Freud untersucht nur die Natur religiöser Vorstellungen, nicht mit deren Wahrheitsgehalt als Wirklichkeit.
Er kommt zu dem Ergebnis: Religiöse Lehren sind Illusionen, vergleichbar Wahnideen, jedoch unbeweisbar und unwiderlegbar,
d.h. nach ihrem Realitätswert nicht beurteilbar.
Er deutet jedoch an, dass die psychologischen Erkenntnis die Wahrhaftigkeit der Religion sehr in Frage stellen.
Sehr interessante Thesen und Gesprächsstoff für die Gläubigen unter Euch:
Wesen der Religion
- Freud erkennt die Stärke des religiösen Vorstellungen, die in der Vergangenheit die Weltgeschichte beeinflusst haben.
Gleichzeitig erkennt er aber auch, dass sich kein Beweis für sie finden lässt, der ihren Anspruch gerechtfertigt.
- "Religiöse Vorstellungen sind nicht Niederschläge der Erfahrung oder Endresultate des Denkens,
sondern Illusionen, Erfüllungen der ältesten, dringendsten Wünsche der Menschheit; der Geheimnis ihrer Stärke ist die Stärke dieser Wünsche."
- Sie entspringen der kindlichen Vatersehnsucht, den Wünschen nach Schutz vor den Gefahren des Lebens,
Erfüllung der Gerechtigkeit in dieser ungerechten Gesellschaft, Verlängerung der Existenz durch ein irdisches Leben,
Wissen um die Entstehung der Welt und die Beziehung zwischen Körper und Seele.
- Durch die unklare Wahrnehmung des psychischen Apparats werden sie nach außen projiziert.
- Es handelt sich dabei um infantile Wünsche, die sowohl der Kindheitsphase des Individuums als auch der menschlichen Gattung entspringen;
denn die Ontogenese (Entwicklung der Persönlichkeit des Individuums) ist die Kurzform der Phylogenese (Entwicklung der Gattung).
- Individualpsychologisch ist die religiöse Vatergestalt (Gott) eine Verlängerung der Vatergestalt der Kindheit.
Sie ist bedingt durch einen nicht-überwundenen Konflikt, den man ins Erwachsenenalter hinüberträgt.
Mit dem Vater-Gott geht eine Entlastung der Psyche einher, indem auf ihn die Probleme der Menschheitserfahrung projiziert werden.
- Sozialpsychologisch erfüllen die Götter eine dreifache Aufgabe: Bann des Schreckens der Natur, Versöhnung mit Schicksal und Tod,
Entschädigung von Leiden und Entbehrungen im kulturellen Zusammenleben (jede Kultur gründet auf Arbeitszwang und Triebverzicht).
Das bedeutet auch Sanktionierung von Moralgesetzen und das Liefern eines höheren Lebenszwecks.
- Religiöse Praktiken gleichen neurotischen Zwangshandlungen. Die Religion trägt neurotische Züge,
weil der Mensch in ihr vor der Wirklichkeit flieht und nicht erwachsen werden will.
Schlussfolgerungen
- Die aufgeklärte Wissenschaft wird unaufhaltsam die Religion als Weltanschauung verdrängen, sie auflösen und an ihre Stelle treten.
- Der Mensch muss erwachsen werden und sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Erziehung zur Realität.
- Die freiwerdende Energie, die bisher vom Jenseits vereinnahmt wurde, braucht der Mensch dringend für die Weltgestaltung.
- Der Glaube an die Wissenschaft, die den Wahrheitsbeweis mannigfaltig erbracht hat, gibt mehr Halt als die Religion.
Quelle: http://buber.de/christl/unterrichtsmaterialien/freud
Heiße Aussagen oder? Ich bin gespannt, was Ihr davon haltet.
Viele Grüße.

![[ Anstaltsleitung ] [ Anstaltsleitung ]](./images/ranks/Admin.gif)
![[ Stationsleiter ] [ Stationsleiter ]](./images/ranks/Mod.gif)
