Misanthropie

Forum: Psychopathologie - Psychische Störungen


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Misanthropie

Beitragvon Nibiru » 13. Feb 2009 - 22:20


Namaste, liebe Mitkollegen !

In letzter Zeit reizen mich doch einige Fragen zu dem Thema.
Ich war früher viel in der Black Metal Szene aktiv, und fand Misanthropie daher schon beeindruckend, weil es vorallem anti-gesellschaftlich war. Aber man wird doch älter, und man fängt an Dinge und Musik anders zu sehen.

Vorallem aber mache ich mir sorgen um mein eigenes Ich. Ich hatte schon immer eine Abneigung gegen Menschen.das fing an, als ich im Kindergarten war. Heute denke ich mir, dass ich offen und tolerant bin, und eigentlich garkein Menschenfeind sein kann. Aber trozdem ertappe ich mich immer wieder in das Muster von Misanthropie hereinzufallen. Weltansichten und Ziele sind einfach Anti-Human, obwohl ich das garnicht will. Ich würde mich selbst auch nichtmal als Misanthrop bezeichnen.

Ich weiss nicht genau was es ist, aber es schränkt mich sehr ein im Privaten und Gesellschaftlichen Leben. Ich will zwar offen sein, aber ich ekel mich sosehr vor Menschen. Ihre Art, ihre Menschlichkeit, die denkweise.etc.

Ich habe gelesen das Misanthropie aus Depressionen entstehen kann. Da ich quasi 9 Jahre lang Depressionen hatte, ist das gut möglich. Aber meiner Ansicht nach, bin ich einfach nicht Misanthropisch.

Was meint ihr zu dem Thema? Echte Misanthropen müssen sich doch von den Menschen total abkapseln und ein Einsiedler-Leben führen, oder nicht?
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Beitragvon Mike » 14. Feb 2009 - 00:08


Wenn man sich selbst als misanthropisch einstuft, sollte man sich zuerst fragen, ob man grundsätzlich den Menschen an sich hasst oder nur den Menschen in einer gewissen Epoche, mit einer gewissen Wesensart und Verhaltensweise. Den Großteil der Menschen im Kali-Yuga kann ich auch nicht leiden, da sie gedankenlos und nur auf Konsum sowie weltliche Freuden versessen sind. Und nichtsdestotrotz denke ich, dass sie sich ändern könnten, wenn sie sich wollten.
Natürlich, es ist eine Art der Verachtung, die ich für diese Menschen empfinde. Aber ausgehend davon, dass der Mensch in seinen verschiedenen Inkarnationen diverse Bewusstseinszustände durchlebt und daraus lernt (oder auch nicht lernt) habe ich vielmehr Mitleid mit diesen Menschen und akzeptiere sie zugleich als menschliche Entwicklungsformen, die nun Mal noch nicht so weit in ihrer Entwicklung sind.

Das, was vielerorts als Misanthropie in der BM-Szene gesehen wird ist einfach nur der Hass auf alles, was nicht so wirklich in die Szene passt. Das ist kein wirklicher Menschenhass, da er nämlich zwischen den Menschen differenziert.

Was bezeichnest du als "du willst offen sein"? Es ist manchmal nicht falsch, gewissen MEnschen gegenüber verschlossen zu sein.
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
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Beitragvon Nibiru » 14. Feb 2009 - 03:55


Das dieses Verhalten der Menschen nur Stufen sein könnten auf dem Weg des durchlebens der Erfahrungsstufen hab ich mir auch schon gedacht. Aber lang ist das Kali yuga hoffentlich nichtmehr.

Ich stufe mich selbst eher nicht als Misanthropisch ein. Mit ich versuche offen zu sein, heisst das keine Verachtung empfinden zu wollen, für kein Lebewesen. Jedes Lebewesen hat respekt verdient, aber gerade bei den Menschen falle ich immer wiederin Verhaltensmuster die mir ein zwischenmenschliches Miteinander unmöglich werden lassen.
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Beitragvon Mike » 16. Feb 2009 - 22:12


Hoffen wir, dass dieses Zeitalter nicht mehr allzu lange andauern wird. Der nächstmögliche Zeitpunkt wäre Dezember 2012, wenn man etwas Glauben an den Maya-Kalender hat. Zumindest endet ihr Kalender Ende Dezember.

