Suizid

Forum: Philosophie - Eigene Ansichten


Philosophie ist der Versuch des Menschen mit dem Mittel des Denkens sein Dasein, die von ihm wahrgenommene äußere Welt und sein eigenes Inneres zu erklären.




Suizid

Beitragvon Lillifee » 5. Dez 2009 - 15:07


Vor einiger Zeit hat sich ja der Nationaltorwarth (wird das so geschrieben?) Robert Enke umgebracht…wird ja jeder mitbekommen haben.
Alle haben Mitleid und so. Ich finde das total schlimm. Dieser Typ lässt seine Frau allein und hat das Leben eines Lokführers zerstört. Das ist so egoistisch!
Es hieß, er wolle nicht, dass seine Depression an die Öffentlichkeit gelangt…und jetzt?Jetzt erfährt die Öffentlichkeit ALLES und seine Frau steht damit alleine da.
Und wenn er Selbstmord begehen muss, kann er dann nicht einfach irgendwo allein Tabletten nehmen?
Sich vor einen Zug zu schmeißen ist so asozial!

So…*sich-Luft-gemacht*

Wie denkt ihr darüber?
Übrigens ist durch diesen Suizid die Rate an Selbstmorden duch "vor-den-Zug-werfen" ziemlich heftig angestiegen.

Generell würde ich sagen, jeder der meint, er müsse sich umbringen, soll das tun,aber nicht indem er andere da mit reinzieht.
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Re: Suizid

Beitragvon Thanatos » 5. Dez 2009 - 16:13


Die richtige Schreibweise ist "Torwart".

Obwohl ich die Deine Meinung hinsichtlich der öffentlichen Mitleidsbekundungen teile, kann ich Deine Vorwürfe gegen Enke selbst nicht nachvollziehen. Das war - nach allem was ich weiß - ein Selbstmord aus Verzweiflung, keine wohlüberlegte rationale Beendigung seines Lebens. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Wirbel von ihm sogar gewollt war. Es sollte jeder mitbekommen! Nach der langen Zeit des In-Sich-Hineinfressens sollte sein Tod ein Fanal sein. Ein deutliches Zeichen. Das ist nicht asozial, das ist einfach traurig. Es ist schade, dass er sich nicht anders zu helfen wusste. Asozial ist es hingegen, nur an seinen nächsten Termin zu denken und sich darüber zu beschweren, dass der Zug Verspätung hat, weil wieder mal ein "Personenschaden" entstanden ist. Dieser "Personenschaden" ist (bzw. war) immerhin auch ein Mensch. (Alles schon persönlich erlebt.)

Anderen Egoismus vorzuwerfen ist übrigens, meiner jüngsten Erfahrung nach, nahezu immer zum Scheitern verurteilt, weil der häufigste Grund für diesen Vorwurf der eigene Egoismus ist.
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Re: Suizid

Beitragvon Lillifee » 5. Dez 2009 - 16:45


Äh, der hat seinen Suizid Tage vorher geplant, also ist das schon überlegt gewesen.
Ich verstehe dass er verzweifelt war und vor allem dass er eine Krankheit hatte.
Ich kann nur nicht verstehen, wieso man sich nicht umbringen kann, ohne andere damit zu schaden. Und damit meine ich nicht die Leute, deren Zug dadurch Verspätung hat!!!
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Re: Suizid

Beitragvon Svart-Vinter » 5. Dez 2009 - 17:26


Man kann keinen Suizid begehen ohne dabei egoistisch zu sein... und irgendjemand wird in den meisten Fällen zurück gelassen,
der mit den Folgen des Suizids irgendwie lernen muss, umzugehen.

Ich schätze, dass er (Enke) die Tat nicht besonders lang -wenn überhaupt- geplant hat.

Die Art des Suizids ist eine relativ brutale, aber sichere Methode. Worauf lässt das schließen?

Ich finde die Art seines Abgangs abscheulich, aber auf der anderen Seite kann ich es ihm nicht verübeln,
da ich selbst auch das Gefühl der absoluten Auswegslosigkeit und den quälenden Gedanken kenne, was bei vielen eben dazu führt,
sich selbst davon für immer zu befreien.

Manche haben die Kraft diesen Punkt zu überwinden und andere Menschen führt der Weg in den Tod...

Das es so in den Medien breit getreten wurde, wundert mich überhaupt nicht, da die -in Deutschland- endlose Sensationsgeilheit dem Taktgefühl,
dass man z.B. in so einem Fall wie Robert Enke haben sollte, überwiegt.


