Situationsanalyse durch Selbstgespräche

Forum: Philosophische Psychologie


Wie funktioniert die Psyche des Menschen? Was bestimmt unser Verhalten und unsere Handlungen?




Situationsanalyse durch Selbstgespräche

Beitragvon Mike » 12. Sep 2009 - 18:25


So... ich denke, hier dürfte das Thema wohl am Besten rein passen.

Ein paar Kumpels und ich haben uns letztens über dies und jenes unterhalten, und dabei kamen wir auf ein interessantes Thema.

Vielleicht kommt es hier ja jemandem bekannt vor - denn völlig "normal" ist das meines Erachtens nicht. Und zwar geht es darum, wenn man sich Gedanken über eine Sache macht - sei es ein Streit mit den Eltern, das Anschmachten einer Frau oder ähnliches. Und zwar mein ich jetzt nicht das normale "Sich-Gedanken-machen". Sonder wenn man sich wirklich jede mögliche Situation ausmalt, was geschehen könnte, sich so sehr darin versenkt, dass man sozusagen als andere Person mit sich selbst spricht - z.B. im "eingebildeten" Streitgespräch mit den Eltern. Man spinnt den Dialog weiter, versucht das Gespräch zu analysieren und die Probleme rauszufiltern. Es wird jede Situation durchgespielt, in jeder Kombination, die man sich vorstellen könnte.
Dabei versinkt man so sehr in diesen Dialogen/Situationen, dass sie einem vorkommen wie die Realität - man spürt den Hass, die Wut, die Enttäuschung oder aber auch die positiven Gefühle.

Dabei geht das alles über Tagträumereien hinaus. Ist es nur eine lebhafte Vorstellung oder gibt es dafür auch eine Bezeichnung?
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
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Re: Situationsanalyse durch Selbstgespräche

Beitragvon Ategato » 18. Sep 2009 - 22:55


Das kenne ich genau in der Form, wie Du es beschreibst.

Oft war ich wütend, beim imaginieren möglicher Streits mit meiner Schwester und wurde wütend mit der Begründung "sie hat schon wieder nichts dazu gelernt und macht die gleichen Fehler wie beim letzten mal".
Anschließend habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht nach solchen inneren Vorstellungen immer klarzumachen, dass es nicht unbedingt so kommen muss, sondern dass es beim nächsten mal besser werden kann.

Bei mir passiert das immer, wenn ich kurz davor bin, jemanden anzusprechen, mit denen ich viele negative Erfahrungen gemacht habe oder wenn Dinge passieren, die mich an diese Person erinnern.

Ist es nur eine lebhafte Vorstellung oder gibt es dafür auch eine Bezeichnung?


Psychischologische Potenzialitäten-Kontrolle oder Zukunftsrognosenimagination?
Sind keine fachlich anerkannten Begriffe, sondern eigene zusammengewürfelte Bezeichnungen.
Alles Vergängliche ist eine Illusion.
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Re: Situationsanalyse durch Selbstgespräche

Beitragvon Rosigee » 26. Nov 2010 - 23:19


Ich denke es ist eine simple emotionale Abschätzung, die wir auf Grund von Erfahrungen, die wir gemacht haben, schlussfolgern.

Ein Beispiel wäre, wenn du mal an dein lieblings Essen denkst und du nun nicht gerade vor 2 minuten gegessenhast, dann sollte dir der Gedanke daran doch deinen Appetit anregen :-P

und Appetit ist im gegensatz zu Hunger eine Emotion (meiner Meinung nach) genauso wie, wenn du über eine Disskursion nachdenkst, fliessen alle gesammelten Informationen (Erlebnisse) unterbewusst mit ein.

Also letztendlich ist es nur eine etwas kompliziertere Version des Gedankes an Eis


PS: sry für die ss Fehler ich hab eine Spanische Tastatur
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Re: Situationsanalyse durch Selbstgespräche

Beitragvon Svart-Vinter » 27. Nov 2010 - 09:00


Ich möchte mich anschließen.

Du (Mike) vergleichst mögliche Probleme und Verhaltensweisen, die entstehen können mit etwas, dass Dir oder anderen schon mal widerfahren ist.
Situationen und deren Ausgänge die Du noch nicht erlebt hast, ziehst Du vermutlich bei der Analyse seltener in Betracht.

Aber das machst Du immer mit dem Wissen, dass eine Situation auf x-beliebige Varianten ausgehen kann, wobei Du dann schon wieder an Deine Grenzen stößt, man kommt mit sich und seinen Vermutungen "wie eine Situation ausgehen könnte" auf keinen Nenner und auf dem Weg ins hinein steigern eines Gedanken, verlieren sich die Emotionen, denke ich.
Irgendwann denkt man sich doch auch "wozu mache ich mich eigentlich so bekloppt?".

Ich glaube aber, das jeder Mensch dazu fähig ist, verschiedene Situationen im Kopf durch zu spielen und sich immer weiter und weiter hinein verstrickt, wobei die Tiefe dessen vermutlich etwas mit Intelligenz zu tun hat.

Ich habe etwas sehr interessantes aus dem Tierbereich dazu gefunden:

Als "Intelligenz" bezeichnen Forscher die Fähigkeit, Probleme zu lösen und Zusammenhänge zu erkennen. Als schlau gelten vor allem jene Tiere, die ihre Probleme nicht schematisch lösen, sondern frühere Erfahrungen auf eine neue Situation übertragen können und dabei sogar vollkommen neue, kreative Lösungen entdecken. Eine wichtige Voraussetzung für das Denken ist die Fähigkeit, Gegenstände und Reaktionen richtig einzuschätzen.



Diese Situationsanalyse wie Du sie nennst, ist also so etwas wie die Berechnung von möglichen Problemen.
Und da der Ausgang oder besser gesagt, das Endergebnis von Situationen (Gespräche, Handlungen etc.) eigentlich unberechenbar ist (da so viele Faktoren mitspielen), ist es eher ein mentales Vorbereiten und ich glaube, dass man es besser nicht machen kann um sich auf etwas vorzubereiten.

Und was passiert, wenn Du fertig mit dieser Analyse bist? Das wäre auch mal interessant zu erfahren.
Fühlst Du Dich dann gestärkt, gewappnet oder bist Du eigentlich kein Stückchen weiter als vorher? Hat die Analyse wirklich einen Sinn?
Und warum ist es so, dass wenn die Situation bereits passiert ist, dieses Analysedenken wieder von vorne los geht?
"Was hätte ich besser machen können? Was wäre passiert, wenn ich in dem Moment so oder so reagiert hätte? Wäre der Ausgang dann anders verlaufen?"

Was ich damit sagen will, wir befinden uns in einem ständigen Prozess des Denkens und des Analysierens und manchmal nervt es einfach nur, aber es ist für uns doch sehr wichtig, dass wir es genau so machen.


Viele Grüße.
...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben...
Svart-Vinter

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