Depressionen durch Schlafentzug heilen

Forum: Schlafstörungen - Schlafforschung


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Depressionen durch Schlafentzug heilen

Beitragvon Svart-Vinter » 30. Mai 2010 - 08:46


Früher war es in den Nervenheilanstalten eine übliche Methode, durch Schlafentzug eine Depression zu heilen.

Mittlerweile ist es eine weit verbreitete Methode unter Bewachung von Pflegepersonal, den Schlaf zu entziehen.
Hier in Deutschland ist die Methode noch nicht so anerkannt wie z.B. in Amerika.
Wenn eine Depression bereits weit fortgeschritten ist, leidet auch der Schlaf erheblich, was wiederum zur Folge hat, das sich die Depression nochmals verstärkt, es ist ein Teufelskreis.

Ich würde gerne wissen, ob es hier Benutzer gibt, die sich selbst therapiert haben mit der Methode? Was hat sich dadurch bei Euch geändert?

Meine Wenigkeit hat diese Methode bereits 2 x sehr erfolgreich an sich selbst getestet, leider wurden die vorhandenen Schlafstörungen dadurch nicht unbedingt besser, dafür aber die depressiven Verstimmungen.
Die Schlafstörungen an sich beeinflusst es natürlich auch günstig, aber nicht zufriedenstellend.
Ich habe es allerdings ca. 3 Wochen durchgezogen und nicht wie in der Psychiatrie, nur für ein paar Tage.
Dort spricht man von Schlafphasenverlagerung, nach 1-2 Nächten wird dem Patienten der Schlaf für eine ganze Nacht entzogen und am Folgetag geht der Patient bereits 17 Uhr schlafen.
Am Tag darauf geht er 18 Uhr schlafen, den Tag danach 19 Uhr und immer so weiter, bis er wieder bei seiner herkömmlichen Schlafenszeit angekommen ist, das ist bei vielen so gegen 23 Uhr.

Ich finde, dass alles ist viel zu kompliziert und für einen Menschen, der nicht in der Psychiatrie seine Freizeit verbringt, auch gar nicht machbar (Arbeit, Familie etc.).
Um meine depressiven Verstimmungen zu heilen, habe ich mir konsequent über 3 Wochen den Schlaf entzogen, indem ich einfach viel später ins Bett gegangen bin als sonst, meistens nach 24 Uhr.
Wenn ich nach 24 Uhr schlafen gehe, dann ist mein Schlaf für mich erholsamer, da ich nicht so oft aufwache bis ich dann um 05.30 Uhr eh aufstehen muss.
An den Wochenenden habe ich das alles nochmal intensiviert und ging erst zwischen 1 und 3 Uhr schlafen bis ich irgendwann an einem Wochenende meinen Schlaf gänzlich entzog und erst morgens gegen 8 Uhr schlafen ging für ein paar Stunden.
Man ist zwar danach etwas verwirrt, aber es hilft.

Nach diesen Wochen versucht man sich dann ganz langsam wieder an die normalen Schlafenszeiten zu gewöhnen, bzw. ist es ungefähr so als wäre man neu geboren und man kann sich selbst nochmal ganz neu "programmieren".
Ich war ja schon immer der Meinung, dass man sich gut selbst heilen kann und Not macht erfinderisch.
Bevor ich diese Methode an mir selbst angewandt habe, hatte ich noch nie etwas von der Existenz dieser Methode gehört.
Aber jeder depressive Mensch weiß, dass man gegen Abend hin aktiver ist und die depressiven Symptome gegen Abend nachlassen, bevor sie kurz vor oder nach dem morgendlichen Erwachen wieder mit voller Wucht zuschlagen.

Durch dieses aktiv sein kommt man natürlich auch nicht zum schlafen, da man es ausnutzt und in den hellen Phasen all das macht, was tagsüber oder wochenlang liegen geblieben ist.
Dadurch verlängert sich das Wach sein jeden Abend und unbemerkt heilt sich der Körper selber.
Um die Methode erfolgreich anwenden zu können, benötigt es aber auch einen strukturierten Tagesablauf, wie das Arbeiten gehen, wo man gezwungen ist, früh morgens aufzustehen, auch wenn man fast die ganze Nacht wach war.

Ich kann den Schlafentzug bei Depressionen nur wärmstens empfehlen, wenn Ihr z.B. Medikamenten gegenüber abgeneigt seid.
Es hilft natürlich nicht dauerhaft, aber man kann genau wie zu Tabletten, immer wieder darauf zurück greifen, meistens mit Erfolg.
Man kann selber in die Hirnchemie eingreifen, es benötigt nicht immer gleich die chemische Keule.


