Gefühle - Kann man sie gezielt unterdrücken ?

Forum: Philosophische Psychologie


Wie funktioniert die Psyche des Menschen? Was bestimmt unser Verhalten und unsere Handlungen?




Gefühle - Kann man sie gezielt unterdrücken ?

Beitragvon Svart-Vinter » 5. Feb 2008 - 22:03


William McDougall (1923) hat darauf verwiesen, dass die Begriffe Gefühl und Emotion zu unterscheiden wären,
da eine Vermengung für Verwirrungen sorgt.

Ein Gefühl bezieht sich auf das Erleben, etwa wenn jemand sagt, er habe Angst,
eine Emotion aber ist globaler und schließt neben dem Gefühl auch einen körperlichen Zustand und den "Ausdruck" ein.

Insgesamt gibt es sehr viele Definitionen für "Gefühle", die meisten klingen ganz plausibel...

Wie würdet ihr das Wort "Gefühl" beschreiben?

Kann man Gefühle unterdrücken?


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Beitragvon Ategato » 4. Mär 2008 - 22:33


Unterdrücken ist immer falsch!

Ich habe mich in letzter Zeit sehr intensiv mit Emotionen und Gefühlen (auch wenn ich die Differenzierung von McDougall irrelevant finde) auseinandergesetzt. Ich bin der Meinung, dass die heutige Menschheit noch zu unentwickelt ist, um mit Emotionen/Gefühlen umzugehen.

Beispiel:
Ehrenmord resultiert aus Schamgefühl und/oder Ehrgefühl.
Liebesmord resultiert, wie der Name schon sagt, aus Liebe und Trauer.
Selbstmord resultiert aus Trauer, Verzweiflung etc.

Falls ihr versteht, was ich meine. Menschen werden von Emotionen/Gefühlen kontrolliert, obwohl es genau andersherum der Fall sein sollte.

In einem interessanten Gespräch sagte mir meine Tante einmal, dass Herz und Verstand im Gleichgewicht bleiben muss.
Einfacher Satz, wichtige Message: Wenn Herz und Verstand ausgeglichen arbeiten, dann kann das eine nicht über das andere dominieren und es kann eine schlaue Tat begangen werden. Sprich, es gibt auch keine Reue oder gar Selbtswut, wenn man von seiner Tat enttäuscht ist. (Betrügen ist ein Beispiel dafür. Man lässt sich von der Lust leiten und begeht die Sünde [?]).

Ich bin der Meinung, um die Emotionen kontrollieren zu können, muss man lernen seine Emotionen/Gefühle zu neutralisieren. Keineswegs unterdrücken! Bei Unterdrückung bleiben die Emotionen und es besteht die Gefahr, dass das Aufgestaute irgendwann herausexplodiert.
Seine Emotionen zu neutralisieren fällt mir leichter, seitdem ich dafür übe. Ich lebe im Alltag diverse Emotionen und auch die Emotionslosigkeit bewusst herbeigeführt aus. Somit lerne ich diese besser kennen und wie heißt es doch so schön: "Wissen ist Macht!" In dem Fall, Macht über seine Emotionen. Ich denke, es ist auch möglich eine unerwünschte Emotion durch ein anderes zu ersetzen. Bei einem Unfall kann man jetzt zwar nicht anfangen zu lachen, aber ihr wisst was ich meine. Da spielen auch Werte eine Rolle.
Vor einigen Tagen habe ich (das erste mal seit mehreren Jahren) trotzdem geflennt wie ein Baby.. Grund geht euch nichts an :twisted:

MfG,
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Gefühle - Kann man sie gezielt unterdrücken ?

Beitragvon Mike » 21. Okt 2008 - 18:13


So, Mal wieder ein paar Themen aus der Versenkung holen ;-)

Gefühle zu unterdrücken ist auch in meinen Augen falsch, obwohl es einem als die beste Lösung vorkommen mag, v.a. in jungen Jahren.

Selbstmord kann mehrere Gründe haben. Als bestes Beispiel GEGEN Gründe wie Trauer und Verzweiflung führe ich hier Jon Nödtveidt an, der seinem Leben bewusst ein rituelles Ende gesetzt hat, ohne verzweifelt oder sonstwas zu sein. Die genauen Gründe weiß wohl niemand ausser ihm selbst.

Ich würde auch bei Weitem nicht so weit gehen und jemandem raten, seine Emotionen zu NEUTRALISIEREN. Denn Emotionen sind etwas sehr Wichtiges im Leben. Emotionen wie die Liebe lassen uns erst Dinge erkennen, die wir ohne Emotionen niemals begreifen oder beachten würden. Die Liebe ist hier wohl die intensivste Kraft.

