Die Mythen der Medizin

Forum: Mythen - Urbane Legenden


Kennt Ihr Mythen und Sagen aus Eurer oder aus anderen Gegenden? Egal ob moderne Legenden oder uralt. Erzählt uns davon!




Die Mythen der Medizin

Beitragvon Hagazussa » 17. Apr 2008 - 22:11


Wir kennen ja alle, diese Mythen wie z.B.

---Zwei Liter Wasser am Tag sind gesund
---Wir nutzen nur 10% unseres Gehirns
---Haare und Fingernägel wachsen nach dem Tod weiter
---Rasierte Haare wachsen schneller
---Lesen im Dämmerlicht schadet den Augen
---Handys im Krankenhaus sind gefährlich

Ist da was wahres dran?

Was haltet Ihr davon?

Was habt Ihr für Erfahrungen gemacht?
Wenn du es eilig hast, gehe langsam
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Beitragvon Lirias » 17. Apr 2008 - 22:33


Für ein paar habe ich Antworten parat, diese müssen aber auch nicht das non plus ultra sein.

Über das mit den 10 % hab ich mal etwas gelesen.. bin mir aber nicht mehr sicher was genau damit auf sich hat. Ich glaube es war nur ein Ausspruch von jemandem, der dann einfach als Wahrheit angenommen und verbreitet wurde.

Rasierte Haare wachsen nicht schneller und sind auch nicht borstiger wie viele behaupten.
Durch die Länge der Haare entsteht der eindruck dass sie härter sind, dies kann man auch bei Bürsten sehen. Längere Haare erscheinen automatisch weicher, weil sie sich mitbiegen. Das mit dem schneller wachsen ist denke ich subjektiv, was hat schließlich die geschnitte Haarspitze mit der Wurzel zu tun?

Handys im Krankenhaus waren evtl irgend wann man gefährlich. Mittlerweile sind eh alle Geräte gegen Elektromagnetismus abgeschirmt. Der Hauptgrund für das Handyverbot in Krankenhäusern war, dass die Leute die Telefone dort verwenden sollen. Das Krankenhaus macht sonst weniger Geld mit ihren Anschlüssen.
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Beitragvon Spookie » 17. Apr 2008 - 23:17


Hallo!

hexehusch hat geschrieben:Haare und Fingernägel wachsen nach dem Tod weiter


Das ist eine Legende, an die viele Mediziner und Menschen allgemein auch heute noch glauben.

Es ist so, das auch nach dem Tod noch chemische Prozesse (Verwesungsprozess) im Körper statt finden.
Prozesse sorgen immer für eine Veränderung und in diesem Fall trocknet die Haut aus, sie geht zurück, sie wird ledrig etc.

Aus diesem Grund wurde häufig angenommen, Nägel und Haare wachsen nach dem Tod noch,
dabei geht einfach die Haut zurück und lässt Bartstoppeln blitzen oder die Nägel länger wirken.
Jedenfalls wäre der Haarwachstum nach dem Tod so gering, dass er gar nicht auffallen würde.

Warum das dennoch oft angenommen wird, könnte folgendermaßen begründet sein:

Eine Leiche wird normalerweise von einem Bestattungsunternehmen zur Beerdigung vorbereitet.
Dazu gehört bei Männern z. B. auch eine Rasur. Nehmen dann die Angehörigen bei der Beerdigung, die meistens 1 bis 3 Tage später stattfindet,
vor dem offenen Sarg Abschied vom dem Verstorbenen, so sehen sie häufig feine Bartstoppeln.

Das liegt aber nicht daran, dass die Barthaare weiter gewachsen sind.

Vielmehr ist die Haut des Toten ausgetrocknet und etwas geschrumpft.
So werden vorher verborgende Bartstoppeln sichtbar. Der Vorgang ist derselbe, wie bei einer Mumie.
Trockene Umgebung führt zur Schrumpfung der Haut und des darunterliegenden Gewebes.
Selbst wenn Bindegewebszellen bei einem Hirntod (offizieller Todeszeitpunkt) noch einige Stunden weiter arbeiten,
so ist Haarwachstum, das normalerweise 1 cm im Monat beträgt, innerhalb dieser Zeit so gering, dass es nicht sichtbar ist.

Quelle
Was Freiheit bedeutet weiß man erst, wenn man sie verloren hat.
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Beitragvon Hagazussa » 18. Apr 2008 - 19:26


Es gibt selbst Ärzte, die diese Mythen glauben und weiter verbreiten.

Aaron Carroll und Rachel Vreeman (Indiana-University) haben sich mit
diesen Mythen auseinander gesetzt.
Im kommenden Jahr veröffentlichen sie ein Buch über die populärsten
Medizinirrtümer.