Viele Grüße.
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Re: Depressionen durch Schlafentzug heilen

Beitragvon Mike » 1. Jun 2010 - 12:52


Hm... ist mir jetzt ehrlich gesagt auch neu. Hab noch nie von dieser Methode gehört. Aber sie liest sich recht interessant, und ich hab dieses Schlafentzug-Experiment in nem anderen Zusammenhang schon Mal erwogen... bin aber bisher noch nicht wirklich dazu gekommen, das durchzuführen. Vielleicht wenn ich das nächste Mal Urlaub habe.
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
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Re: Depressionen durch Schlafentzug heilen

Beitragvon Svart-Vinter » 1. Jun 2010 - 16:31


Also ich sag mal so, auf den nächsten Urlaub muss man damit nicht unbedingt warten, da es relativ unkompliziert funktioniert ohne großartige Beeinträchtigungen im Alltag.
Theoretisch könnte man das auch innerhalb von 3 Tagen schaffen.

Man muss für sich den richtigen Weg finden.


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Re: Depressionen durch Schlafentzug heilen

Beitragvon Minyatur » 9. Jun 2010 - 20:38


Guten Abend

Da ich Schlafprobleme habe aufgrund von vielerlei Ursachen, Psyche sprich Unruhe, des nervige Umfeld und zuviel zeit generell, ist mir das Problem aber nicht die erwähnte Methode bekannt.

Hmm.....nur meine Frage ist, lässt sich solch ein gezieltes Schlafentzugsprogramm überhaupt durchführen wenn man nebenbei noch mit einer Essstörung zu kämpfen hat?
Dies beeinträchtigt eh schon die Agilität , man fühlt sich schlappt und unwohl.
Und zum Zweiten, da des Umfeld hier recht laut ist und ich nicht vor dem Jahresende auf einen Umzug hoffen darf, ists hier genrell recht laut. Da man vermutlich fit sein sollte bei einer solchen Methode und nicht gestresst ist vom Drumherum, gibts da vielleicht einen Mittelweg?

Danke fürs lesen :)
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Re: Depressionen durch Schlafentzug heilen

Beitragvon Svart-Vinter » 9. Jun 2010 - 21:03


Bist Du wegen einem dieser Probleme in Behandlung?

Es dürfte absolut kein Problem darstellen, wenn Du an anderen Störungen leidest und selbst einen Schlafentzug durchführst.

Viele Heilpraktiker sagen zwar immer, dass man den Menschen als Gesamtheit betrachten sollte, genau wie seine Probleme, aber ich denke, dass Du hier speziell bei der Behandlung schon trennen solltest.
Denn die Behandlung einer Depression ist schon eine andere als die Behandlung der Ess- oder Schlafstörung.

Lass es auf einen Versuch ankommen, es kann nichts schief gehen, Du schmeißt Dir ja dafür keine Medikamente ein.
Aber ich möchte nochmal darauf hinweisen, dass es nicht bei jedem funktioniert und oft auch nicht dauerhaft eine Erleichterung verspricht.

Die Depression muss natürlich noch anderweitig behandelt werden als nur mit Schlafentzug.


Viele Grüße.
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Re: Depressionen durch Schlafentzug heilen

Beitragvon Minyatur » 9. Jun 2010 - 22:24


guten abend

und danke für die zeilen

ja ich habe nach einer recht lange wartezeit eine behandlung begonnen....sind erst ein paar sitzungen gewesen
dazu kann ich nicht viel bisher berichten....aber erstmal abwarten...dabei sollte man ja keine hektik walten lassen.

Wegen den Wachbleiben....des sollte ich am besten angehen wenn ich einen nicht allzu hektischen Tag hatte.
Ansonsten könnte des schwierig werden....von wegen ohne koffein als beispiel wach zu bleiben.
Aufgrund der Hellhörigkeit hier inden Räumen muss ich abundzu Ohrenstöpsel tragen^^.


Wochenende wäre vorteilhaft ...da ist des Umfeld meistens ruhig, da versuch ich dies mal.
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Re: Depressionen durch Schlafentzug heilen

Beitragvon Svart-Vinter » 9. Jun 2010 - 22:43


Minyatur hat geschrieben:Ansonsten könnte des schwierig werden....von wegen ohne koffein als beispiel wach zu bleiben.


Das lässt mich vermuten, dass Du keine manischen Phasen hat, also keine bipolare Störung?

