Früher war es in den Nervenheilanstalten eine übliche Methode, durch Schlafentzug eine Depression zu heilen.
Mittlerweile ist es eine weit verbreitete Methode unter Bewachung von Pflegepersonal, den Schlaf zu entziehen.
Hier in Deutschland ist die Methode noch nicht so anerkannt wie z.B. in Amerika.
Wenn eine Depression bereits weit fortgeschritten ist, leidet auch der Schlaf erheblich, was wiederum zur Folge hat, das sich die Depression nochmals verstärkt, es ist ein Teufelskreis.
Ich würde gerne wissen, ob es hier Benutzer gibt, die sich selbst therapiert haben mit der Methode? Was hat sich dadurch bei Euch geändert?
Meine Wenigkeit hat diese Methode bereits 2 x sehr erfolgreich an sich selbst getestet, leider wurden die vorhandenen Schlafstörungen dadurch nicht unbedingt besser, dafür aber die depressiven Verstimmungen.
Die Schlafstörungen an sich beeinflusst es natürlich auch günstig, aber nicht zufriedenstellend.
Ich habe es allerdings ca. 3 Wochen durchgezogen und nicht wie in der Psychiatrie, nur für ein paar Tage.
Dort spricht man von Schlafphasenverlagerung, nach 1-2 Nächten wird dem Patienten der Schlaf für eine ganze Nacht entzogen und am Folgetag geht der Patient bereits 17 Uhr schlafen.
Am Tag darauf geht er 18 Uhr schlafen, den Tag danach 19 Uhr und immer so weiter, bis er wieder bei seiner herkömmlichen Schlafenszeit angekommen ist, das ist bei vielen so gegen 23 Uhr.
Ich finde, dass alles ist viel zu kompliziert und für einen Menschen, der nicht in der Psychiatrie seine Freizeit verbringt, auch gar nicht machbar (Arbeit, Familie etc.).
Um meine depressiven Verstimmungen zu heilen, habe ich mir konsequent über 3 Wochen den Schlaf entzogen, indem ich einfach viel später ins Bett gegangen bin als sonst, meistens nach 24 Uhr.
Wenn ich nach 24 Uhr schlafen gehe, dann ist mein Schlaf für mich erholsamer, da ich nicht so oft aufwache bis ich dann um 05.30 Uhr eh aufstehen muss.
An den Wochenenden habe ich das alles nochmal intensiviert und ging erst zwischen 1 und 3 Uhr schlafen bis ich irgendwann an einem Wochenende meinen Schlaf gänzlich entzog und erst morgens gegen 8 Uhr schlafen ging für ein paar Stunden.
Man ist zwar danach etwas verwirrt, aber es hilft.
Nach diesen Wochen versucht man sich dann ganz langsam wieder an die normalen Schlafenszeiten zu gewöhnen, bzw. ist es ungefähr so als wäre man neu geboren und man kann sich selbst nochmal ganz neu "programmieren".
Ich war ja schon immer der Meinung, dass man sich gut selbst heilen kann und Not macht erfinderisch.
Bevor ich diese Methode an mir selbst angewandt habe, hatte ich noch nie etwas von der Existenz dieser Methode gehört.
Aber jeder depressive Mensch weiß, dass man gegen Abend hin aktiver ist und die depressiven Symptome gegen Abend nachlassen, bevor sie kurz vor oder nach dem morgendlichen Erwachen wieder mit voller Wucht zuschlagen.
Durch dieses aktiv sein kommt man natürlich auch nicht zum schlafen, da man es ausnutzt und in den hellen Phasen all das macht, was tagsüber oder wochenlang liegen geblieben ist.
Dadurch verlängert sich das Wach sein jeden Abend und unbemerkt heilt sich der Körper selber.
Um die Methode erfolgreich anwenden zu können, benötigt es aber auch einen strukturierten Tagesablauf, wie das Arbeiten gehen, wo man gezwungen ist, früh morgens aufzustehen, auch wenn man fast die ganze Nacht wach war.
Ich kann den Schlafentzug bei Depressionen nur wärmstens empfehlen, wenn Ihr z.B. Medikamenten gegenüber abgeneigt seid.
Es hilft natürlich nicht dauerhaft, aber man kann genau wie zu Tabletten, immer wieder darauf zurück greifen, meistens mit Erfolg.
Man kann selber in die Hirnchemie eingreifen, es benötigt nicht immer gleich die chemische Keule.
Viele Grüße.

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