Ich denke, dass nur die wenigsten WIRKLICH misanthropisch sind.
Jedes Lebewesen hat Respekt verdient - aber jedes denkende Lebewesen, welches in der Lage ist, seine Gedanken in verständlicher Weise zu äussern, kann diesen Respekt auch genausogut wieder verlieren.
Habe mir heute morgen erst wieder Gedanken darüber gemacht, dass die "Blinden" ein leichtes Leben haben, da sie nicht sehen wollen und auch nicht sehen können. Diejenigen, die wahrhaft sehen und das Große Nichts erkennen dürften wohl zu den ausgeglicheneren Menschen zählen, die nicht so leicht die Orientierung verlieren.
Aber was ist mit den Menschen dazwischen, deren Augen zwar offen, aber vom allmorgendlichen Schleier noch etwas trübe sind? Es hängt zwar irgendwo die Erkenntnis fest, dass Verachtung und Hass völlig grundlos sind, aber andererseits empfindet man eben genau diese Gefühle bei manchen Menschen trotzdem. Daraus kann manchmal auch die eigene Abschottung vor anderen resultieren, weil man die Wahrheit erahnt, aber täglich sieht, wie man doch immer wieder auf die eine oder andere Weise dagegen verstößt.

Und das wiederum lässt in mir den Wunsch aufkommen, die Bhagavadgita doch endlich Mal zu Ende zu lesen ;-)
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Beitragvon Lucivar » 18. Feb 2009 - 14:30


Falls es dich beruhigt, ich hab auch aus einer tiefen langanhaltenden Depression gewisse menschenabweisende Zuege mitgenommen. Es gibt Tage, an denen ertrage ich Menschen nicht, bereits ihr Geruch, den sie verstroemen ist mir zutiefst zuwider, besonders hasse ich es, wenn sie mir naeher als 1 Meter kommen, besitzen sie dann noch die Dreistigkeit, mich einfach so anzufassen, steige ich wahnsinnig aus. Ich kanns schlecht erklaeren, ich ekele mich einfach vor ihnen. Ich will dann auch mit keinem reden, die sollen einfach alle FERN bleiben. ich kann es schlecht beschreiben, aber ihre Naehe, ihre Praesenz, ihr Laerm und ihr penetranter Gestank erzeugen in mir einen Unwillen und ein Unwohlsein sondergleichen. Was sie reden will ich nicht hoeren, ich rase innerlich, ich will einfach weg von denen und ich ertrage ihre pure Naehe nicht mal, selbst, wenn sie allesamt die Schnauze halten, durch ihren Gestank stuelpt es mir foermlich den Magen um.
Ich hab mich nie mit Misanthropie beschaeftigt, koennte aber ein Zuege davon sein.

Ich kann dich aber voll beruhigen: Das ist nicht immer so. Ich meine. 9 Jahre Depression, was erwartest du, das geht nicht spurlos an dir vorbei. Wenn du Pech hast, waren diese 9 Jahre auch noch in einer vom Alter her sehr praegenden Zeit fuer dich. Du hast gewisse Eigenschaften daraus einfach fuer dich behalten, das ist in Ordnung, es gibt dir eine persoenliche Note im Leben. Und (leider kann ich dir nur von meinen Erfahrungen berichten :/) zumindest mir geht es so, dass ich mich an diesen schlechten Tagen einfach zurueck ziehe oder so gut es geht in meinen Gedanken herumhaenge. Solange der absolut notwendige Mindestabstand von 1 m gewahrt bleibt, kann ich das einigermassen aufrechtherhalten, ansonsten halt ich mir sogar manchmal die Ohren zu. Wenn dich Freunde ansprechen, beteuere, dass es dir ueberhaupt nicht gut geht (was ja auch stimmt in dem Moment) und dass du kurz ein bisschen Ruhe brauchst.
Es ist auch eine Eigenschaft aus der Depression, dass man sich einfach mehr absetzt, ein bisschen mehr Abstand von den anderen braucht. Wenn du 9 Jahre so gelebt hast, kann es sein, dass dir phasenweise alles zu viel wird und du ein bisschen Ruhe einfach BRAUCHST, um wieder neue Energie tanken zu koennen. Das macht ueberhaupt nichts, das ist voellig in Ordnung, keine Sorge =)

Wenn dich Menschen besonders fertig machen, empfehle ich dir, dir ein Haustier zuzulegen. Wenn du so eine Phase hast, dann mach dir die Praesenz deines Tieres bewusst. Rede mit dem Tier, streichle es (falls moeglich) und freue dich, dass jemand da ist. Du wirst dich irgendwann an das Gefuehl gewoehnen, nicht alleine zu sein und wenn du das geschafft hast, dann kannst du so langsam langsam auch anfangen, dich an belebtere Orte zu setzen und einfach nur abzuhalten. Du musst ja mit niemandem reden, sie sind eben einfach da, wie dein Haustier. Du musst nicht auf sie zugehen, wenn dir einer zu nah kommt, rueckst du ab und so weiter.

