Thema: Beerdigung

Forum: Verluste - Tod - Trauer


Ihr habt einen guten Freund/ Partner verloren, Eure Eltern oder sogar ein Kind? Habt Ihr schon mal ein Haustier verloren? Wie geht man mit dem Verlust um? Ist der Tod ein Schritt in eine neue Welt?




Thema: Beerdigung

Beitragvon Svart-Vinter » 25. Mai 2008 - 10:13


Hallo!

Ich war mittlerweile schon auf vielen Beerdigungen, jede war anders... auch vom Gefühl her.
Manche Beerdigungen sind richtig herzlich warm und manche sind auch einfach kalt und gefühllos.

Ich hatte damals im Jahr 1995, 2 Freundinnen im Alter von 15 Jahren bei einem Autounfall verloren.
Das war eine schlimme Zeit, damit konfrontiert zu sein, das sie einfach weg sind und das alles einfach weiter geht.

Die Autos fahren weiter, die Wolken ziehen weiter, die Sonne geht wieder auf und unter, die Musik, die man gemeinsam gehört hat,
wird trotzdem weiter im Radio geleiert.
Das Leben "geht einfach weiter", dass ist für mich immer das Schlimmste gewesen, als ich jemanden verloren habe.

Die Zeit bis zur Beerdigung ist immer richtig schlimm, wenn sie dann "unter der Erde" sind, fühlt man selber,
wie einem ein Stein vom Herzen fällt, eine gewisse Erleichterung.
Das soll nicht abfällig klingen, aber die Zeit bis zur Beerdigung ist ein wirklicher Ausnahmezustand für Herz und Seele.

Ich nehme jetzt mal ganz bewusst als Beispiel den Tod der beiden Freundinnen, weil die Beerdigungen total verschieden waren.

Die Beerdigung von R. (1995) war die Erste von beiden. Wir sind mit ca. 20 Leuten (Clique) dahin gegangen.
Es war nicht grad familiär. Sie hatte streng katholische Eltern.
Während der Zeremonie auf dem Friedhof als die Sargträger den Sarg herab ließen (damals noch mit Seilen),
löste sich ein Seil und der Sarg rutschte etwas tiefer.
Das war sehr schockierend, wir haben alle geweint. Das Gefühl der Endgültigkeit war sehr stark und es tat weh.

Wir waren froh, das wir diesen einen Weg schon mal geschafft hatten.

Dann kam die Beerdigung von D. (1995).... Das war eine wirklich miese Zeit.
Zu ihrer Beerdigung kamen ca. 200-250 Leute. Sie war sehr beliebt. Der Friedhof war überfüllt und die Kapelle auch.
Diese Beerdigung war vom Gefühl her nicht ganz so krass.
Nach der Beerdigung gab es für alle Angereisten noch einen "Leichenschmaus".
Das finde ich persönlich nicht gut und das würde ich mir für meine Beerdigung nicht wünschen.

Der eigentliche Sinn des Leichenschmauses ist meiner Meinung nach untergegangen.
Ich habe es so erlebt, dass da gelacht und gewitzelt wurde, dass viele Leute die Beerdigung nur zwischen 2 Termine geschoben haben.
Es kamen Menschen, die man schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat...

Wenn ich jemanden verloren habe, dann habe ich keine Lust, nach der Beerdigung noch Witze zu reißen und beim Brunch über alte Zeiten zu reden.
Andere benutzen diesen Leichenschmaus wahrscheinlich, um die Trauer besser verarbeiten zu können oder vielleicht sogar wegen einem schlechten Gewissen.
Von mir aus könnte man den Leichenschmaus abschaffen und anstatt dessen lieber Spenden einsammeln (was heute auch häufig gemacht wird).

Meine Eltern zB. wünschen sich keine großartige Beerdigung, sie möchten anonym beerdigt werden, um danach niemandem Umstände zu bereiten,
was die Grabpflege und auch die Grabgebühr betrifft.

