: Philosophie - Eigene Ansichten


Philosophie ist der Versuch des Menschen mit dem Mittel des Denkens sein Dasein, die von ihm wahrgenommene äußere Welt und sein eigenes Inneres zu erklären.




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Beitragvon Ategato » 30. Dez 2008 - 13:49


[align=center]Wie das Gebilde im Threadtitel zu deuten ist, ist eines jeden selbstes Sache. Warum, wird im Folgendem erklärt. Ich weiß, ein etwas ungewöhnlicher Titel, aber ich denke, er passt ziemlich gut. Hoffe, ihr gestattet mir diese Ausnahme ;)[/align]

[align=center][font=Eras Light ITC]Was haben das Hirn und eine Stricksocke gemeinsam?[/font][/align]

Nicht nur, dass es bei einigen immer wieder mal nicht auffindbar ist :P
Im Laufe der Jahrtausende wurde unser Gehirn so "gestrickt", dass wir unsere Welt so wahrnehmen, wie wir sie wahrnehmen. Dass wir so denken, wie wir denken. Dass unser Gehirn so funktioniert, wie es funktioniert.

Das, was ich jetzt versuchen werde zu erklären, ist ziemlich abstrakt...

Wir nehmen die Welt so wahr, wie die Evolution/Gott (<- irrelevant) uns so geformt hat. Das hat zur folge, dass wir in der Wahrnehmung sogut wie absolut gleich sind. Das nennen wir normal.
  • Aber nach der modernen Wissenschaft wissen wir auch, dass unsere Wahrnehmung nicht immer richtig und real ist (Illusion, Fata Morgana, Farberkennungsunterschiede auch nur innerhalb des Bekanntenkreises).
  • Oder nehmen wir den radikalen Konstruktivismus, welcher besagt, das die Welt nur eine Konstruktion unseres Hirnes ist. Nach neurologischen Erkenntnissen ist auch bewiesen, dass unser Gehirn die Welt "umformt" und uns denken lässt: "Das ist so und nicht anders!"

Diese beiden Punkte sagen bewiesenermaßen aus, dass das, was wir "unsere Welt" nennen eine Konstruktion unseres Gehirnes ist. Es ist auch bewiesen, dass die Bildqualität, welches uns unser Auge liefert geradezu jämmerliche Qualität hat. Das Gehirn füllt diese fehlerhafte Lücken jedoch aus, indem es etwas "dazu-puzzelt", sei es von Erinnerungen oder Ähnliches.

Nun wissen wir, dass wir Menschen keine absolut objektive und universelle Wahrnehmung haben

    [font=Eras Light ITC]Was bist Du dann?
    Was bin ich?
    Was ist der Baum draußen an der Straße oder der Stein?
    Ist es wirklich so kalt?
    Schmeckt das wirklich so süß?
    War das wirklich ein Piepen?

    Ist das nun richtig oder nur eine "falsche"/andere Wahrnehmung?
    [/font]


Soweit so gut/schlecht.

Der nächste Schritt wäre jetzt diese Programmierung bzw. dieses Gestricktsein unseres Gehirnes abzulegen. Wir müssen die Socke auflösen und die Fäden neu reinstricken.
Weil wir lernen, dass der Himmel blau ist, muss er nicht wirklich blau sein!
Hans-Horst sieht es vielleicht als Orange, nur nennt er es "blau", aufgrund der Wahrnehmungsrelativität. Ist dieser dann verrückt, wenn er sagen würde, der Himmel sei aber orange und nicht blau?
Wie würde ein Mensch den Himmel nennen, wenn er noch nie gelernt hat, dass der Himmel blau ist?

[font=Eras Light ITC]Fazit[/font]

[align=center][font=Eras Light ITC]Um die Welt so wahrzunehmen, wie sie wirklich ist, müssen wir also unsere erlernte Wahrnehmung loswerden.
Wir sind zu sehr gebunden an eingebrannte Informationen.[/font]
[/align]

Und nun. zerfleischt meinen Thread :mrgreen:

MfG,
[font=Tempus Sans ITC]Ategato[/font]
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Ategato

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Beitragvon Mike » 4. Jan 2009 - 15:02


Interessante Gedanken. Ich hatte vor ein paar Monaten ähnliche Gedankengänge, die sich noch verstärkt haben, als ich "Carlos Castanedas - Der Ring der Kraft" (Amazon-Link) gelesen habe. In diesem Buch (welches eigentlich nur das Ende einer ganzen Reihe von "Kraft-Büchern" ist ) kommt Carlos Castanedas seinen Indianer-Freund besuchen - einen Schamanen. Im Laufe des Buches erkennt man immer wieder die Unterschiede in der grundsätzlichen Weltanschauung der beiden Männer, wenn der Schamane seinem Freund versucht, die Wesen der Kraft zu zeigen.

