S. Freud & C.G. Jung - Experten in der Traumforschung

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S. Freud & C.G. Jung - Experten in der Traumforschung

Beitragvon Svart-Vinter » 12. Jan 2008 - 17:53


Sigmund Freud

"Auf den folgenden Blättern werde ich den Nachweis erbringen, dass es eine psychologische Technik gibt, welche gestattet Träume zu deuten,
und dass bei Anwendung dieses Verfahrens jeder Traum sich als ein sinnvolles psychisches Gebilde herausstellt,
welches an angebbarer Stelle in das seelische Treiben des Wachens einzureihen ist ..."

( Sigmund Freud: Die Traumdeutung, Wien 1899 )

Bild
- http://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud -


Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte der Wiener Nervenarzt Sigmund Freud die Psychoanalyse,
die - über den "Königsweg" der Träume zum Unbewussten - psychische Störungen heilen will.
Freuds Verdienst ist es, der Beschäftigung mit dem Unbewussten und mit Träumen Popularität verschafft zu haben.

Träume sind für Freud Wunscherfüllungen.

Die Wunscherfüllung ist in vielen Träumen aber nur in chiffrierter Form enthalten.
Denn die Wünsche, meist Impulse unterdrückter Sexualität, werden im Traum so bearbeitet, dass der Träumende davon nicht aufwacht.
Nach Freud ist der Traum daher eine Art Verdrängungsmechanismus,
in dem der Schläfer seine nicht bewusstseinsfähigen Wünsche ausleben kann und so sein psychisches Gleichgewicht behält.

Mit seinen Enthüllungen über den Traum, so Freud, habe er den "Schlaf der Welt" gestört.
Auch wenn Kritiker ihm methodisch unsauberes Vorgehen vorwarfen, zum Beispiel weil er seine Traumtheorie auf Basis seiner eigenen Träume entwickelte,
hat Freud den Traum für die Wissenschaft wiederentdeckt und fruchtbar gemacht.

Quelle: Klick


Carl Gustav Jung

Der Traum ist für Jung, anders als für Freud nicht in erster Linie ein Mittel des Unbewussten, unterdrückte oder nicht ausgelebte Libido deutlich zu machen,
sondern ganz allgemein nächtliche Aufarbeitung von Alltagsproblemen, die er die "unbedeutenden" Träume nannte, bis hin zu den "bedeutenden",
welchen natürlich sein Hauptinteresse galt.

Bild
- http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Gustav_Jung -


Jung traut sich noch einen Schritt weiter, als es rein wissenschaftlich gestattet war/ist:

Er hatte in seiner langen Traumarbeitserfahrung häufig mit Fällen von prophetischen Träumen zu tun, allerdings nicht in so klaren, eindeutigen Bildern,
die nachdem der Träumer aufwacht, schon rein instinktiv als Voraus-Traum erkennbar sind -
sondern auch hier fand Jung in der komplexen Analyse Hinweise für ernsthafte Warnsignale der Seele,
den bisherigen Lebensstil zu durchleuchten und möglichst zu ändern, da es andernfalls zu einer Katastrophe kommen könnte.

Er beschreibt einen Fall, in dem ein Karrieretyp ihn wegen Schwindel, Atemnot u.ä. konsultiert, was Jung als typische Bergkrankheitssymptome diagnostiziert.
Dazu sieht er in den Träumen dieses Mannes, von denen einer von einem zu schnell fahrendem Zug handelt, der aus den Geleisen geworfen wird,
einen Warnhinweis des Unbewussten, kürzer zu treten und mit dem bisher Erreichten zufrieden zu sein.
In diesem speziellen Fall hielt der Patient sich nicht an den Rat und erlitt, nachdem er immer höher in der Karriereleiter aufgestiegen war,
letztlich eine berufliche Katastrophe.

Quelle: Klick


Wie findet ihr die Arbeit und Fortschritte der beiden Experten?


Liebe Grüße, Vision...
Svart-Vinter

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Beitragvon Sydney » 7. Sep 2008 - 20:04


Obwohl Jung ursprünglich ein Schüler Freuds war sind beide für mich wie Feuer und Wasser.

Freud ist für mich der Inbegriff von Psychologie die ander Oberfläche kratzt, wilde Vorstellungen von dem hat, was in einem Menschen vorgeht und dabei das wichtigste außenvor läßt: die Seele.