Ich muss ehrlich sagen, das der Gedanke daran eigenartig ist, ein Stück "Rasen" zu besuchen.


Was könnt ihr zum Thema "Beerdigungen" erzählen?


Liebe Grüße.
...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben...
Svart-Vinter

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Beitragvon Hagazussa » 25. Mai 2008 - 19:29


Zu diesem Thema kann ich auch was erzählen.

Ich hatte einen "Richtigen" und einen "Stiefvater".
Leider sind beide innerhalb einer Woche verstorben.

Zu meinem richtigen Vater hatte ich seit ich 10Jahre war, keinen Kontakt.
(warum kann ich noch nicht mal sagen)
Zu meinem Stiefvater war der Kontakt eigentlich besser. Obwohl er auch nicht so besonders gut war.
Er hat aber einen größeren Teil meines Lebens mit mir verbracht.

Dann kamen die Beerdigungen....

Erst die von meinem Stiefvater.
Ich muß sagen, das war die komischste
Beerdigung meines Lebens.
Ich bin mit meinem jüngeren Bruder dahin gefahren. Seltsamer Weise
waren wir beide gar nicht in Trauerstimmung.
Wir sind sogar mit Ramstein (Asche zu Asche) im Auto dahin.
In der Kirche ging es dann weiter.
Alle saßen in ihren Bänken und es herrschte Stille. Ich schaute mich so
um...die Menschen, die Kirche, der Pfarrer...
Und dann sah ich an meinem Bruder herunter.....
Ich kann es schlecht so beschreiben, wie es war. Aber Alle in der Kirche
waren in Schwarz oder in Dunkel gekleidet. Wir zwei inbegriffen.
Bis auf die Socken meines Bruders.....
Die strahlten in einem weiß, wie es nicht weißer hätte sein können.
Die Stimmung kippte so langsam und ich hätte fast losgelacht.
Dann fing die Orgel an zu spielen....Da war für mich alles vorbei.
Es fehlte echt nur noch, das eine Leinwand heruntergefahren kam und
ein Charlie Chaplin Film gespielt würde.
Ich weiß nicht, was da los war. Denn ich respektiere Trauer.

Die Beerdigung meines Vaters war genau anders rum.
Obwohl ich sooo lange keinen Kontakt zu ihm hatte, war ich die ganze
Zeit traurig und habe auch viel geweint.

Ich kann mir diese unterschiedlichen Beerdigungen bis heute nicht so
wirklich erklären.
Wenn du es eilig hast, gehe langsam
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Beitragvon höstdepressioner » 1. Jun 2008 - 23:33


Hallo,

meine erste Beerdigung habe ich mit 9 Jahren erlebt. Ich kann garnicht sagen, wie lange die Krebskrankheit meiner Mutter angehalten hat, bevor sie vor fast 13 Jahren verstarb.

Ich kann mich nur daran erinnern, dass ich zutiefst verwundert war, welche Menschen anwesend waren, die ich davor noch nie in meinem Leben gesehen habe, obwohl ich die Tochter bin! Die Kapelle war relativ groß und auch dementsprechend gut gefüllt und irgendwie habe ich alles wie durch eine glasige Scheibe miterlebt. Zu der Zeit war ich einfach noch nicht in der Lage zu realisieren, was passiert ist, wo ich mich befinde und was der Grund dafür ist. Ich habe immer daran geglaubt, dass meine Mutter gesund wird. Wie tödlich und schmerzhaft ihre Krankheit war, konnte ich mir zu dem Zeitpunkt nicht erklären, obwohl ich auch schon relativ reif für mein Alter war. Da die Beerdigung im tiefsten Winter stattfand, war sie von der Stimmung und dem Wetter her wie aus einem Film. Es hat geregnet, geschneit, war bitterkalt und alles war einfach nur dunkel und grau. Und was ich so surreal fand, war das "Trauerfest-Mahl" - irgendwie war keinem mehr bewusst, aus welchem Grund man eigentlich da war. Man hat gespeist und ich weiß nicht, ob ich es noch recht in Erinnerung habe, aber es war garantiert nicht ruhig, sondern eher wie auf einem Geburtstag, obwohl die Trauer zumindest bei mir und meinen engsten Angehörigen natürlich greifbar zu spüren war. Was ich nie verstanden habe, waren die Leute, die sich noch nicht mal vorgestellt haben, wer sie sind. Ich will einfach keine fremden Leute auf einer Beerdigung sehen, die die verstorbene Person vielleicht nur aus einem Arbeitsverhältnis heraus kannten, obwohl auch bestimmt einige Pfleger dabei waren, die meine Mutter bis zum Schluss begleitet haben.