Aber es ist jedenfalls nicht verkehrt, sich selbst zu analysieren in gewissen Taten - weshalb hat man sie gemacht, welche Faktoren waren ausschlaggebend, wieso hat man gewisse Gefühle dabei empfunden?
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Gefühle - Kann man sie gezielt unterdrücken ?

Beitragvon Haderlumpin » 21. Okt 2008 - 18:49


Einiges wurde ja schon gesagt, ich denke auch, dass man Gefühle nicht unterdrücken sollte und wie Mike schon sagte, dass die Selbstanalyse sehr wichtig ist. Verkehrt ist aber sicher nicht, zu lernen mit ihnen umzugehen und ihnen manchmal nicht soviel Beachtung zu schenken.

Als Beispiel würde ich da mein problematischstes Gefühl nennen, die Angst. Wie ich im Bachblütenthread schon erwähnte, habe ich bei Prüfungssituationen & Co. mit massiver Angst zu kämpfen, die in diesem Maße ja völlig unangebracht ist. Ich werde ja nicht bedroht. :D Unterdrücken lassen sich Herzklopfen und Zittern kaum, die einzige Möglichkeit ist, es auszuhalten, sich selbst einen Moment Zeit zu geben und zu beruhigen. Klar, da ist dann schnell der Zeitpunkt, wo man etwas beitragen wollte vorbei. ;)
Deswegen muss ich in dem Moment dieses Gefühl zumindest außer Acht lassen und mich überwinden, mich trotzdem melden und etwas sagen. Der Effekt ist meistens, dass die Anspannung dann auch etwas nachlässt.

Wie Ategatos Tante schon sagte: Herz und Verstand müssen ausgeglichen arbeiten. Es kann also denke ich schon sinnvoll sein, einem Gefühl wie z.B. übermäßiger Angst rational entgegen zu wirken, indem man ihm nicht soviel Beachtung schenkt und durch die "bedrohliche" Situation durchgeht.
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Beitragvon Mike » 21. Okt 2008 - 19:17


Bei Angst kann es helfen (hab ich Mal gelesen), wenn man sich abends oder so ins Bett legt und bewusst versucht, sich eine Situation zu visualisieren, in der man typischerweise und regelmäßig Angst verspürt. Man sollte sich dann in diese Visualisierung hineinsteigern, als ob sie real wäre - und gleichzeitig analysieren, aus welchem Grund man nun diese Angst hat. Wenn man z.B. Angst hat, dass man im Unterricht eine Antwort falsch nennt und von den Mitschülern ausgelacht wird, sollte man sich durchaus genau diese Situation ins Gedächtnis rufen und experimentieren, wie man damit umgehen könnte.
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Gefühle - Kann man sie gezielt unterdrücken ?

Beitragvon Haderlumpin » 21. Okt 2008 - 19:50


Ja...das ist das, was ich meistens tue. Wenn die Situation näher rückt, z.B. eine Prüfung, führe ich sie mir immer wieder vor Augen, spiele durch, wie es wohl ablaufen könnte. Ich versuche mir auch klarzumachen, dass mir nichts "schlimmes" passieren kann, was diese Angst rechtfertigen würde und dass ich selbst kleine Peinlichkeiten ohnehin viel extremer wahrnehme, als die Anwesenden.

Das wirkt ganz gut, um die Zeit vorher gelassen zu bleiben...aber wenn es dann soweit ist, ist die Angst wieder da und ich kann mir noch so sehr klarmachen, dass es "nur" ein Referat oder eine verflixte Prüfung ist.

Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass ich mich durch diese Durchspielerei vorher noch verrückter mache. Wenn ich z.B. in der Uni sitze und nur drüber nachdenke etwas zu sagen, fängt nämlich das Herzklopfen schon an. Und je mehr ich drüber brüte, desto stärker wird diese Reaktion, bis ich mich evtl. gar nicht mehr traue. Und die Reaktion ist dann schon fast so heftig, wie wenn ich tatsächlich in der Situation bin.


Ich würde gerne einmal austesten, was es genau ist. Ich vermute ja, dass mich hauptsächlich die Nachdenkerei vorher und die Blicke der anderen währenddessen so nervös machen. Müsste mal möglichst spontan, ohne nachzudenken ein Referat hinter einer Trennwand halten... :augly:
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Gefühle - Kann man sie gezielt unterdrücken ?

Beitragvon Hagazussa » 21. Okt 2008 - 20:53


Wie sieht es mit den Gefühlen bei der Liebe aus?

Wenn ein Mensch für einen anderen Gefühle hat, sollte man diese dann besser erstmal unterdrücken?