Die erste Hälfte des Buches fand ich sehr interessant, und daraus resultierten auch meine Gedanken bzgl. Neugestaltung unserer Wahrnehmung. Die zweite Hälfte fand ich nicht mehr so prickelnd - es zog sich alles in die Länge und war stellenweise ermüdend. Nichtsdestotrotz würde ich dir dieses Buch empfehlen ;-)

Ein anderes Buch, dessen Titel und Autor mir auf Teufel komm raus einfach nicht mehr einfallen, habe ich damals von meinem Religionslehrer ausgeliehen. Darin geht es auch um die Frage, ob ein und derselbe Tisch von zwei Menschen auf gleiche Art und Weise gesehen wird, sehen wir ihn doch selbst oft auf unterschiedliche Art und Weise (z.B. je nach Lichtverhältnissen in hellgrau oder dunkelgrau oder ähnliches).

Die Idee, dass unser Gehirn sich eine komplette Welt zusammenzimmert, ist zwar nett, kann ich so aber nicht teilen. Klar, wenn wir träumen erschaffen wir auch eine eigene Welt. Und wir bewegen uns auch in Träumen. Zum Beispiel wenn wir gegen etwas treten wollen und dann aufwachen, weil wir mit voller Kraft gegen die Wand getreten haben *g* Aber die Frage ist doch dann: Wo sind wir wirklich, wenn diese Welt nur ein Gedankenprodukt ist? Denn wenn man als Grundlage hat, dass unser Gehirn das alles fabriziert, dann bedeutet das auch gleichzeitig, dass wir überhaupt erst ein Gehirn HABEN. Und dieses Gehirn muss irgendwo existieren, in einem Körper. Und auch dieser Körper muss existieren. Wo also existiert dieser Körper?
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
Mike

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Beitragvon Ategato » 4. Jan 2009 - 19:06


Dass das gehirnbeinhaltende Körper irgendwo existieren muss, stimmt, nur stellt sich, wie Du bereits sagtest die Frage, wo genau sie sich befindet.
Ich sehe hier eine nichtüberwindbare Problematik, weil eine absolut-universelle Wahrnehmung nicht möglich ist (wie auch diverse Konstruktivismen aussagen).

Außer unter einer Bedingung...
Die Wissenschaft (speziell Neurologie und Kognitionspsychologie) muss in der Erforschung von Konstruktionen, welche das Gehirn anstellt, so perfektioniert sein, sodass diese vielleicht tabellarisch exakt erläutern kann, 1) wie ein Mensch 2) unter welchen Bedingungen 3) was wahrnimmt. Dann eventuell könnte man diese Konstruktionsweise des Gehirnes beeinflussen. Möglich wäre es, wenn ich mir die Fortschritte in Humangenetik anschaue, wo Genvorgänge durch perfektioniertes Analysieren auch beeinflusst werden können (bspw. Klonierung).
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Beitragvon Haderlumpin » 7. Jan 2009 - 21:52


Der Konstruktivismus.was hat er mich schon Nerven gekostet. :mrgreen: Ich mag ihn und halte ihn auch in seiner sehr radikalen Form, die dem Solipsismus nahekommt, für interessant und anregend. Es lohnt sich auf jedenfall sich die bekanntesten Vertreter wie Maturana/Varela, von Förster und von Glasersfeld zu Gemüte zu führen.als Einstieg ist auch Watzlawick sehr angenehm zu lesen. Allerdings finde ich, soviel Spaß die interessanten Gedankenspielereien auch machen, man verliert sich dabei schnell. Die etwas weniger radikale Richtung scheint mir da fruchtbarer. Sie kann z.b. helfen, Probleme, die in übergreifenden Konstruktionen wie Kommunikation und Sprache auftreten, besser zu verstehen und zur Lösung beitragen.

Letztendlich denke ich, dass wir ebensowenig beweisen können, dass die Welt eine Konstruktion unseres Geistes ist, wie dass sie objektiv existiert und wir sie korrekt wahrnehmen. Denn konsequent konstruktivistisch gedacht ist auch die Idee des Konstruktivismus nur eine mögliche Konstruktion der Wirklichkeit unter vielen und da man sich von ultimativen Wahrheiten ja verabschieden möchte, bleibt sie unbeweisbar. :)
"Dass das Leben Höhen und Tiefen kennt, weiß auch der moderne Mensch, aber in seinen Augen kommt eigentlich nur den Höhen ein Recht auf Existenz zu, die Tiefen haben es verwirkt, ihnen droht die Höchststrafe der Moderne, die Abschaffung und Entsorgung." (Wilhelm Schmid)
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