Zum Teil bin ich gut im Verdrängen und daher habe ich nur einige Bilder in meinem Kopf, was das Märtyrium vor dem Tod betrifft sowie die Beerdigung und die Zeit danach.

Letztendlich habe ich die Erfahrung machen müssen, dass ca. alle 5 Jahre jemand aus meiner Familie stirbt. Das zweite Mal war mit 15, als der Lebensgefährte meiner Großmutter verstarb. Sein Tod hat mich sehr getroffen, da er irgendwie wie mein Opa war, da ich nach dem Tod meiner Mutter von ihm und meiner Großmutter aufgenommen wurde. Er erlag im heißesten Sommer einem Schlaganfall, nachdem er in einem Getränkemarkt umgekippt ist. Im Gegensatz zu meiner Mutter war dies ein kurzer Leidensweg nach einigen Operation und ich habe ihn vor seinem Tode nicht mehr gesehen. Vielleicht war ich schon abgehärtet und daher habe ich seine Beerdigung relativ objektiv gesehen. Es war nicht mehr so schmerzhaft, ich konnte irgendwie besser damit umgehen. Obwohl er die Operationen gut überstanden hätte, wäre er zu einem Pflegefall geworden und ich bezweifle, dass meine Großmutter trotz ihres starken, unermüdlichen Charakters das auf sich hätte nehmen können. Also war es letztendlich eine Erlösung für ihn, da er niemals von anderen Leuten abhängig sein wollte. Die Beerdigung fand auch im Winter in derselben Kapelle statt, wie einige Jahre davor und irgendwie war es seltsam normal, es war kalt, aber sonnig. Sogar die Grabrede war irgendwie optimistisch, da man ja auf das Leben und den Charakter des Verstorbenen eingeht und das war sehr nett gemacht, da der Verstorbene auch eine sehr humorvolle Person war. Es klingt komisch und man kann das irgendwie nicht so wirklich in Worte fassen. Das Einzige, was ich nie verstehen werde, sind diese Trauerfestmahle. Es ist auch immer dasselbe: man betüdelt sich und trauert während der Beisetzung und danach finden einige Anwesende durch Trank und Wein wieder zum Lachen.

Und das letzte Mal war letztes Jahr im Sommer, als dann mein richtiger Opa verstarb, hier war es durch Alkoholkrankheit ein jahrelanger schleichender Tod. Es waren auch diesmal nur Familienangehörige dabei, die ich kannte und wir waren vielleicht an die 10 Leute. Die Atmosphäre war irgendwie familiärer, was bei den anderen davor nicht war. Jedenfalls sehe ich den Tod nicht mehr als so unwirklich und unfassbar. Er ist irgendwie immer da und präsent. Natürlich hoffe ich, dass es noch lange Zeit dauern wird, bis der Nächste scheidet, aber wie gesagt: irgendwie bin ich nach all den Jahren abgehärtet.

