Sterbehilfe - Ja oder Nein?

Forum: Philosophie - Eigene Ansichten


Philosophie ist der Versuch des Menschen mit dem Mittel des Denkens sein Dasein, die von ihm wahrgenommene äußere Welt und sein eigenes Inneres zu erklären.




Sterbehilfe - Ja oder Nein?

Beitragvon Svart-Vinter » 18. Sep 2008 - 15:06


Dürfen Ärzte todkranken Menschen Sterbehilfe gewähren und sie von ihren furchtbaren Schmerzen erlösen?

Kann man da auch Unterschiede machen zu Menschen, die einfach keine Lebenslust mehr haben und zu Menschen,
die wirklich todkrank sind und keine Chance auf Heilung haben?
Sollte jedem geholfen werden, wenn er das möchte und nicht mutig genug ist, sich das Leben zu nehmen?

Fragen über Fragen...

Durch das Verbot für Sterbehilfe in Deutschland sind verzweifelte Menschen dazu verbannt, sich weiter zu quälen,
es selber zu beenden oder in ein anderes Land dafür zu gehen, wo es erlaubt ist.

Was haltet ihr davon?


Viele Grüße.
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Sterbehilfe - Ja oder Nein?

Beitragvon Sydney » 18. Sep 2008 - 15:31


Wenn der Mensch es wirklich will und man ihm vorher umfangreiche Hilfe zur Verfügung gestellt hat und in vielen Gesprächen sich dieser Wunsch wirklich deutlich abzeichnet, dann würde ich der Sterbehilfe durch Ärzte zustimmen.

Problematisch dabei ist, daß Menschen, welche in so verzweifelten Situationen sind, meistens auch nicht mehr in der Lage sind, wirklich noch deutlich und zweifelsfrei ihren Willen kund zu tun. Und dann kann dabei erbfreudigen Verwandten natürlich Tür und Tor geöffnet werden.

Es ist also ein sehr schwieriges Thema, bei dem es meines Erachtens keine Standartlösung geben kann und der Einzelfall immer ganz vom neuen gewürdigt werden muß.
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Sterbehilfe - Ja oder Nein?

Beitragvon Mike » 18. Sep 2008 - 16:23


Ein schwieriges Thema. Ich denke auch, dass man es bei jedem Fall gesondert betrachten muss:

- kann der Person wirklich geholfen werden, sprich: Ist ein Leben nach der Heilung ohne allzu große Einschränkungen(Debilität, ...) gegeben?
- betrachtet die Person die Sache objektiv oder ist sie zu sehr auf den negativen Ausgang versteift

Wenn jemand so etwas wirklich will, bin ich der Meinung, dass wir ihn nicht daran hindern dürfen. Es ist nur verständlich, dass jemand einen ehrwürdigen Tod dem Dahinsiechen bevorzugt. Aber ich finde, wir haben kein Recht, solche Leute ohne ihr Einverständnis zu "entsorgen".

Was aber auf jeden Fall zu beachten ist, sind die - wie Sydney schon angesprochen hat - die Erbschleicher...

Ich bin also ein Befürworter der Euthanasie... wobei das nicht bedeutet, dass sie gegen ihren Willen entsorgt werden. Denn Euthanasie bedeutet nichts anderes als "Guter Tod". Und einen guten, ehrwürdigen Tod haben wohl die meisten von uns verdient...
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Sterbehilfe - Ja oder Nein?

Beitragvon Lucivar » 18. Sep 2008 - 20:55


Ich stimme Sydney zu, wenn jemand saemtlichen Lebensmut verloren hat, dauerhaft, keine Freude mehr an nichts hat - dauerhaft! - dann sollte man ihm den Gefallen tun. Das sollte in vielen vielen psychologischen Gespraechen geklaert werden, denn oft ist es ja so, dass man schon mal bei heftigem Liebeskummer von der Bruecke springen moechte und die sollten jetzt ja nun nicht unbedingt das Gift etc. bekommen.

Ich finde, dass ueber die Abgruende der Depression sowieso noch nich so viel bekannt ist! Am Ende heisst es dann immer "PLOETZLICH brachte er/sie sich um! WIESO denn nur, er/sie war doch IMMER so FROEHLICH" blablablabla Ich denke, so Sterbehilfezeug wuerde der ganzen Forschung voll auf die Spruenge helfen. Und anderen Menschen eine Hilfe ermoeglichen, die anderen verwehrt blieb ... weswegen die ja auch von der Bruecke gehuppt sind.

