Kriegskinder

Forum: Geschichten vom Leben


Wie habt Ihr Eure Kindheit und Jugend erlebt und wie ist das Erwachsensein? Besondere Ereignisse aus Eurem Leben und vieles mehr.




Kriegskinder

Beitragvon Svart-Vinter » 26. Jun 2008 - 20:52


Als Bomben auf die Städte Europas fielen, saßen Millionen von Menschen, Erwachsene und Kinder, in den Luftschutzkellern.

Die Kinder mussten erleben, wie Erwachsene vor Angst zitterten, hörten das rollende Dröhnen der bedrohlich näher kommenden Flugzeuge
und sahen in den zerbombten Städten brennende Häuser und Leichen von Menschen.

Es gab niemanden, der sie inmitten des Untergangs in den Arm nahm, dem sie ihre Albträume hätten erzählen können.
Die Kinder wurden in andere Orte gebracht oder "landverschickt".
Auf der Flucht sahen viele, wie ihre Mütter vergewaltigt wurden und ihre Väter kannten sie oft nicht.

Sie blieben fremde Männer auf abgegriffenen Fotos, die nicht zu ihren Familien zurückkehrten.

Allein in Deutschland hinterließ der Zweite Weltkrieg 1,8 Millionen Witwen und 2,5 Millionen Halbwaisen.
Dennoch: Nach Kriegsende merkte man den Kindern nicht an, welch große Last auf ihre Seelen geladen worden war.

Sie bissen die Zähne zusammen, versuchten die Vergangenheit hinter sich zu lassen und nach vorne zu schauen.
Die meisten gründeten Familien, waren erfolgreich im Beruf - jahrzehntelang.
Ein Grund für das lange Schweigen war auch die Schuld der Deutschen am Holocaust.
Sie trauten sich nicht, über ihr Schicksal zu klagen, zumal ihre Eltern zum Teil mitverantwortlich waren.

Erinnerungen holen Betroffene wieder ein

Doch ins Rentenalter gekommen, holt der Krieg die Kinder von damals wieder ein. Plötzlich haben sie körperliche Beschwerden,
die sie bisher nicht kannten, werden von Angstzuständen, Albträumen oder Depressionen geplagt.
Erst in den vergangenen Jahren gelangten die Kriegskinder und deren kriegsbedingte, oft lebenslang wirksame psychische,
soziale und körperliche Belastungen verstärkt in den Blick der Forschung.

Heute weiß man, welchen Einfluss eine frühe Traumatisierung auf die Entwicklung eines Menschen haben kann.

Quelle: Klick


Das ist ein Thema, wovon ich immer wieder einen Kloß in den Hals bekomme, da ich genau weiß, wie schlimm es für manche Menschen war.

Durch die Arbeit im Altenheim habe ich viele dieser Kriegskinder kennen gelernt und ich kann dem Artikel oben 100% zustimmen.
Die Erinnerungen kommen bei den meisten Menschen im Alter wieder.

Ich habe großen Respekt vor diesen Menschen.

Kennt ihr auch Menschen mit Kriegserfahrungen oder habt ihr Möglichkeiten, Betroffene diesbzgl. zu befragen?


Liebe Grüße.
...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben...
Svart-Vinter

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Beitragvon Sashira » 28. Jun 2008 - 03:06


Als das Thema bei uns im Deutsch Unterricht vorkam, haben wir mehrere Großeltern der Schueler zu uns eingeladen, die sogenannte "Zeitzeugen" waren und uns ueber den Krieg berichtet haben.
Immer wieder stockten sie in ihren Ausruehrungen, begannen zu weinen oder ihre Augen waren einfach nur leer..

Manchmal saßen sie auch einfach nur minutenlang im Schweigen da & die Erinnerung hat sich breit gemacht und ihre Gedanken eingenommen..

Diese Menschen haben schreckliches durchgemacht und die Vergangenheit wird einen immer wieder einholen, besonders wenn es solch traumatische Erfahrungen sind.

Ich habe großes Mitgefuehl mit den Großeltern gehabt, nur leider gibt es kein Medikament und keine Therapie, die ihnen noch helfen kann, das Erlebte zu verarbeiten.
Liebe ist schwer zu finden, leicht zu verlieren,
schoen zu haben und verdammt schwer zu vergessen ..
Sashira

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Kriegskinder

Beitragvon The_Sorrow » 28. Jun 2008 - 22:57


Mhm....mein Uropa hat in beiden Kriegen gekämpft und als der Älter geworden ist ist es ziemlich schwer geworden mit ihm klarzukommen weil
ihn das sehr belastet hat. Ich muss dazu sagen das ich nicht viel davon mitbekommen hab weil ich noch klein war, was mir allerdings meine Mutter erzählt hat ist das man die psychischen Folgen mit zunehmenden Alter bei ihm gemerkt hat und er zunehmend mürrisch und abweisend geworden ist.
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Re: Kriegskinder

Beitragvon Mina » 29. Dez 2009 - 00:15


Ich habe erst durch die Arbeit wieder Kontakt zu Menschen mit Kriegserfahrungen bekommen.
Einige interessante Gespräche haben sich ergeben. Manche waren für dieses Thema doch irgendwie recht locker und offen, viele aber auch eher etwas bedrückend.
Oft fällt es mir schwer was zu sagen in diesem Momenten, wenn jemand von seinen Erinnerungen erzählt und diese so klar vor sich hat in dem Moment. Wobei ich glaube, oft würden zu viele Worte auch nur unnütz erscheinen.
Für diese Menschen muss das eine sehr schwere und schreckliche Zeit gewesen sein, was sie alles erlebt haben. Aber es ist nicht nur negatives. Es kommt auch immer wieder vor, das sich die Menschen doch auch an gutes erinnern. bzw. erzählen, was sie in dieser Zeit als gut empfunden haben, was ihnen Mut gemacht hat, was ihnen eine Freude gemacht hat usw.
Es mag ja auch wie überall parallelen geben zwischen Menschen die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, aber trotzdem ist doch jeder noch anders in seinem erleben, und auch auch in seinem erinnern später.
Ich habe schon viele unterschiedliche Arten erlebt wie darüber berichtet wird, und das sollte man auch nicht aus den Augen verlieren.. das es in erster Linie ein Mensch ist mit dem man redet, mit gewissen Erfarhungen wie jeder welche gemacht hat und nicht "ein Kriegskind" wie jedes andere.

