Der Mensch gewöhnt sich an alles - Oder doch nicht ?

Forum: Philosophische Psychologie


Wie funktioniert die Psyche des Menschen? Was bestimmt unser Verhalten und unsere Handlungen?




Der Mensch gewöhnt sich an alles - Oder doch nicht ?

Beitragvon Svart-Vinter » 7. Dez 2008 - 11:58


Der Mensch gewöhnt sich an alles, etwa weil er ein Gewohnheitstier ist wie man immer so schön sagt?

Aber warum ist das so, oder ist es doch nicht so? Ich möchte damit gerne zwei Beispiele anführen.

Zum einen ist da die Mutter, die ständig säuft, die ihre Kinder verprügelt, aber die Kinder lieben sie trotzdem.
Würde man versuchen ihr die Kinder weg zu nehmen, dann würden die Kinder vermutlich gar nicht wollen,
auch wenn es ihnen bei ihrer Mutter nicht gut geht.

Meine Mutter jedenfalls sagt immer: "Eltern können noch so schlecht sein, ihre Kinder lieben die Eltern trotz alle dem."

Zum anderen ist es in den 5 Phasen des Sterbens nach E. Kübler-Ross, die 5. Phase der Akzeptanz dem eigenen nahenden Tod gegenüber.
Hier hat man natürlich keine Wahl, man muss es so hinnehmen,
aber in Situationen wo man die Wahl hätte, einen anderen (besseren) Zustand zu wählen,
entscheiden sich viele Menschen, alles so zu belassen wie es ist.

Warum kann der Mensch sich an die extremsten Gegebenheiten gewöhnen,
auch wenn es manchmal andere Möglichkeiten gäbe als die Hinnahme des schlechten Zustandes?


Viele Grüße.
...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben...
Svart-Vinter

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Re: Der Mensch gewöhnt sich an alles - Oder doch nicht ?

Beitragvon Tristesse » 7. Dez 2008 - 22:06


Sao hat geschrieben:Der Mensch gewöhnt sich an alles, etwa weil er ein Gewohnheitstier ist wie man immer so schön sagt?



Der Mensch ist auch nichts anderes wie ein Tier, dass sich seiner Umgebung anpasst. Die Wahl ist es sich an die Umgebung anzupassen oder zu sterben, so wie es bei den Tieren auch ist. Dies erstmal im Allgemeinen, jedoch besteht schon noch ein Unterschied zum Tier, denn der Mensch ist im gewissen Grade dazu fähig selbstständig Entscheidungen zu treffen.
Meist sind es dennoch Hindernisse, die einen von der richtigen Entscheidung abhalten.
So ist es z.B. doch oftmals so, dass eine Frau, die von ihrem Mann misshandelt wird, bei ihm bleibt und sich nicht lösen kann/will. Jedoch denke ich meist aus existenziellen Gründen. So wissen doch viele Frauen nicht, wie es danach weitergehen soll und ergeben sich meist der Situation und gewöhnen sich in diesem Sinne dann daran, bzw, verdrängen es und würde es sogar abstreiten, dass ihr Mann sie schlägt.

Sao hat geschrieben:
Zum einen ist da die Mutter, die ständig säuft, die ihre Kinder verprügelt, aber die Kinder lieben sie trotzdem.
Würde man versuchen ihr die Kinder weg zu nehmen, dann würden die Kinder vermutlich gar nicht wollen,
auch wenn es ihnen bei ihrer Mutter nicht gut geht.

Meine Mutter jedenfalls sagt immer: "Eltern können noch so schlecht sein, ihre Kinder lieben die Eltern trotz alle dem."



Ich finde dein Beispiel nicht wirklich angebracht, bzw. man kann diese Beispiel nicht verallgemeinern.
Es gibt sehr viele Kinder, die in jungen Jahren schon abhauen. Teilweise erst 10 Jahre alt.
Meist sind die Kinder auch noch zu klein um sich der Situation wirklich bewusst zu werden, oder kennen gar nichts anderes als diese Art von Behandlun und stufen diese dadurch als "Normal" ein. Was bei einigen Kindern dazu führen kann, dass sie die Rolle der Mutter im späteren Leben "übernehmen". Dennoch kann sich auch ein Kind diesem "Leben" entziehen.
Ich denke eher das Sehnen nach einer Mutter und dem Gefühl ist es, was die Kinder an diese Person bindet, auch wenn diese schlecht behandelt werden. Würde jedoch eine Mutterfigur im üblichen Bild, was einer Mutter entsprechen sollte, diese Rolle übernehmen, würde sich dieses Kind schnell von der eigentlichen "Erzeugerin" lösen.
Ich denke dieser Kind-Mutter-Instinkt ist schon von vornherein in einem Menschen veranktert und kann durch diverser Einflüsse so verändert werden, dass die Liebe entschwindet, die eigentlich zwischen Mutter und Kind herrschen sollte.
Da aber eine Mutter oder auch Vater in junden Jahren oftmals das einzige Bindungsglied eines Kindes ist, kann sich ein Kind sehr schwer davon lösen. Ich denke, dass hat überhaupt nicht soviel mit Gewohnheit zu tun. Denn ein Kind kannte vorher nichts anderes.

Ich muss deine Mutter da leider widersprechen: Ich verachte meine Mutter und habe seit 12 Jahren keinen Kontakt mehr mit ihr und möchte ihn auch nicht. Aber dennoch muss ich zugeben, dass ich mich oftmals nach dem, was eine Mutter darstellt, sehne.

Aber ich finde, der Fall in Österreich, mit diesem Mädchen, welches jahrelang von ihrem Peiniger eingesperrt wurde und nun sogar das Haus von ihm gekauft hat , wäre ein gutes Beispiel. Sicher ist dies auch Gewohnheit bei diesem Mädchen gewesen, aber ich denke vielmehr, dass diese Mädchen eine Art Beziehung aufgebaut hat, dieser "Peiniger" wurde zu ihrem Bindungsglied, da sie keinen anderen Menschen sonst um sich hatte.

Ich denke, das meist existenzielle Gründe in der Bindung von Gewohnheiten liegen. Und zum grösstenteil auch die Angst vor dem Ungewissen. Was passiert wenn ich meinen Job aufgebe, obwohl ich gemobbt werde? zum Beispiel.

Im Grunde will man doch mit Gewohnheiten seine Existenz schützen, da man Angst vor dem Ungewissen und vor den Veränderungen im Leben hat.
.unausprechbar ist und namenlos, was meiner Seele Qual und Süße macht und auch noch der Hunger meiner Eingeweide ist.
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Der Mensch gewöhnt sich an alles - Oder doch nicht ?

Beitragvon Nibiru » 13. Feb 2009 - 22:27


Ich finde nicht das der Mensch ein gewohnheitstier ist. Jeder Mensch ist individuell, und es hängt auch sehr von den Einflüssen ab, aber ich weiss, aus eigen Erfahrung, dass man sich an manche Dinge nie gewöhnen kann.

Tiere passen sich ihrer umgebung an, weil das nötig ist zum überleben, aber der Mensch der auf einer höheren Bewusstseinsstufe steht, hat noch einen stärkeren Psychischen Aspekt. Ich finde man sollte niemand zur gewöhnung zwingen.
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