Auch sterbenskranke Menschen verdienen die Chance zu sagen, dass sie sterben wollen. Gibt ja so Patientenverfuegungen, sollte jeder haben, damit entlastet man auch Angehoerige enorm, aber die greift halt leider erst in krassen Faellen, besser aber als nix. Wenn das Leben nur auf eine Art erhalten werden kann, die saemtlichen Anspruechen entsagt, dann sollte das Sterben kein Wunschtraum bleiben, sondern ein letzter Gefallen fuer einen Menschen, der in Wuerde gehen moechte. Gab ja so Menschen, die vor Gericht GEFLEHT haben, die Geraete ihres Partners ausstellen zu duerfen, keiner durfte, einer hat und kam wegen Mord in den Knast - dafuer, dass er seine Frau erhoert hat, ihr Flehen und sie erloesen wollte. Tiere werden auch notgeschlachtet (sorry, harter Vergleich, ich weiss) wieso muessen dann die Menschen derart durchleiden, das versteh ich nich. Is das Menschenleben ja sooo toll und schuetzenswert? Ich glaub, die uebertreiben einfach voll, die denken, am Leben sein is das Nonplusultra, aber fuer manche ist es einfach nur ne Erloesung... und es ist traurig, dass sie die nicht bekommen, diese armen Menschen vegetieren, sie leben nicht, sie sterben bei lebendigem Leib.

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Sterbehilfe - Ja oder Nein?

Beitragvon Mike » 18. Sep 2008 - 21:12


Ich bin dagegen, Menschen aus psychischen Gründen Euthanasie zu gewähren. Es sollte schon ein körperliches Gebrechen sein.

Niemand bringt sich "plötzlich" und "einfach so" um. Dieses "immer fröhlich" sagen nur diejenigen, die die Person nicht kannten oder keinen Draht zu ihr hatten. Aber manche dieser Personen wollen gar nicht reden - oder können es nicht.

Unsere Maxime lautet "Das Leben ist lebenswert". Punkt.
Und grundsätzlich stimmt das ja eigentlich auch, da jedes Problem im Leben uns etwas sagen will, auch wenn wir es oftmals nicht verstehen... aber nun, so ists nun Mal...
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Sterbehilfe - Ja oder Nein?

Beitragvon Lucivar » 18. Sep 2008 - 21:20


Ich kenne Menschen, wuerd ich nich drauf eingehen, dann wuerden sie nie reden und sich eines Tages dann wirklich "ploetzlich" um die Ecke schaffen. Das ist traurig, aber wahr. Es gibt auch Leute, auf die wartet keiner mehr. Alte Menschen zum Beispiel. Die sterben bei lebendigem Leib. Das ist traurig. Natuerlich soll nich jeder Emo (sorry vorneweg, ich weiss, Klischee) seine Sterbehilfe erhalten. Aber die krassen Faelle koennten ueberwiesen werden finde ich. Die, die niemanden haben. Die nie jemanden hatten. Viele Seelendoktor taugen nicht mal zum Kaffee Einschenken, die helfen nicht wirklich. Die machens eher schlimmer.

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Sterbehilfe - Ja oder Nein?

Beitragvon Haderlumpin » 11. Dez 2008 - 12:04


"Dass das Leben Höhen und Tiefen kennt, weiß auch der moderne Mensch, aber in seinen Augen kommt eigentlich nur den Höhen ein Recht auf Existenz zu, die Tiefen haben es verwirkt, ihnen droht die Höchststrafe der Moderne, die Abschaffung und Entsorgung." (Wilhelm Schmid)
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Sterbehilfe - Ja oder Nein?

Beitragvon Svart-Vinter » 11. Dez 2008 - 13:57


Gestern kam die deutsche Reportage dazu im Fernsehn.

Im Beitrag des Links sagen die Gegner sowas wie:

"Und es ist ein zynischer Versuch, Einschaltquoten in die Höhe zu treiben."



Das kann ich nicht verstehen, ich halte das für den größten Schwachsinn, denn das was die Gegner machen ist ein zynischer Versuch todkranke
und lebensmüde Menschen am Leben zu erhalten, egal wie und ohne Rücksichtnahme auf den Sterbenden.

Wieder mal ein großer Witz.

Anti-Sterbehilfe-Organisationen sprachen von einem "makabren Todes-Voyeurismus", der Selbstmord glorifiziere und die lindernden Möglichkeiten der Medizin ausblende.



Ich finde, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, wenn der Mann dem Tod geweiht ist, warum sollte man ihn dann noch künstlich am Leben erhalten,
wenn er doch bei völliger geistiger Anwesenheit seinen Tod wünscht?

Geldscheffelei ist das meiner Meinung nach.