Zu den Handys im Krankenhaus:
Strenge Tests in Europa haben ergeben, dass es nur in einem Umkreis
von unter einem Meter zu Wechselwirkungen mit medizinischen Geräten
kommen kann.
Möglicherweise ist dieser Punkt jedoch noch nicht vollständig geklärt.
Erst im September kamen niederländische Forscher zu dem Schluß,
das Handys sehr wohl lebenswichtige medizinische Geräte stören,
z.B. externe Herzschrittmacher oder Beatmungsgeräte.
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Beitragvon Lirias » 18. Apr 2008 - 22:16


Nur eine kleine Nebeninformation. Ich habe mal ein Praktikum bei einem Hörgeräteakustiker gemacht. Dort sagte man mir, dass Handys mit außen liegender Antenne geeigneter für Leute mit z. B. Herzschrittmachern sind. Liegt vielleicht auch daran, dass weniger Sendeleistung von Nöten ist und dadrurch das Signal schwächer ist.
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Beitragvon Svart-Vinter » 19. Apr 2008 - 11:32


@ Lirias, das klingt für mich absolut einleuchtend.

Hin und wieder ist die Funkttechnik in den Medien auch sehr umstritten, weil die Meinungen da stark auseinander gehen, wegen der Schädlichkeit etc.
Aber das Funknetz wird in den nächsten Jahren nicht weniger, denke ich.

Ich habe hier auch noch einen Mythos:

- Für kurze Zeit nach einer Enthauptung eines Menschen, kann der Kopf noch etwas wahrnehmen und Gliedmaßen können sich noch bewegen.


Viele Grüße.
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Beitragvon Hagazussa » 19. Apr 2008 - 20:11


@Vision

Das hört sich zwar sehr grauselig an, aber vostellen könnte ich mir das
schon.
Das Gehirn kann ja nur arbeiten, wenn es mit Sauerstoff versorgt wird.
Wenn jetzt jemand Enthauptet wird, dann ist ja nicht unmittelbar nach
der Enthauptung, kein Sauerstoff mehr im Gehirn.
Wäre es da nicht logisch, das das Gehirn noch einige Zeit Dinge
wahrnehmen kann?
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Beitragvon Svart-Vinter » 19. Apr 2008 - 20:19


Nein, wahrnehmen in dem Sinne nicht mehr. Es geschieht eher alles nur noch unbewusst.

Hierzu ein Artikel:

Die früher oft lebhaft diskutierte Spekulation um die Geschehnisse unmittelbar nach einer Hinrichtung durch Köpfen ist historisch gesehen immer wieder aufgeflammt.
Offensichtlich haben sich die Menschen oft gefragt, ob abgetrennte Köpfe noch bewusste Leistungen erbringen können.
Erwiesen ist lediglich, dass das unverletzte Gehirn eine Zeit lang ohne Sauerstoffzufuhr überleben und damit arbeiten kann,
sofern die Erregungsausbreitung nicht gestört wird – was beim Köpfen aber der Fall ist.

Es sind zahlreiche Geschichten von Enthaupteten bekannt, die nach ihrer Exekution noch eine Zeit lang weitergelebt haben sollen.
So soll der Pirat Klaus Störtebeker nach seiner Hinrichtung noch ohne Kopf an Teilen seiner versammelten Mannschaft vorbeigelaufen sein,
um sie damit (der Sage nach) vor der Hinrichtung zu retten.

Giovanni Aldini, der Neffe von Luigi Galvani führte auch öffentlich galvanische Experimente an Enthaupteten durch.

Auch aus der Zeit der französischen Revolution sind Aussagen z. B. über vermeintliche Sprechversuche abgetrennter Köpfe überliefert.
Der deutsche Arzt Johannes Wendt und der Franzose Séguret stellten Versuche an, um die Reaktionen der Köpfe zu erforschen.
Danach sollten sie beispielsweise noch reflexartig die Augen schließen,
wenn eine Hand schnell auf das Gesicht zubewegt oder der Kopf hellem Licht ausgesetzt wurde.
Nach einem Bericht des französischen Arztes Beaurieux von 1905 hatte der Kopf eines guillotinierten Verbrechers sogar noch etwa 30 Sekunden auf Zurufe reagiert.

Der forensische Pathologe Ron Wright ging davon aus, dass nach der Abtrennung des Kopfes das Gehirn für etwa 13 Sekunden weiterleben könne,
zumindest seien Augenbewegungen usw. innerhalb dieses Zeitraums möglich.
Die genaue Spanne, die das unversorgte Gehirn überlebe, sei von chemischen Faktoren abhängig wie z. B. von der verfügbaren Sauerstoffmenge zum Zeitpunkt der Enthauptung.

Quelle: Klick
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Beitragvon Hagazussa » 19. Apr 2008 - 20:33


Also reagiert das Gehirn, theorethisch nur noch in seinem
Unterbewußtsein, eine gewisse Zeit auf äussere Reize.
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Beitragvon Svart-Vinter » 19. Apr 2008 - 21:54


Ich würde sagen, dass es nicht mal mehr auf Reize reagiert, sondern nur noch in Form von unwillkürlichen Reflexen.


Viele Grüsse.
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