Der Traumfänger
Seit langer Zeit beschäftigen sich Menschen mit ihren Träumen; seit Urzeiten gibt es Geschichten, die über Träume,
mitunter jedoch auch über Angst einflößende Nachtgesichter berichten.
Und immer spielte der Wunsch, die Träume zu beeinflussen oder zu erklären, eine große Rolle.
Die Indianer Mittelamerikas gehörten zu den ersten Völkern, die Träume nutzten und schlechte Träume abwehren konnten.
Die Lösung war ein "Traumfänger".
"Dream Catcher" sind heute überall sehr populär.
Viele Menschen gebrauchen sie als Talismane oder einfach nur als Schmuck. Viele hängen sie auch zum Schutz ins Auto.
Doch die Geschichte der Traumfänger hat ganz spezifische, sehr spirituelle Hintergründe.
Es gibt wenig historische Belege über die Verwendung der Traumfänger bei den indianischen Ureinwohnern Amerikas.
Noch weniger ist die Verwendung der Traumfänger bei den Aborigines, den australischen Ureinwohnern, belegt.
So muss man sich weitgehend auf Legenden stützen.
Traumfänger schenken Beruhigung
Der Azteke Xokonoschtletl, ein bekannter Schamane, erzählte die Folgende indianische Legende:
"Es war eine Ahnfrau, die sehr unglücklich war.
Denn sie hatte ein Kind, das jede Nacht mit den Kojoten weinte, weil ihm im Schlaf, Träume böse Geschichten erzählten.
Und weil die Ahnfrau keine Hilfe mehr wusste, bat sie die "Spinnenfrau" um ihren Rat.
Die Spinnenfrau war uralt, das heißt undefinierbar älter als die Ahnfrau und von großer Weisheit.
Sie bog aus dem Holz der Wasserbäume einen Ring, nicht größer als ein kleiner Kopf. Dann band sie Fäden in den Ring, so wie ein Spinnennetz.
Als sie fertig war, flochtete sie kleine Gegenstände von großer magischer Kraft hinein: einen bunten Stein, die Wurzel einer Zauberpflanze,
Haare des Bären, Rassel der Klapperschlange und viele andere Gegenstände, alle von magischer Kraft.
"Hänge es über die Wiege. Dann wird kein böser Traum Kraft über Dein Kind bekommen.
Es wird bewirken, dass keine schlechte Energie mehr in euer Tipi kriecht, es wird alle diese Kräfte fangen und sammeln,
und am Morgen werden sie mit der Nacht verschwinden.
Bringe das Netz den anderen Menschen und webt euch selbst Netze."
Und so ging die Ahnfrau in ihr Dorf zurück und tat, wie ihr geraten."
Bei den Azteken wurde der Traumfänger "Titlahtin" genannt. Was so viel bedeutete wie: "Das, was mich beruhigt."
Albträume werden gefangen - sie verbrennen in der Sonne
Viele Legenden und Sagen was den Traumfänger betrifft, werden nicht den Lakota-Indianer, sondern z.B. den Ojib- oder Anishnabe-Indianern,
den mexikanischen Azteken oder den australischen Aborigines zugeschrieben.
Eine andere Geschichte gibt folgende Sage wieder:
Vor langer Zeit war eine Familie in schrecklicher Not. Sie führten ein gutes und aufrichtiges Leben,
aber ihre Nächte waren von schrecklichen Träumen erfüllt.
Der Vater, der keinen Ausweg sah, nahm seine Medizinpfeile und ging fort um Rat beim großen Geist zu suchen.
Ruhig saß er auf einem offenen, mit Präriegras bewachsenem Feld, rauchte dabei und lauschte dem Flüstern des Windes.
"Ich kann Dir helfen", hört er. "Wer spricht zu mir?", fragte der Vater.
Als er sich umsah, bemerkte er eine große Spinne, die auf einem Grashalm saß.
"Ich bin es, die Dich gerufen hat. Ich habe eine Antwort auf Deine Gebete.
Ich will Dich meine Medizin lehren. Die Verwirrungen in Deinem Leben kommen nicht aus Dir selbst.
Es gibt Geister um Dich herum, die nicht in Harmonie leben und die möchten, dass Du leidest. Es sind böse Geister, dem Chaos entstammend,
die Dich während Deines Schlafes heimsuchen."