Jung war da ganz anders. Er genoß eine fundierte psychologische Ausbildung, aber ruhte sich darauf nicht aus, sondern ließ sich von seiner inneren Stimme führen und war meines Wissens nach der erste Psychologe, der die Seele des Menschens untersuchte und dem übersinnlichen einen Raum gab. Ich bewundere ihn sehr und finde, man kann seine Werke nicht ausgiebig genug lesen. Es gibt immer etwas zu entdecken.
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Beitragvon Mike » 8. Sep 2008 - 12:54


Ich kenne das Leben beider Männer nicht, also keine Hintergrundgeschichte. Hab auch noch kein Buch von ihnen gelesen, kenn nur grob umrissen das, was man überall liest.

Aber die Theorie Freud's, dass Träume nur "Wünsche des Unterbewusstseins" sind, halte ich schlichtweg für zu primitiv. Natürlich, feuchte Träume kann man wohl seltenst als prophezeihende Träume deuten. Aber mit seiner Theorie, dass der Traum das Unterbewusstsein frei lässt (insbesondere in sexueller Hinsicht) beschränkt er sich nur auf ein kleines Gebiet und lässt alles andere aussen vor.

Jung's Theorie kann ich schon eher zustimmen, v.a. das Beispiel mit dem Zug ist gut. Jung scheint mit wesentlich mehr Reife ran zu gehen und kommt auch auf eine sinnvollere Schlussfolgerung. Nichtsdestotrotz wird auch hier der prophetische Traum aussen vorgelassen.

Ich glaube, dass es zum Einen natürlich die Träume gibt, die das am Tag Erlebte nochmals durchgehen und verarbeiten. Dann denke ich, dass es noch solche gibt, die aus dem Unterbewusstsein kommen (wie das Zug-Beispiel). Aber, ganz wichtig: Es gibt auch prophetische Träume, in denen einem symbolhaft die Zukunft vorausgesagt wird. Allerdings kann es auch sein, dass einem die Vergangenheit "vorausgesagt" wird, sprich: Dass man von Erlebnissen träumt, von denen man gar nichts wissen kann, die aber vor Kurzem einer anderen Person genau so zugestoßen sind.

Mancher mag Letzteres für Schwachsinn halten. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Wissen leitet sich nicht aus Gelesenem, sondern aus ERLEBTEM ab. Und ich WEIß, dass es wahr ist.
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Beitragvon Svart-Vinter » 8. Sep 2008 - 13:15


Ich bin auch der Meinung, dass Jung einfach etwas weiter bzw. logischer dachte als Freud.

Ein Traum kann auf jeden Fall mehr bedeuten als nur unterdrückte Sexualität oder ähnliches.
Meist geht es in "normalen" Träumen wirklich um die Verarbeitung vom Erlebten, Wünsche, Ängste, Hoffnungen usw.
Man könnte meinen, dass besonders starke und komplexe Emotionen das Traumgeschehen formen.

Ich finde es etwas einfältig, die Gefühle und auch Traumsymbole immer nur auf einen Punkt zurück zu führen ---> unterdrückte Sexualität.
Sigmund Freud hatte sich eben daran verbissen, so dass es seinen Horizont etwas eingeschränkt hat,
auch wenn er in vielen anderen Gebieten sicherlich ein genialer Mensch war.

C.G. Jung war da offener und ist auf mehreren Schienen gefahren anstatt nur auf einer.


Viele Grüße.
...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben...
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Beitragvon Mike » 8. Sep 2008 - 13:24


Dass er ein genialer Mensch gewesen sein mag, kann ich weder leugnen noch bestätigen. Es ist aber zumindest lobenswert, dass er dem Traum Beachtung geschenkt hat.
Vielleicht war unterdrückte Sexualität auch einfach nur sein Problem. Ich erinnere nur an Nietzsche, der ja nur von Frauen großgezogen wurde und dem nicht umsonst Frauenhass unterstellt wird. Und dennoch war er genial. Vielleicht zu genial...
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Beitragvon Sydney » 9. Sep 2008 - 08:53