Manchmal kann es aber doch auch einiges erklären, wenn man Erfahrungen der jeweiligen Menschen ein bisschen kennt.


Wenn ich an Berichte von Menschen über den Krieg und die Zeit denke, dann hauptsächlich an Gespräche die ich mit Patienten hatte.
Mein Großeltern haben da zwar auch sicher ihre Erfahrungen, aber das war nie ein wirkliches Gesprächsthema.
Mein Großonkel hat da auch so einiges miterlebt beispielsweise, mit dem hatte ich auch immer ein sehr gutes Verhältnis. Aber darüber hat er nie geredet. Nicht mit mir, und auch mit sonst niemanden. Aber er ist auch leider nicht sehr alt geworden... vielleicht hätte es sich ja sonst eines Tages noch geändert.
Mina

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Re: Kriegskinder

Beitragvon Thanatos » 29. Dez 2009 - 11:06


... und trotzdem haben viele Eltern nichts besseres zu tun, als ihren Kindern "Kriegsspielzeug" zu schenken.
... und trotzdem werden Kriege und Soldaten von Menschen noch immer glorifiziert.
... und trotzdem ....

Die Liste ließe sich beliebig lang fortsetzen, befürchte ich.
Immerhin haben wir der größeren Öffentlichkeit unserer Zeit zu verdanken, dass vieles von dem Leid endlich mal sichtbar wird. Vielleicht lernt der Mensch es ja dann irgendwann mal...
Thanatos

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Re: Kriegskinder

Beitragvon Mike » 29. Dez 2009 - 12:17


Krieg... das ewig LEIDige Thema. Dass Krieg IMMER Leid verursacht und in der Praxis äusserst unschön ist, daran dürfte wohl niemand zweifeln.

Aber man kann nun Mal nicht einfach rumrennen und Blümchen in die Gewehre der Feinde stecken. Nette Idee, aber nicht immer praktikabel. Manche Auseinandersetzungen können mit WORTEN und gutem Zureden nicht gelöst werden, da die Standpunkte einfach zu unterschiedlich sind. Hinzu kommt, dass der Kampf für die eigenen Ideale und Wertvorstellungen uns im Blut liegt (den einen mehr, den anderen weniger).

Krieg und Soldaten GRUNDSÄTZLICH per se zu glorifizieren, wie es insbesondere im amerikanischen Raum vorkommt ("Wirtschaftskrise? Kein Problem ==> Krieg") halte ich für grundlegend falsch. Ich kann es aber auch auf den Tod nicht ausstehen, wenn ich Sätze wie "Soldaten sind Mörder" hören muss. Jeder, der in meiner Gegenwart so nen Spruch loslässt, bekommt ein gewaltiges Problem mit mir. Zum Einen, weil Soldaten nur Befehle ausführen (gegen die man sich bis zu nem gewissen Grad sperren kann, wenn sie gegen den gesunden Menschenverstand ankämpfen, selbstverständlich). Zum Anderen weil sich eben manchen Kriege nicht vermeiden lassen. Und im Ernstfall verkriechen sich diese "Soldaten sind Mörder"-Kerle in ihren Kellern und winseln um Hilfe, wenns wirklich Mal zu nem Krieg kommt. Wehrpflichte Mal ausgenommen, sind Soldaten Menschen, die ihr LEBEN und ihr ganzes Dasein aufs Spiel setzen, um Werte und Menschen zu schützen, die ihnen wichtig sind. Und DAS ist in der Tat ein Grund, um sie zu ehren - wie es dann von Soldat zu Soldat ausschaut ist - wie überall, wenn man ins Detail geht - wieder Differenzierungssache.

Es gibt Kriege, die völlig ungerechtfertigt sind (insbesondere sogenannte "Präventiv-Kriege"), aber das ändert nichts daran, dass der Kampf Bestandteil der menschlichen Wesensart ist. Wie überall kommt es natürlich auf die Ursache und Hintergründe des Krieges an - aber grundsätzlich Kriege verurteilen halte ich für falsch.

Ich habe auch schon von einigen Soldaten erfahren, die in Afghanistan oder sonstwo im Auslandseinsatz waren, was da unten abgeht und was sie sich gefallen lassen müssen (insbesondere bei Zusammenarbeit mit amerikanischen Truppen). Und da bleibt mir echt nur zu sagen: Hut ab!



Und für diejenigen, die behaupten, Krieg sei schlecht, weil Menschenleben dabei draufgehen... denkt Mal über die Umweltverschmutzung nach, über die Gifte die wir alle tagtäglich in die Umwelt pumpen auf dem Weg zur Arbeit oder zum privaten Vergnügen. Den Abfall den wir produzieren. Wir sind alle Mörder. Nur dass die Folgen unseres Handelns nicht so konkret und fassbar sind.
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
Mike

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