Tja, dieser erste Eintrag von mir ging wohl etwas über das Eingangsthema hinaus. Allerdings finde ich es besser, wenn man die dazugehörige Geschichte dazu schreibt, um es besser nachvollziehen zu können. Man möge mir meine Schreibfreude verzeihen ;)

Nur dieses Thema - Trauer, Tod und Beerdigungen - ist jahrelang präsent. Es ist stets traurig, aber manchmal auch gut, wenn es um Menschen geht, die eine jahrelange Qual hinter sich haben. Und letztendlich gibt es auch solche, die ihren Tod selber beigeführt haben, nicht durch Suizid, sondern exzessivem Trinkverhalten und da kann ich nicht mehr wirklich mittrauern, sondern erwarte das schon fast.
Gesegnet sei der, welcher die Blinden auf ihrem Wege abweise.
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Beitragvon Svart-Vinter » 2. Jun 2008 - 05:38


Hallo!

Ich finde Deinen Beitrag super, Danke.

Meinst Du, dass es einfacher ist mit dem Tod einer Person umzugehen, wenn sie schnell oder eher langsam aus dem Leben scheidet?
Von was ist die Stärke der Trauer und der anderen Gefühle abhängig?

Diese Fragen kamen mir in den Sinn als ich Deinen Beitrag las.

Ich habe mittlerweile auch viele Menschen verloren, aber erst seit der Arbeit im Altenheim habe ich das Gefühl wie Du, dass der Tod ständig präsent ist.
Die Menschen, die ich verlor, sind aber alle noch vor dieser Zeit gegangen.

Manchmal kann ich gut mit dieser Präsenz umgehen und manchmal gar nicht.

Und letztendlich gibt es auch solche, die ihren Tod selber beigeführt haben, nicht durch Suizid, sondern exzessivem Trinkverhalten und da kann ich nicht mehr wirklich mittrauern, sondern erwarte das schon fast.


Das stimmt! Im Grunde erwartet man nur den Tod, da es auch auf der Hand liegt, nur kann es bis dahin oft noch viele Jahre dauern.
In der Nachbarschaft meiner Eltern wohnen einige Alkoholiker und eine Frau und auch Bekannte von meinen Eltern ist stark betroffen davon
seitdem ihr Mann Suizid begann im Jahr 2003.

Diese Frau sieht mittlerweile sehr schlimm aus und meine Eltern sagen immer, dass das mal kein gutes Ende nimmt.
Aber es ist paradox.... irgendwie wartet man auf dieses Ende, aber trotzdem sind die Gedanken daran komisch.

Überhaupt ist der Gedanke komisch, dass ein Mensch (egal welcher), den man mag, irgendwann nicht mehr da ist.
Die Tragweite der Endgültigkeit ist so unfassbar, obwohl man dieser schon so oft begegnet ist.
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Beitragvon höstdepressioner » 2. Jun 2008 - 12:57


Sao hat geschrieben:Hallo!

Ich finde Deinen Beitrag super, Danke.

Meinst Du, dass es einfacher ist mit dem Tod einer Person umzugehen, wenn sie schnell oder eher langsam aus dem Leben scheidet?
Von was ist die Stärke der Trauer und der anderen Gefühle abhängig?

Diese Fragen kamen mir in den Sinn als ich Deinen Beitrag las.


Hallo :)

Das ist eine sehr gute Frage. Wenn mir die Menschen am Herzen liegen, dann ist es egal, ob sie durch einen Unfall, eine plötzliche schnelle oder langsame Krankheit versterben. Die Trauer ist gleich, es ist aber am elendsten zu beobachten, wenn man diesen Leidensweg persönlich erfährt. Man sieht, wie der Mensch schwächer wird, wie er leidet und man sieht Dinge, die man so nie wollte. Der Mensch ist nicht mehr derselbe wie davor. Zeitweise kann man sich garnicht mehr vorstellen, dass es an sich dieselbe Seele und derselbe Körper ist. Es ist nicht einfach für mich das zu beantworten, ehrlich gesagt. Letztendlich konnte ich aber mit den plötzlich Verstorbenen besser umgehen, als jahrelang diese Ungewissheit mit sich zu tragen. Gibt es Genesung oder ist das der langsame Weg in den Tod und muss man sich verabschieden?
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Beitragvon Hagazussa » 2. Jun 2008 - 20:59


Wenn ich das so lese, fällt mir auf, das anscheind jede Beerdigung
anders ist und man sie anders empfindet.