Also, um ehrlich zu sein, ich war nie ein Freund von Freud. Meines Erachtens lebte er seinen Verdrängungsmechanismus par exellance. Es fällt also nicht schwer zu glauben, daß er seine Theorien aufgrund seiner eigenen Träume aufstellte. Sein Sexualleben wäre zweifelsohne interessant gewesen. :P
Aber worum ging es ihm denn wirklich? Seine Sexualtheorie war für ihn ein Bollwerk gegen den Okkultismus. Auch wenn ich selbst dem Okkultismus sehr vielfältig zugewandt bin, so kann ich ihn da dennoch verstehen. Zu seinen Lebzeiten keimte das Okkulte ja in jeder Straßengasse und gab dem "Pöbel" einen unerahnbaren Spielplatz. Freud war aber ein Forscher, der Wissenschaft betreiben wollte und zu Erkenntnissen erlangen. Tragisch, daß er dabei zu Lebzeiten selbst als unhaltsamer Spinner angesehen war. Es ist nicht zuletzt Jung zu verdanken, der seinen Theorien, allen voran die des Verdränungsmechamnismus, gehör verschaffte. In einer Hinsicht wurden die beiden sich aber nie eins, eben die Bedeutung der Sexualität. Jung ging diesen Weg niemals mit und diksutierte mit Freud sogar hartnäckig konkrete Fälle durch, aber Freud war da unerbitterlich.

Dies finde ich schon bewunderswert, wenn ein Mann wirklich wider aller Kräfte sich für seine Überzeugungen einsetzt, vorallem wenn es völlig neue Wege sind, die er da beschreitet. Er hätte ja auch ins bodenlos Tiefe damit fallen können.

Sicherlich teile ich seine Ansichten nicht, aber ich würde ihm immer hoch anrechnen, daß er auf seinem Gebiet eben der Pionier war. Absolute Perfektion und unwiederlegbare Thesen von einem Pionier zu verlangen, ist meines Erachtens fehl am Platz. Entwicklung bedraf der Fehler um diese erkennen zu können und foranschreiten zu vermögen.

Ich finde es außerordentlich faszinierend, wenn Jung z.B. von seiner ersten Begegnung mit Freud erzählt, die beiden hätten sich ohne Unterbrechung 13 Stunden am Stück unterhalten. Vollbemerkt, bei ihrer ERSTEN Begegnung.

Jungs Ansichten von der Traumanalyse, kann man weitesgehend mit der meinigen konform bezeichnen, Er gibt dem Unfassbaren, dem Unabwegbaren immer einen Raum und wies immer darauf hin, daß Träume und ihre Analyse immer subjetiv sind und nicht verallgemeinert werden können.

Aus seinem Werk "Erinnerungen, Träume, Gedanken von C.G. Jung" stammen folgende Zeilen, welchen ich hunderprozentig zustimme:

Der Mensch muß sich darüber ausweisen können, daß er sein möglichstes getan hat, sich eine Auffassung über das Leben nach dem Tode zu bilden, oder ein Bild zu machen - und sei es mit dem Einverständnis seiner Ohnmacht. Wer das nicht tut, hat etwas verloren. Denn was als Fragendes an ihn herantritt, ist uraltes Erbgut der Menschheit, ein Archetypus, reich an geheimem Leben, das sich dem unsrigen hinzufügen möchte, um es ganz zu machen. Die Vernunft steckt uns viel zu enge Grenzen und fordert uns auf, nur das Bekannte - und auch dies mit Einschränkungen - in bekanntem Rahmen zu leben, so als ob man die wirkliche Ausdehnung des Lebens kennte! Tatsächlich leben wir Tag für Tag weit über die Grenzen. unseres Bewußtseins hinaus; ohne unser Wissen lebt das Unbewußte mit. Je mehr die kritische Vernunft vorwaltet, desto ärmer wird das Leben; aber je mehr Unbewußtes, je mehr Mythus wir bewußt zu machen vermögen, desto mehr Leben integrieren wir. Die überschätzte Vernunft hat das mit dem absolutem Staat gemein: unter ihrer Herrschaft verelednet der Einzelne.
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Beitragvon Mike » 9. Sep 2008 - 10:12


Das Abschlusszitat ist nicht schlecht. Mir würde nichts einfallen, was ich dem entgegen zu setzen hätte.

Dem Rest deines Beitrages kann ich soweit auch nur beipflichten - mit Ausnahme von Freud's Sexualleben, welches mich nicht wirklich interessiert ;-)
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