Oder sollte man seine Gefühle offenlegen?

Und warum haben so viele Menschen Probleme damit?

Darüber habe ich schon oft nachgedacht. Die meisten Menschen versuchen diese Gefühle ja nicht so zu zeigen, wenn sie für jemanden etwas empfinden.

Wahrscheinlich um erstmal abzuwarten, wie der andere sich verhält.
Oder aus Angst, das man sich lächerlich machen könnte.
Es gibt natürlich auch Menschen, die einfach zu schüchtern sind, um zu ihren Gefühlen zu stehen.

Aber warum ist das so?

Ist es nicht besser, wenn man sich einfach "outet", anstatt abzuwarten, ob sich da mal was ergibt und sich den Kopf zermattert ob der "andere" genauso denkt?

Spürt man vllt unbewußt, das man die eigenen Gefühle besser erstmal unterdrückt?
Damit der andere die Chance hat, zu bemerken, das da was ist?

Fragen über Fragen.... :con:
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Gefühle - Kann man sie gezielt unterdrücken ?

Beitragvon Svart-Vinter » 21. Okt 2008 - 21:45


Ich glaube eher, dass man diesbzgl. instinktiv weiß, ob der Andere genau so fühlt oder nicht.
Man kann anhand von gewissen Ereignissen und Verhaltensweise logische Schlüsse ziehen...

Wenn man weiß, dass derjenige ähnliche Gefühle hat, dann verhält man sich auch ganz anders, bzw. geht man dann offener mit seinen Gefühlen um.
Bestehen Unsicherheiten, dann sollte man das tun, was einem das Herz und der Kopf sagt, bzw. auch der Instinkt und dieser tickt meistens genau richtig.

Das ist meine Ansicht dazu.


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Beitragvon Mike » 21. Okt 2008 - 23:59


Die Liebe ist komischerweise in allen Belangen ein Thema für sich. Manchmal kann es besser für beide sein, wenn man seine Liebe dem anderen nicht gesteht. Was zum Beispiel, wenn man ziemlich dicke befreundet ist und eine der beiden Personen sich mit Selbstmord-Phantasien quält? Liebe kann selbst die besten Freundschaften kaputt machen. Und wenn man nun der anderen Person seine Liebe eingesteht, wenn man sich nicht zu 100 % sicher ist, kann das verheerende Folgen haben. Ist jetzt keine Schwarzmalerei oder ein überdrehtes Beispiel, ich hatte das unglücklicherweise schon Mal... und sowas kann einen ziemlich kaputt machen.

Aber man sollte auch vorsichtig mit dem Begriff "Liebe" umgehen. Es fällt mir auf, dass sie sehr gern mit verknallt sein oder Schwärmerei verwechselt wird. Oftmals bei Internet-Bekanntschaften.

Liebe ist was sehr Mächtiges, aber sie kann auch so viel kaputt machen, dass man sich irgendwann vielleicht zwei Mal überlegt, ob man der anderen Person seine Gefühle wirklich beichten soll.
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Gefühle - Kann man sie gezielt unterdrücken ?

Beitragvon Haderlumpin » 22. Okt 2008 - 12:41


Ich glaube, Liebe ist so ein Sonderfall, weil sie ein recht reifes Gefühl ist im Gegensatz zu eher primitiven Gefühlen wie Angst. Zumindest scheint sie mir recht wenig instinktgebunden, sondern eher aus reifen emotionalen Bindungen zu entstehen? :con:

Eine voll ausgereifte Liebe zu unterdrücken ist glaube ich schwer, möglich ist aber die Wegbereiter Schwärmerei und Verliebtsein unter Kontrolle zu bringen. Da schließe ich mich Mike an, ich habe auch oft das Gefühl, dass das schnell verwechselt wird und daran auch desöfteren Freundschaften und auch bestehende Beziehungen zugrunde gehen.

Wenn z.B. innerhalb einer langjährigen Partnerschaft ein Partner für eine andere Person zu schwärmen beginnt und sich in diese Schwärmerei dermaßen hineinsteigert, dass er vorschnell alles, was er sich mit seinem Partner aufgebaut hat hinwirft. Dazu muss ich sagen, dass ich das relativ unverklärt sehe...auch wenn zwei Personen sich reif lieben, kann es passieren, dass eine Schwärmerei für eine dritte Person aufkommt. Das ist schlicht menschlich, grade nach vielen Jahren. Es ist dann nur auch ein Zeugnis von Reife, sich zu zügeln und sehr genau zu überdenken, ob man sich auf diese Schwärmerei weiter einlässt oder rechtzeitig entgegen wirkt.
Letzteres sollte möglich sein, oder wie seht ihr das? :)
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