Frühlingsgefühle

Forum: Philosophische Psychologie


Wie funktioniert die Psyche des Menschen? Was bestimmt unser Verhalten und unsere Handlungen?




Frühlingsgefühle

Beitragvon Mike » 3. Apr 2009 - 08:10


Der letzte Schnee schmilzt (war bei uns vor ner Woche tatsächlich so!), die Sonne scheint, es ist hell wenn man aufsteht und es ist noch hell, wenn man schlafen geht. Die Vögel zwitschern wieder, die Mücken stechen wieder, und die Gefühle spielen wieder Mal verrückt.

Ich finde es schon verblüffend, wie sehr sich dieser Wetterumschwung auch auf unsere Gefühle auswirkt. Ich sehe es momentan auf Arbeit: Am 1.4. hat eine neue Kollegin bei uns angefangen, und schon spielen die Hormone bei ein paar Männern verrückt. Die einen baggern sie an, obwohl sie doppelt so alt sind, die anderen wiederum empfinden wegen diesem Anbaggern grundlose Eifersucht. Und obwohl man Ansprüche an sich selbst stellt, seine Gefühlsschwankungen unter Kontrolle halten zu wollen - es ist, als ob man fremdgesteuert werden würde, als ob eine animalische Kraft von einem Besitz ergriffen hätte, die gegen alle Einwände und Argumente taub ist.

In den lichten Momenten - die während diesen Frühlingsgefühlen zugegebenermaßen rar gesät sind - wundert man sich nur ob der Substanzlosigkeit seiner Bestrebungen.
Und in diesem Moment kommt einem nur eines in den Sinn: Liebe ist etwas, was Launen übersteht - alles andere ist nur Schwärmerei.
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
Mike

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Frühlingsgefühle

Beitragvon Ategato » 17. Apr 2009 - 18:31


Ist der letzte Satz tatsächlich die Quintessenz des ganzen Beitrages?

Was ich sagen wollte: Dass wir intelligentere Tiere als der Rest aller Lebewesen auf diesem Planeten sind, bringt uns leicht dazu, oft ein Gefühl der Distanziertheit zur Animalität zu entwickeln.
Diese von Dir beschriebenen Gefühlsveränderungen deuten m.E. absolut darauf hin, dass wir wie unsere Mitbewohner der Erde von der Umwelt stark beeinflusst werden.

Seit die Sonne scheint, bin ich bspw. viel glücklicher und das obwohl ich im Winter traurig war, dass dieser vorbei ging.
Alles Vergängliche ist eine Illusion.
Ategato

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Frühlingsgefühle

Beitragvon Mike » 17. Apr 2009 - 18:51


Betrachte den letzten Satz als Abschluss, aber nicht unbedingt als Quintessenz.
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
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Re: Frühlingsgefühle

Beitragvon Anxiolytika » 27. Aug 2009 - 14:25


Ich verstehe schon diese Distanziertheit und auch Verwunderung über eine Art "Fernsteuerung" die man zunächst nicht recht nachvollziehen kann.
(Den letzten satz kann ich damit jetzt nicht ganz in bezug setzen..
meinst du damit.. diese art von bestrebung ist nur schwärmerei?
oder hat es miteinander nichts zu tun und ist differenziert zu betrachten?
kannst du vielleicht sagen, wie du ihn "herleitest" oder genauer beschreiben, was du meinst?)

Also, wie gesagt, die Verwunderung kenne ich gut.
Auch aus recht aktuellem Anlass.
Aber die Verbingung zum Frühling wiederrum ist mir bisher nicht gekommen, muss ich zugeben.
Schwärmereien und Verliebtheit - auch die "unverständlichste" - kommen doch im ganzen Jahr vor.
Vielleicht ist es auch nur bei mir so, aber ich sehe den Frühling diesbezüglich keinen Einfluss auf mich nehmen.
Wir könnten zu dem thema auch eine Umfrage machen.
Mich interessiert wer meint, dass der Frühling verliebt macht.


Anxio
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Re: Frühlingsgefühle

Beitragvon Mike » 27. Aug 2009 - 15:44


Zum einen fallen mir solche Erfahrungen (bei mir selbst oder anderen) vor allem eben im Frühling auf. Zum Anderen denke ich "analog" - im Frühling entsteht etwas, es blüht etwas Neues auf. Heißt eben nicht umsonst Frühlingsgefühle. Aus diesen beiden Gründen assoziiere ich solche Gefühle eben INSBESONDERE mit dem Frühling - aber natürlich nicht nur. Sie können genausogut auch im Herbst vorkommen.

So, um mich selbst zu zitieren:
In den lichten Momenten - die während diesen Frühlingsgefühlen zugegebenermaßen rar gesät sind - wundert man sich nur ob der Substanzlosigkeit seiner Bestrebungen.
Und in diesem Moment kommt einem nur eines in den Sinn: Liebe ist etwas, was Launen übersteht - alles andere ist nur Schwärmerei.


Mit Substanzlosigkeit meine ich die Tatsache, dass man eben vielleicht etwas empfinden mag, was bei "nüchterner" Analyse (doch wann sind Gefühle schon nüchtern?) nur als Schwärmerei aufgrund diverser äusserer Umstände (eben erwähntem Frühling, guter Laune, evtl. Rivalitätsdenken) erkannt wird, welcher wir uns allerdings widmen als ob wir die Liebe unseres Lebens getroffen hätten.

Und in solchen rar gesäten Momenten denkt man sich evtl. auch, dass alles vielleicht nur Schwärmerei ist, dass man sich Zeit lassen sollte und erst im Laufe der Zeit sieht, ob es wirklichlich LIEBE ist (wenn sie eben auch Launen übersteht) oder nur Schwärmerei, die nach der nächsten Stimmungsschwankung wieder erloschen ist. Schwärmerei vergeht - Liebe bleibt.
Vielleicht ist das aber auch nur eine romantisch-verklärte Sicht der Dinge, und der heutige Mensch von Welt gesteht der Liebe nicht mehr so einen hohen Stellenwert ein sondern sagt sich vielmehr "Wenn vorbie, dann vorbei - Rien ne vas plus!".
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
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