Und wie sagt man so schön: Auch der Tod ist ein Geschäft, aber leider immer noch ein Tabuthema,
weswegen es hier in Deutschland sowas wie passive Sterbehilfe wahrscheinlich nie geben wird, ebenso wie die Legalisierung von Cannabis.

Der Staat hat Angst vor Veränderungen, die ihm "evtl." weniger Geld einbringen könnten.

An todkranken Menschen verdienen sich sämtliche Menschen eine Menge Geld und nur das wird gesehen, habe ich so im Gefühl.
Klar könnte man meinen, das ein todkranker viel Medizin braucht und deshalb auch viel kostet, aber dies trifft nur auf einige Institutionen zu,
wiederum andere verdienen an solchen Patienten.


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Sterbehilfe - Ja oder Nein?

Beitragvon Thanatos » 13. Apr 2009 - 18:08


Die Frage ist falsch gestellt.
Es muss nicht heißen "Ja oder Nein?" sondern eher "Wie und wann?"
Wieso dies?

(1) Sterbehilfe wird de facto praktiziert - schon immer. Sogar in Deutschland sind gewisse Formen legal - man sollte auch bedenken, dass der Begriff in mind. vier verschiedene Varianten aufgespalten werden kann. Ein generelles Verbot kommt daher gar nicht in Frage, weil es praktisch auch nicht umzusetzen wäre. Man macht sich lächerlich, wenn man ein solches Verbot fordert.

(2) Philosophisch gibt es kaum einen Grund, einem Menschen die Selbstbestimmung über das eigene Leben und auch über dessen Ende zu verweigern. All' die Gründe, die regelmäßig vorgebracht werden, um einem Menschen seine Selbsttötung zu verbieten, sind religiöser Natur (gehören also nicht mehr in eine öffentliche Debatte unserer post-aufklärerischen Zeit) oder stützen sich auf eine nur vage definierte "Lebenspflicht", die mir aber noch niemand auf philosophischer Grundlage plausibel machen konnte - selbst Kant hat da in meinen Augen versagt.

(3) Erkennt man 1 und 2 an, kann es nur darum gehen, in Fällen, in denen ein Mensch nicht (mehr) selber Hand an sich legen kann, Klarheit darüber zu schaffen, wie andere Menschen in diesen Prozess involviert werden können, ohne nebenbei unseren Rechtsstaat zu unterwandern oder das zweifelsohne existierende Recht auf Leben zu gefährden. Die Frage müsste also lauten:

Wie kann ein Sterbewunsch verifiziert werden?
Wer darf die Tötung durchführen?
Wann und unter welchen besonderen Umständen?
Welche Mittel und Tötungsformen sollten zulässig sein?
Wie kann man Menschen vor gesellschaftlichem Druck zum Suizid schützen?
Wie kann man Euthanasie verhindern?
Welche Kontrollmechanismen werden benötigt?

usw.
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Re: Sterbehilfe - Ja oder Nein?

Beitragvon Storm » 23. Mai 2009 - 15:23


Ich bin gegen die Legalisierung aktiver Sterbehilfe. Natürlich bin ich auch der Meinung, dass jeder selbst entscheiden können sollte, wann er sein Leben beenden möchte, aber de facto kann man das in Deutschland schon ganz gut.

Wer aus psychischen Gründen sein Leben beenden möchte, sollte meiner Meinung nach schon im Stande sein, das selbst zu tun. Und selbst, wer das nicht ist, für den gibt es die freundliche Regelung, dass Beihilfe zum Selbstmord nicht strafbar ist - man sich also durchaus unter die Arme greifen lassen kann.

Wichtig zu wissen ist außerdem, dass das Abschalten lebenserhaltender Maschinen längst erlaubt ist und zwar, weil das passive Sterbehilfe ist. Auch wer an einer Krankheit leidet, die im Normalfall tödlich ist, und sich da nicht länger durch Behandlungen und Medikamente am Leben halten kann, darf jederzeit aufhören, sich behandeln zu lassen.

Es gibt sicher Fälle, in denen der Tod durch eine Krankheit auch bei Verweigerung jeder Behandlung langsam und schmerzhaft kommt, aber ich bin der Meinung, dass man in diesen Fällen entweder den Schneid haben sollte, die Sache selbst (oder mit Hilfe) zu beenden oder es eben durchzustehen. Aktive Sterbehilfe ist eine sehr gefährliche Angelegenheit und es gibt meines Erachtens zu viele Fälle, in denen der Patient selbst zu wenig Einfluss auf die Entscheidung hätte.
Wer gegen den Strom schwimmt, lässt sich dennoch von ihm die Richtung weisen.
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