Ich finde, allein die Tatsache, dass du dir Gedanken machst, ob du misanthropisch sein koenntest und dergleichen zeigt, dass du dir keine Sorgen machen musst, denn immerhin machst du dir ja damit auch Gedanken, wie du auf andere eingehst/wirkst etc und das wirkt nicht besonders misanthropisch
;)

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Beitragvon Nibiru » 19. Feb 2009 - 00:54


Hmm.Gut.Apropo Haustiere.ich hatte schon einige. Von Pfeilgiftfröschen über Schlangen, Gottesnabtereinnen, SKorpione usw. Aber ein Plüschiges Haustier wie eine Katze hätt ic hauch gerne. Wünsche mir irgendwie die zuneigung von diesen Tieren. Kann mit Tieren auch allgemein mehr anfangen als mit Menschen.
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Beitragvon Lucivar » 19. Feb 2009 - 01:46


Katzen sind echte Persoenlichkeiten, ein Indikator fuer Menschen, aber auch sehr eigenwillig. Man sollte sich nicht die erstbeste Katze heraussuchen, aber wenn man mal eine hat, die zu einem passt, moechte man sie eigentlich durch nichts mehr hergeben :lugly:

Ich hab schon oft gesehen, wie eine Katze verbitterte, in sich verschlossene Leute wieder offener gemacht hat. Vor allen Dingen waren es Leute, die vorher ernst und boese sagten: "Ein Tier kommt mir NICHT ins Haus!" und dann stand sie da. vor der Tuer. miauend, nach Futter bettelnd und. naja, sie sass eben da. Und seitdem gehoert sie zur Familie =)
Die Tatsache, dass ploetzlich jemand da ist, der Aufmerksamkeit braucht. jemand, der von alleine kommt und eine Krauleinheit will, jemand, der Koerperkontakt herstellt, kann oft viel bewirken. Viel Positives.

Wenn du also echt Angst hast, dich in Misanthropie zu verirren, dann leg dir ein Tier zu. aber nur,wenn du es auch artgerecht versorgen kannst. Sollte es eine Wohnungskatze sein, und die Wohnung sollte es hergeben, dann leg dir nach Moeglichkeit zwei zu.

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Beitragvon Svart-Vinter » 19. Feb 2009 - 12:23


Ich kann mir vorstellen, dass Menschen misanthropisch werden, wenn sie meinen, den Mensch an sich durchschaut zu haben.
Es kommt die Meinung auf, der Mensch sei einfach gestrickt, jeder Mensch funktioniert gleich und sie sind berechenbar.

Können Menschen die andere Menschen hassen, sich selbst eigentlich leiden?

Vielleicht liegt da das Problem, wenn man sich selbst nicht mag, dann fällt es schwer auch andere zu mögen.
Ich glaube Misanthropie resultiert aus einer Unzufriedenheit sich selbst gegenüber.


Viele Grüße.
...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben...
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Beitragvon Lucivar » 19. Feb 2009 - 13:41


Ich glaube nicht, dass Misanthropen meinen, den Menschen durchschaut zu haben.
Ich glaube eher, dass einige in einem stark praegendem Alter von Menschen falsch behandelt wurden, oder dass da eine langanhaltende Situation mit Menschen war, eine negative Situation, die den Menschen spaeter dazu treibt, misanthropisch zu werden. Oder viel kleine Situationen, die aber ueber die Zeit verteilt recht haeufig auftreten. Ich glaube, dass das Menschen schon ziemlich in den Menschenhass treiben kann.

Aber. die Frage ob solche Leute mit sich selbst zufrieden sind, wuerde mich auch mal interessieren o0 Ich wette, sie leiden unter Selbstzweifeln.

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Beitragvon Nibiru » 25. Feb 2009 - 13:40


Ich glaube das Misanthropen sich auch selbst hassen/nicht mögen.

Ich sehe mich selbst auch eher als Teil etwas negativen ganzen an, und würde meine existenz nie gutheissen. Inwiefern das vereinbar ist mit Instinkt und überlebensinstinkt kann ich nicht beurteilen.
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