Lillifee hat geschrieben:Alle haben Mitleid und so. Ich finde das total schlimm.
Ja, ich finde es ehrlich gesagt auch zum Kotzen, dass hier jeder Mitleid hat - zumal sie ihn nur aus dem Fernsehen kennen. Für sie ist er eigentlich nur ein "schillernder" Name und keine Person an sich. Viele, die jetzt mit ihm Mitleid haben, erkennen wahrscheinlich nicht Mal, dass sie im Bekanntenkreis ähnliche Fälle haben - nur dass diese eben nicht so öffentlichkeitswirksam sind.
Lillifee hat geschrieben:Dieser Typ lässt seine Frau allein und hat das Leben eines Lokführers zerstört. Das ist so egoistisch!
Vielleicht egoistisch, ja. Ich bin auch kein Freund der These "Persönliche Freiheit steht über dem Gemeinwohl". Aber manchmal muss man auch auf sich selbst schaun. Ja, er hatte Verantwortung für Frau und Kind. Aber da Depressionen nichts sind, die von heute auf morgen auftauchen sondern die sich schon über nen Zeitraum entwickeln und wogegen viele Menschen auch lange Zeit ankämpfen, darf auch nicht vergessen werden. Wer weiß - vielleicht hat er sich die letzten Wochen vor dieser Tat ja gequält, dass er das nicht machen sollte, da er damit andere im Stich lässt? Vielleicht litt er sein ganzes Leben lang schon an solchen Gedanken? Die Macht der Gedanken darf nicht unterschätzt werden, noch dazu wenn diese nie nach draussen gelangen sondern nur im eigenen Kopf rumspuken.
Lilliefee hat geschrieben:Übrigens ist durch diesen Suizid die Rate an Selbstmorden duch "vor-den-Zug-werfen" ziemlich heftig angestiegen.
Quelle bitte. Denn diese Aussage halte ich schlichtweg für falsch (v.a. das "ziemlich heftig"), so aus dem Zusammenhang gerissen. Vielleicht ist die prozentuale Verteilung bei Selbstmorden in der Kategorie "Den Zug noch erwischen" angestiegen, dafür fiel die Anzahl an Tabletten-Suiziden.
Ich stimme auch Thanatos in seiner Interpretation zu. Ein letzter verzweifelter Ausruf. Nach all der Zeit des in-sich-hineinfressens, des ewigen Schluckens, dieser ewigen Schuldzuweisungen an sich selbst will man einfach nur FREI sein. Nachdem man seine "Krankheit" jahrelang versteckt hat, sich einfach nur hinzustellen und zu rufen "Da bin ich - das bin ich".
Dass bei einer Person des "öffentlichen Interesses", wie Enke es war, auch in den Medien berichtet wird ist vollkommen verständlich. Um ehrlich zu sein verfolge ich die Medien aber schon gar nicht mehr, insofern kann ich nicht sagen, ob es in diesem Fall nun mehr oder weniger Berichterstattung gab.
Grundsätzlich interessiert mich der Fall Enke auch weniger als wenn sich ein völlig Unbekannter vor den Zug schmeisst. Mitleid ist vorhanden, ja - weil auch ich das Gefühl kenne, dass man manchmal einfach nicht mehr kann. Suizid widerspricht zwar meiner Auffassung vom Leben an sich, aber ich kann diese Menschen verstehen. Was ich nicht verstehen kann (wie auch eingangs bereits erwähnt), wenn Enke nun Stammtisch-Gespräch wird. Eine schlichte Meldung über diesen Vorfall hätte gereicht. Aber höchstwahrscheinlich (nicht weil ich das weiß, sondern weil ichs aus Erfahrungen kenne) wird nun in diversen Stammlokalen gerätselt und gedichtet, was das Zeug hält, was ihn denn letztendlich veranlasst hat... der Voyeurismus des Menschen ist eben doch unersättlich.

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