Während die Spinne dem Vater dies sagte, war sie geschäftig, zog zwei Grashalme zueinander und band sie mit Spinnwebfäden zusammen.
"Du musst mir jetzt bestimmte Dinge bringen, damit ich Dir helfen kann", sagte sie.
Der Vater ging fort und brachte, als er zurückkam, die Dinge mit, die die Spinne erbeten hatte.
Zuerst legte er die Adlerfeder in das Gewebe.
"Diese Feder bedeutet "die Luft und die Geister in der Lüfte", sagte die Spinne.
"Als nächstes soll der Stein in das Gewebe gebracht werden, dieser Stein bedeutet den "Geist der Erde".
Dann lege die Muschel in das Gewebe, diese Muschel bedeutet den "Geist des Meeres".
Zum Schluss lege die Perlenschnur in das Gewebe. Diese Perlen wurden im Feuer gebildet und bedeuten die "Geister des Feuers".
Nun nimm diesen Fänger der Träume, der die Kräfte von Erde, Wind, Feuer und Wasser in sich trägt.
Hänge ihn über Dein Bett und Du wirst gut ruhen.
Weil friedliche Geister sich in einer geraden Linie fortbewegen, werden sie in den Träumen zu Dir kommen können.
Aber die chaotischen und bösen Geister können auf gerader Linie nicht voran kommen und werden in dem Gewebe eingefangen,
wo sie festgehalten werden, bis die Strahlen der Sonne sie verbrennen."
Der erste Traumfänger
Die bekannteste indianische Legende lautet:
Vor langer Zeit, als die Welt noch jung war, begab sich ein alter Schamane der Lakota-Indianer auf einen hohen Berg.
Dort hatte er eine Vision. In seiner Vision erschien ihm Iktomi, der große Magier und Lehrer der Weisheit, in der Gestalt von Großmutter Spinne.
Iktomi sprach zu den Ältesten in einer Sprache, die nur der Schamane verstehen konnte.
Während er sprach, nahm Großmutter Spinne einen alten Weidenreifen, der mit Federn besetzt war, einige Pferdehaare, Perlen und Opfergaben,
und begann, ein Netz zu weben.
Sie sprach zu dem Schamanen über die Lebenszyklen;
darüber, wie wir unser Leben als Säugling beginnen und uns weiter bewegen zur Kindheit und dann zum Erwachsenenalter.
Schließlich erreichen wir das Alter, wo für uns gesorgt wird und wo wir letztendlich den Zyklus vollenden und zurück kehren zu unseren Ahnen.
"Aber", sagte dann Großmutter Spinne, während sie fortfuhr ihr Netz zu weben.
"In unserer Lebenszeit begegnen uns Kräfte, einige gute und einige schlechte. Wenn Du den guten Kräften zuhörst, werden sie Dich lenken.
Schenkst Du aber den schlechten Kräften Aufmerksamkeit, werden sie Dich fehlleiten, vielleicht sogar verletzten."
Die ganze Zeit, während Großmutter Spinne sprach, fuhr sie fort, ihr Netz zu weben, von der Außenseite beginnend zur Mitte hin.
Als sie ihre Erläuterungen beendet hatte, gab sie dem Schamanen das Netz und sagte:
"Schau, das Netz ist ein vollkommener Kreis, aber da ist ein Loch in der Mitte.
Benutze das Netz, um Dir und Deinem Stamm zu helfen, eure Ziele zu erreichen, und nutze die Ideen in sinnvoller Weise.
Wenn Du an den großen Geist glaubst, wird das Netz Deine für Dich wertvollen Visionen und Träume einfangen, während die,
die Dir schaden, durch das Loch in der Mitte verschwinden können."
Schamanen gaben diese Version an das Volk weiter und von nun an gebrauchten die Lakota-Indianer den Traumfänger als Netz des Lebens.
Ursprünglich wurden sie aus Zweigen, Büffelsehnen und anderen Naturmaterialien, die eine bestimmte Symbolkraft besaßen, hergestellt.
Großväter bzw. Großmütter fertigten sie bei der Geburt eines Kindes an.
Der Traumfänger sollte den Heranwachsenden während seiner Nachtruhe beschützen.
Quelle: entnommen aus dem Buch "Traumsymbole von A-Z"
Das sind wunderschönen Sagen und Legenden wie ich finde.
Was habt ihr für Erfahrungen mit Traumfängern gemacht?
Liebe Grüße, Vision...

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