Denn die manischen Phasen zeichnen sich durch erhöhte Aktivität aus und das könnte man nutzen um den Schlafentzug durch zu ziehen.
Frag' doch einfach mal Deinen Psychotherapeuten, was er von Schlafentzug hält, wenn ihr an diesem Punkt angekommen seid.
Wenn während der Sitzung keine Zeit für diese Frage da ist, dann frage ihn kurz nach der Sitzung nach seiner persönlichen Meinung, ich denke, die Frage kann er Dir nicht aufgrund von Zeitmangel abschlagen, eine kurze und knappe Antwort reicht ja auch und vielleicht geht er sogar etwas umfangreicher darauf ein.

Würde mich auch mal interessieren, wie das Psychotherapeuten sehen...

Ich denke aber, dass Du Dir vor dem Experiment nicht all zu viele Gedanken machen solltest, ob Du fit oder nicht fit bist.

Einfach machen lautet hier die (meine) Devise.

Es wäre natürlich toll, wenn Du da noch vor Ende des Jahres raus kommst, wenn Du sagst, dass es unerträglich laut im Haus ist.


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Re: Depressionen durch Schlafentzug heilen

Beitragvon Minyatur » 9. Jun 2010 - 22:54


Hallo

Also wegen der abwechselnden Phasen.
hmhm....würde ich auch von mir nicht behaupten.....eher des Gegenteil, was aber auch nicht sehr hilfreich ist um zur Ruhe zu kommen.

Aber gute Idee wegen dem Nachfragen beim Doc. Werde ich mal tun.
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Re: Depressionen durch Schlafentzug heilen

Beitragvon UltiDest » 16. Feb 2012 - 16:17


Hallo Svart-Vinter,

ich habe bereits vorher von der "Schlafentzugsmethode" gehört und habe sie auch selbst angewandt. Zum ersten Mal las ich zumindest Ratschläge für einen besseren Tag-Nacht-Rhytmus, da ein schlechter Rhytmus Depressionen fördern kann und man somit sich besser einen guten Rhytmus anschaffen sollte. Danach las ich auf einigen Internetseiten ähnliche Erklärungen und teilweise auch von der Schlafentzugsmethode gezielt gegen Depressionen. In einem Buch und ein oder zwei Zeitschriften las ich auch davon.

Zuerst einmal eine kleine Veranschaulichung meiner "Lage":
Neben meiner chronischen Depression habe ich Schlafstörungen, welche mich sehr schlecht einschlafen lassen. Das führt dazu das ich generell erst gegen 4 Uhr morgends einschlafe und ich um 6:30 eigentlich schon wieder aufstehen müsste. Selbst, wenn ich es für mehrere Wochen durchzog trotzdem aufzustehen und mein Ding durch zu ziehen, konnte ich nicht früher einschlafen. Selbst andere Einschlafhilfen wie Lesen, Baden, Rituale, PMR, Atemübungen, Traumreisen, Hörbücher, Tee und Trimipramin konnten dazu wenig beisteuern. Auch die "Methoden" des früher zu Bett gehens und sich auszupowern halfen nicht. Ich habe auch schon teilweise mindestens einen Tag komplett durchgemacht um wenigstens um 6:30 wach zu sein und trotz der "angehäuften" Müdigkeit lag ich nachts hellwach im Bett.
Wie du sagtest, verschlimmert die Müdigkeit die depressiven Verstimmungen und führen in einen Teufelskreis.

Als ich das meiner Psychiaterin erzählte schlug sie mir vor, dass ich einfach 1 oder 2 Tage durchmachen sollte und mich dann zu einer gewünschten Einschlafzeit zu Bett legen sollte. Das habe ich in der Form einige Male und auch mehrere Tage am Stück ausprobiert (Auch mit und ohne Trimipramin und Sertralin in und ohne Kombination) und konnte keine Verbesserungen bezüglich meiner Stimmung, Laune, meines Empfindes oder des Schlafverhaltens feststellen.
Das Einzige, was mir ansatzweise helfen konnte war bisher 1 Woche halbwegs auszuschlafen und alleine zu sein.
Doch kurz danach fängt es wieder von vorne an.

Hoffe es kann jemandem in seinem Wissen bereichern. :roll:
UltiDest

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Re: Depressionen durch Schlafentzug heilen

Beitragvon Svart-Vinter » 16. Feb 2012 - 18:20


Hallo :-)

Das es nicht jedem hilft ist klar. Und generell wird ja geraten, sich erst schlafen zu legen, wenn man wirklich müde ist.
Außerdem muss man noch anderweitig versuchen, seine Probleme in den Griff zu bekommen, aber bei leichten Depression kann der Schlafentzug durchaus zu einer Verbesserung beitragen, muss aber nicht.

Vermutlich muss man solchen alternativen Methoden auch offen eingestellt sein, sonst bringt es nichts.


Gruß.
...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben...
Svart-Vinter

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