Duzen - Siezen

Forum: Philosophie - Eigene Ansichten


Philosophie ist der Versuch des Menschen mit dem Mittel des Denkens sein Dasein, die von ihm wahrgenommene äußere Welt und sein eigenes Inneres zu erklären.




Duzen - Siezen

Beitragvon Svart-Vinter » 4. Nov 2009 - 20:05


Dazu hatte ich heute ein paar Gedanken:

Jeder hat es vermutlich schon einmal oder sogar öfters erlebt, dass er von einer Person -die man länger kennt und Siezt-
das "Du" angeboten bekam!?

Mir ist das mittlerweile mehrmals passiert und es fällt mir meistens so schwer, das "Du" in die Tat um zu setzen,
dass ich das "Du"-Angebot eher als unangenehm empfinde.
Deswegen sage ich bei solchen Angeboten von vorne rein, dass ich lieber beim "Sie" bleiben möchte.

Ich arbeite seit jetzt zwei Jahren in einer Familie, wo mich alle immer noch Siezen,
obwohl das Verhältnis zu den Personen mittlerweile fast familiär/freundschaftlich ist.
Im Sommer kam es dann dazu, dass ich als Betreuerin für 80 Kinder in eine Ferienfreizeit (so nannte sich das) gefahren bin.
Die jüngste Tochter der Familie wo ich arbeite, fuhr da auch mit und konnte mich dann auch Duzen (da es dort allen Kindern erlaubt war),
aber das Mädchen hat es nicht fertig gebracht, mich beim Vornamen zu nennen.

Einmal kam sie zu mir und wollte mir etwas sagen: "Anna (so heiße ich ;-) ), können Sie mal kurz mit kommen?"

Jetzt wollte ich mal fragen, ob Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt?

Werdet Ihr lieber geduzt oder gesiezt? Was hat es überhaupt damit auf sich, warum gibts das?
Hat es nur etwas mit Autorität oder gar nichts damit zu tun?


Viele Grüße.
...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben...
Svart-Vinter

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Re: Duzen - Siezen

Beitragvon Thanatos » 6. Nov 2009 - 21:03


Ich werde in meinem Beruf grundsätzlich gesiezt und bestehe auch darauf. Das ist in der Stadt in der ich lebe und arbeite nicht wirklich einfach, weil man hier eine lokale "Du"-Kultur entwickelt hat.

Du und Sie sind ein Ausdruck der persönlichen Nähe bzw. der professionellen oder sozialen Distanz. Ich erlaube nur solchen Leuten das Du, mit denen ich mich auf einer Ebene wähne und zu denen ich eine persönliche Beziehung habe (was bei mir nich besonders schwierig ist, weshalb ich doch einige Leute und Kollegen duze). Bei allen anderen bleibts beim Sie. Mich hat dieses generische "Du" während des Studiums schon aufgeregt, auch wenn ich manchmal selbst dahin zurückfalle...
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Re: Duzen - Siezen

Beitragvon Mike » 8. Nov 2009 - 11:19


Ich komm mehr oder weniger vom Land, und da ist man das "Du" gewohnt. Auf Arbeit allerdings lehne ich das Siezen nicht ab, da ein "Du" doch eine wesentlich privatere Atmosphäre schafft als man meint. Durch das Du kann auch viel an Autorität verloren gehen, da man sich auf ein Mal auf einer Ebene mit dem Vorgesetzten wähnt - man ist ja "per Du". Ich merke das grad v.a. bei uns auf Arbeit, wo wir ein eher kollegiales "Du" pflegen (Firma mit <= 50 Mitarbeitern). Ja, das Du erleichtert einiges, und man kommt leichter mit den Leuten aus, weil man sich ja auf einer Ebene wähnt. Aber manchmal würde man sich doch ein Sie wieder wünschen, um die verlorengegangene Autorität durchzusetzen, welches per Sie wesentlich leichter fällt als per Du.
Auf der anderen Seite hat es den großen Vorteil, dass man Probleme leichter ansprechen kann - denn so blöd es vielleicht klingt, aber "Du hast Scheisse gebaut - wie beseitigen wir das Problem wieder?" klingt nicht so krass nach Vorwurf wie "SIE haben Scheisse gebaut - was schlagen Sie vor, wie man es wieder beseitigt?".
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
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Re: Duzen - Siezen

Beitragvon Mina » 7. Dez 2009 - 21:33


Ich komme ja fast gerade erst aus der Schule wo ich (bis auf einen Kurs) geduzt wurde.
Mit Beginn der Ausbildung kam dann das Sie. Das war für mich erst mal gewöhnungsbedürftig, weil ich es gar nicht gewohnt war gesiezt zu werden und mit Nachnamen angesprochen zu werden. Fühlte sich anfangs irgendwie fremd an.
Mittlerweile ist es aber ganz normal das die Lehrer uns siezen in der Schule. Und ich muss sagen, das finde ich auch sehr gut, und würde es nicht anders wollen.
In der Allgemeinbildenden Schule duzen ja viele Lehrer bis zum Ende. Wir hatten nur einen Lehrer der es nicht gemacht hat.
Und eigentlich finde ich das auch ganz gut.
Warum sollte ich siezen, werde aber von meinem Gegenüber geduzt? Dadurch wird schon eine Ungleichheit symbolisiert, die nicht da sein sollte. Finde daher nun das beidseitge siezen in der Schule die beste Lösung.

Es kommt ansonsten immer etwas auf die Situation an, bzw. auf die Personen um die es geht.
Beim Abiball, oder nach der Schule wenn ich Lehrer Kontakt mit Lehrern hatte wurde mir das "Du" angeboten, das fand ich auch eher seltsam, es erschien mit unpassend.

Jetzt auf der Arbeit ist es so, das wir uns im (Pflege-)Team untereinander alle duzen, sowie die Therapeuten auch. Das finde ich auch ganz gut so. Lockert die Atmosphäre etwas auf und erscheint mir in der Situation passend. Ein "Sie" unter direkten Kollegen käme mir glaube ich eher komisch vor, das wäre dann wiederum fremd.
Auch die Kollegen auf den anderen Stationen oder im Op usw. duze ich die meisten und werde geduzt. In dem Haus wo ich hauptsächlich arbeite ist das auch so üblich. Gibt dort keine Station wo gesiezt wird.
In den Teams selbst gibt es auch kein Autoritäten Problem, da ja eh alle die gleiche Stellung haben.
Die meisten Stationsärzte, Assistenzärzte, PJ ler usw. sind auch per du.
Gesiezt werden dann "höherstehende" Personen: Pflegedienstleitung, Oberärzte(zum Teil), Chefärzte.

Meine Patienten sieze ich grundsätzlich (außer Kinder), auch wenn mir jemand das du anbieten will. Da bleibe ich lieber beim Sie.
Und ich erwarte auch von meinen Patienten gesiezt zu werden. Nicht von Kindern, und wenn mich jetzt mal ein verwirrter Patient oder so duzt ist das auch ok.
Aber von Patienten bei klarem Verstand usw. möchte ich nicht geduzt werden und weise dann wenn es sein muss auch darauf hin.

So ein "Du" ist schon eher persönlich. Schafft aber auch leichter eine lockere Atmosphäre, wobei da natürlich auch noch andere Aspekte zu nötig sind. und die teilweise auch sehr gut mit "Sie" aufgebaut werden kann.
Ist alles immer etwas Situationsabhängig.
Aber immerhin reagiere fühle ich mich mittlerweile auch mit einem "Sie" angesprochen ^^
Mina

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