Unwissend habe ich ihn mitgenommen, da ich dachte er bräuchte Hilfe.
Bis dahin wusste ich noch nicht, das die Jungtiere nach ca. 3 Wochen das Nest verlassen
und am Boden trotzdem noch weiter gefüttert werden von ihrer Mutter.
Günni saß mit einem zweiten Babyvogel da, doch der 2. konnte schon fliegen und flog weg als ich Günni aufgehoben habe.
Ich bin dann direkt zum Arzt mit ihm und die Ärztin meinte, es wäre besser wenn ich ihn wieder zurück bringe,
da sie nicht lange überleben in menschlicher Hand.
Hin und her gerissen überlegte ich, ob ich ihn wirklich wieder zurück bringen sollte, ich war mir nicht sicher,
ob er wirklich wieder aufgenommen werden würde von der Mutter.
Dann habe ich beschlossen ihn zu behalten.
Es war eine schöne Zeit mit dem süßen Babyvogel, er war sehr zahm.
6 Monate war er bei mir und dann ist er leider gestorben.
In der Zeit wo er bei mir war hat er gelernt sein Essen und Trinken alleine zu finden, nach 1 Woche konnte er fliegen.
Ich habe es ihm so schön wie möglich gemacht, ihm immer frische Zweige von draußen mitgebracht.
Er durfte auch immer frei rum fliegen in der Wohnung und wenn er gewollt hätte, hätte er auch wegfliegen dürfen,
denn das Balkonfenster stand den ganzen Tag offen.
Er ist dann immer auf den Wäscheständer der auf dem Balkon stand geflogen, aber er kam immer wieder rein.
Er wollte also irgendwie nicht weg.
Eines Tages konnte Günni auf einmal nicht mehr fliegen, leider weiß ich nicht warum, sein Flügel hing leicht nach unten und ab da nahm es seinen Lauf.
Ich bin dann nochmal zum Tierarzt mit ihm, dieser sagte das der Flügel nicht gebrochen sei, sondern nur verstaucht,
ich hatte also Hoffnung, das Günni wieder fliegen könnte.
Leider fiel er dann in der einen Woche mehrmals aus hoher Höhe runter und wegen dem Flügel konnte er sich nicht auffangen.
Vermutlich bekam er durch die Stürze eine Schädigung am zentralen Nervensystem, ein übliches Problem bei Stürzen von Vögeln.
An einem Tag hatte ich Mittagsschlaf gemacht und als ich wieder wach wurde, lag Günni auf dem Rücken in seinem Fressnapf (Feuchtfutter).
Da war es leider schon zu spät, er ist dann innerhalb von wenigen Stunden gestorben.
Ich war bei ihm und habe ihn warm eingepackt.
Mit dem Tod von Günni hatte ich stark zu kämpfen, weil mir immer wieder durch den Kopf ging, wie schnell das alles seinen Lauf genommen hat.
Eins führte zum anderen.
Ich habe die Trauer erst verdrängt und war wie gelähmt und geschockt.
Es hat lange Zeit gedauert, bis ich das halbwegs verarbeitet habe.
Ich habe mich mit dem Gedanken aufgemuntert, das er in der Natur wahrscheinlich auch nicht länger überlebt hätte,
weil große Vögel kleine Meisen jagen und essen.
Heute weiß ich, das ich keinen Babyvogel mehr von der Strasse mitnehme.
Das ist mein Günni:
Als Gott sah,
dass der Weg zu lang,
die Hügel zu steil,
das Atmen zu schwer wurde,
legte er seinen Arm um Dich und sprach: "Komm heim"
Liebe Grüße, Vision...

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