Diesen "Totenschmaus" finde ich recht komisch. Erst weinen alle und sind
traurig oder geben es vor zu sein. Aber dann sitzten alle beisammen Essen,
trinken und lachen.
Woher kommt dieser Brauch eigentlich?

Ich war mal in einem Hunderverein und da ist eine Frau gestorben, die sehr
viel für den Verein getan hat.
Sie hatte keinen langen Leidensweg. Sie ist einfach von Stuhl gekippt und war Tod.
Was mich verwundert hat, das nachdem sie Beerdigt worden war, keiner
in dem Hunderverein über sie gesprochen hat.
Das hat mich so genervt, das ich meinen Mund aufgemacht habe.
Ich habe gefragt, warum denn keiner mehr von ihr spricht....
Man kann sich doch an sie erinnern und auch über sie sprechen.
Dadurch bleibt sie ja noch ein wenig lebendig. Warum muß man verstorbene Menschen totschweigen?

Ich fand diese Situation sehr seltsam.
Alle sitzten da, denken an sie und sind traurig.
Aber keiner spricht über sie.... :con:
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Beitragvon Lirias » 2. Jun 2008 - 21:11


Der Brauch des Leichen/Totenschmauses kommt aus der Zeit vor dem Auto. Früher mussten Menschen für eine Beerdigung weit reisen, manchmal mehrere Tage. Dort gab es dann für alle etwas zu essen, damit sie die Strapazen der Reise zurück wieder heil überstehen.
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Thema: Beerdigung

Beitragvon Mike » 2. Sep 2008 - 21:12


Ich würde noch etwas weiter zurück gehen mit dem Totenschmaus. Ich hab als Jugendlicher auch gedacht, wie abartig so ein Verhalten ist - statt der Trauer lacht man und feiert man. Nun, davon abgesehen, dass der Sinn hinter dem Leichenschmaus und hinter dem Feiern verloren ging über die Jahrhunderte, ändert aber nichts daran, dass er seine Berechtigung hat.

In alter Zeit, als die Natur noch nicht in physische Formeln fassbar war und man dennoch wusste, dass Dinge von oben nach unten fallen, wusste man auch noch um viele Weisheiten. Zum Beispiel der, dass durch die Trauer die Seele eines Verstorbenen an das Erdenleben gebunden ist. Je länger und je intensiver man trauert, desto schwieriger wird es für die Seele, ihren Heimweg anzutreten, da sie immer noch eine gewisse Verbindung zu ihrem Leben hat. Durch den Leichenschmaus sollte man stattdessen feiern, dass die Seele des Verstorbenen das Alte hinter sich lässt und nun eine Stufe höher steht, ein Feld weiter gerückt ist.

Wenn man daran glaubt, dass nach dem Tod nicht alles vorbei ist, dann fällt einem ein Leichenschmaus auch wesentlich leichter. Wobei natürlich einfach die menschliche Komponenten noch fehlt... man vermisst natürlich die verstorbene Person, weil man viele schöne Stunden mit ihr erleben durfte. Aber man sollte sich für die Seele freuen. Damit erweist man ihr einen weitaus größeren Dienst.