Viele Grüße.
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Re: Suizid

Beitragvon Mina » 7. Dez 2009 - 21:11


Ich finde die ganze Sache eher traurig.
Wie schon gesagt wurde,.. ein wenig "egoistisch" ist wohl jeder Selbstmord, denn fast immer wird irgendjemand zurückgelassen der dann damit leben muss und mit diesem Tod klarkommen muss.
Allerdings finde ich es nicht in Ordnung, diese Menschen dann im Nachhinein zu verurteilen, schon gar nicht ohne sie persönlich zu kennen. Ich denke nicht, das jemanden es leicht fällt seinem Leben bewusst ein Ende zu setzen. Wenn jemand keinen anderen Ausweg mehr sieht als sein Leben zu beenden, und nicht, (aus welchen Gründen auch immer,) in der Lage ist sich Hilfe zu holen finde ich das mehr traurig wie asozial.

Ich bin da auch immer ein wenig hin und her gerissen. Auf der einen Seite frage ich mich, wieso es so kommen muss, das jemand alle Freunde, Bekannten und so weiter "alleine lässt", indem er sich das Leben nimm.
Aber auf der anderen Seite ist mir auch im Bewusstsein das es eben auch für diese Menschen nicht leicht ist. Vielleicht haben sie schon lange Zeit dagegen angekämpft und hatten irgendwann keine Kraft mehr weiter zu machen. Und da ist es dann auch wieder nicht rechtens diesen Menschen Vorwürfe zu machen.

Aber das beziehe ich jetzt alles eher allgemein auf Menschen die Suizid begehen, und nicht auf Enke (das ist für mich nur ein weiterer Name, nicht bekannter wie jeder andere mir unbekannte Selbstmörder).

Ich denke auch nicht das die Rate der Selbstmörder die sich vorn Zeug gestürzt haben durch die Tatsache des Selbstmordes selbst angestiegen ist. Sondern eher durch die starke Berichterstattung in den Medien.
Es sterben so viele Menschen durch Suizid, nur keiner bemerkt es, daher zieht es auch nichts weiter nach sich für "die Mehrheit". Dieses Phänomen wird also eher auf den Bekanntheitsgrad und die damit verbundene Berichterstattung zurückzuführen sein, nicht auf die Sache an sich.
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Re: Suizid

Beitragvon Svart-Vinter » 7. Dez 2009 - 23:02


Ich hatte mal irgendwo gelesen, dass die Berichterstattung über Suizid in den Medien nicht so ausgebreitet werden soll,
wie es vor kurzem bei Robert Enke der Fall war.

Ehrlich gesagt wüsste ich nicht, dass es zumindest seitdem ich denken kann, mal der Fall war, das über so was derartig berichtet wurde.
Wie Du schon sagtest, es sterben ständig Menschen durch Suizid und darüber redet keiner, da es kaum bemerkt wird...
außer dann irgendwann in einer von vielen Statistiken.

Ich finde auch traurig was passiert ist, aber ich halte mich distanziert, da ich nicht weiß was ich davon halten soll....
ich denke, jeder könnte so enden.


Viele Grüße.
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Re: Suizid

Beitragvon Lillifee » 8. Dez 2009 - 00:30


Also soweit ich weiß, gibt es so eine Art "Kodex" in den Medien, dass über Suizide zb in Zeitungen nicht berichtet wird…gerade auch weil es für die Angehörigen schwer ist und um "Nachahmer" zu vermeiden...
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Re: Suizid

Beitragvon Thanatos » 8. Dez 2009 - 18:24


Naja, von einem Bericht-(Selbst-)Verbot kann keine Rede sein:

Richtlinie 8.5 - Selbsttötung
Die Berichterstattung über Selbsttötung gebietet Zurückhaltung. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen und die Schilderung näherer Begleitumstände. Eine Ausnahme ist beispielsweise dann zu rechtfertigen, wenn es sich um einen Vorfall der Zeitgeschichte von öffentlichem Interesse handelt.


Quelle: Deutscher Presserat - Pressekodex - Richtlinien zu Ziffer 8 "Persönlichkeitsrechte"

"Zurückhaltung" kann man sehr weit auslegen und bei jemandem wie Enke greift dann sowieso Satz 3.
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Re: Suizid

Beitragvon Lillifee » 8. Dez 2009 - 23:50


Von einem Verbot hat ja auch niemand geredet… :roll:
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Re: Suizid

Beitragvon Thanatos » 15. Dez 2009 - 23:53


Lillifee hat geschrieben:Also soweit ich weiß, gibt es so eine Art "Kodex" in den Medien, dass über Suizide zb in Zeitungen nicht berichtet wird…gerade auch weil es für die Angehörigen schwer ist und um "Nachahmer" zu vermeiden...


Wikitonary: Wortbedeutung von Kodex hat geschrieben:Bedeutungen:

[1] die Gesamtheit aller in einer Gesellschaft maßgebenden Vorschriften, Normen und Regeln (auch nicht schrifltich fixierte Normen)
http://de.wiktionary.org/wiki/Kodex

Eine Verhaltensnorm, die beinhaltet, eine bestimmte Handlung zu unterlassen, nennt man gemeinhin auch Verbot.
Und so wie Du das oben formuliert hast, *muss* man das quasi so lesen. Sofern Du das anders gemeint hast, hättest Dus anders schreiben müssen. ;)
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