Ich selbst bin bisher glücklicherweise noch nicht in die Situation gekommen, eine mir liebe Person zu Grabe tragen zu müssen. Es würd mir sicherlich verdammt bescheiden gehn und ich wär am Boden zerstört. Aber die Tatsache, dass der Tod nicht das Ende ist, kann helfen.
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
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Thema: Beerdigung

Beitragvon Lucivar » 2. Sep 2008 - 21:39


Frueher hat mich der Pfarrer oft gefragt, ob ich nicht Kreuz auf den Beerdigungen tragen wuerde, eigentlich is das die Aufgabe der Konfirmanten und so, aber ich hab's trotzdem gemacht und begleitete viele Angehoerige, hab viele letzte Worte zu Personen gehoert, die ich von klein auf kannte. Es ist seltsam. Sie hinterlassen etwas... aber ich weiss nie wie stark und wie lang, wann es verblasst. In der Regel war die Kirche stets voll. Die Leichenbuddler kannten mich sogar schon, fuer sie war es ein Handwerk. Ich weiss nicht, was es fuer mich war.

Dann - in nur einer Woche - verlor ich drei Freunde, zwei durch einen Unfall und einen durch Krebs. Letzteren kannte ich sehr lange und mochte ihn ziemlich. Wir hatten uns von Anfang an Spitznamen gegeben, er war sehr nett. Frueher hab ich 3-4 km umweg gelaufen, um ihn noch mal zu sehen, so einmal im Monat, dann ging das seltener, weil ich weniger Zeit hatte. Eines Tages, als ich die Zeitung aufschlug, da stand er mit schwarzem Kreuz drin. Ich war so erschrocken, ich konnt nicht mal reagieren. Ich ging nicht zur Beerdigung. Ich weiss auch heute noch nicht, auf welchem Friedhof er liegt. Als ich von seinem Tod erfuhr sagte ich es meinen Eltern, sie sagten, das Leben ginge weiter und meine Leistungen sollten nicht darunter leiden. Das war alles.

Ich weiss nicht, ob es einen Leichenschmaus gab. Ich weiss, dass er enorm lieb war. Ich weiss, dass er mir etwas gegeben hat, das sehr wichtig fuer mich war. Ich weiss nicht, was der Pfarrer alles ach so Tolles geplappert hat. Er hatte ja doch keine Ahnung. Ich hab keinen seiner anderen Freunde gesehen. Aber ich denke des oefteren mal an ihn. Ich glaube, Tod, das ist ein nicht existieren und wenn ich ihn vergesse, dann, ja dann lasse ich ihn sterben.

"Du magst Eis, du magst Eis, du liebst Eis, du kannst ohne Eis nicht leben, ohne Eis bist du hoffnungslos, deine Existenz ist sinnlos - ohne Eis. Ohne Eis bist du ein Scheiss."

Lucivar

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Thema: Beerdigung

Beitragvon The_Sorrow » 17. Sep 2008 - 20:08


Ich hab meinen Opa an Weinnachten verloren.....es war schon krass.
Heiligabend hatte zu der Zeit einen bitteren Nebengeschmack, zu allem
Überfluss machte dann auch noch meine Tante Stress und gab meiner MUtter die Schuld das alles nicht reibunglos bei der Vorbereitung zur Beerdigung verlief. Dabei hat meine Mutter alles gemacht und musste sich um sämtliche Angelegenheiten kümmern, seitdem reden wir mit dennen nicht mehr weil sie völlig unberechtigt rumgezettert hat.
Was die Beerdigung selbst angeht. Da fühlte ich mich seltsam Leer, es nagte an mir unglaublich aber im Endeffekt hab ich weder geweint noch großartig getrauert, man muss dazu sagen das ich schon lange nicht mehr weine oder so extrem meine Gefühle zeige aber das war eine harte Probe. Wahrscheinlich war ich einfach froh das mein Opa von dem Krebs der ihn zerfressen hat erlöst wurde. Ich muss heute noch an Weinnachten daran denken aber ich finde das es am Ende besser für ihn war. Er hat ziemlich daran gelitten das meine Oma gestorben ist und die Schmerzen die der Krebs verursachte waren wohl unerträglich.
Vergessen werd ich ihn nie, er hat mir eins seiner Hobbys vermacht und war sonst echt toll immer nett und so. Ich hoffe da wo er jetzt ist, ist er glücklich. Wenn mit dem Tot nicht alles endet.
The_Sorrow

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