Depersonalisation - Das Entfremdungsgefühl

Forum: Psychopathologie - Psychische Störungen


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Depersonalisation - Das Entfremdungsgefühl

Beitragvon Svart-Vinter » 11. Jan 2008 - 08:07


Im speziellen Sinne versteht man unter Depersonalisation eine bestimmte Form von psychischer Störung, bei der die Betroffenen:

- ihre eigene Person (d.h. ihren Körper, ihre Persönlichkeit, ihre Wahrnehmung, ihre Erinnerung, ihr Denken, Fühlen, Sprechen oder Handeln) und / oder
- Personen und Objekte innerhalb ihrer Umwelt als verändert, fremd, nicht zu-sich-gehörig, leblos, fern oder unwirklich erleben.
Entfremdungserlebnisse gegenüber der Umwelt werden auch als Derealisation bezeichnet.

Es ist eine Störung des neurotischen Formenkreises.


Zu den Symptomen gehören:

- Emotionale Taubheit -

Betroffene klagen, dass sie nichts fühlen oder dass ihre Gefühle "flach" oder unwirklich sind.
Ihre Wahrnehmung von Personen oder Objekten "lässt sie oft kalt", d.h. das Beobachten eines Sonnenuntergangs,
die Wahrnehmung von Schmerz oder das Berühren ihres Partners löst keine Emotionen aus.


- Veränderung des Körpererlebens -

Der eigene Körper oder Teile des Körpers werden als verändert (leichter/schwerer, größer/kleiner), als leblos oder als nicht zu-sich-gehörig empfunden.
Das eigene Spiegelbild oder die eigene Stimme können fremd wirken.
Manche Betroffene haben das Gefühl, nur "ein Kopf ohne Körper" oder nur "Augen ohne Körper" zu sein.


- Veränderung der visuellen Wahrnehmung -

Viele Betroffene haben das Gefühl, "neben sich zu stehen", so, als würden sie ihre Umwelt aus einer veränderten Perspektive
(von weit weg, von außerhalb ihres Körpers, durch eine Kamera oder wie auf einer Filmleinwand etc.) sehen.


- Gefühl der Automaten- oder Roboterhaftigkeit der eigenen Bewegungen oder mentalen Prozesse -

Bewegungen können zwar problemlos willentlich und kontrolliert ausgeführt werden,
doch die Betroffenen empfinden oft keine Zugehörigkeit einer bewusst ausgeführten Bewegungen zu einem eigenen willentlichen Entschluss,
diese Bewegung auszuführen.
Sie haben z.B. nicht das Gefühl, ihre Hand zu bewegen, sondern empfinden, dass die Hand - wie ferngesteuert - "sich bewegt".


- Veränderung von Gedächtnisprozessen -

Erinnerungen können als blass, undeutlich oder fern wahrgenommen werden:
ein nur wenige Stunden zurückliegendes Ereignis kann in der Erinnerung so empfunden werden, als läge es schon Jahre zurück.
In traumatisierenden und extremen Stress-Situationen kann das Bewusstsein so weit eingeengt sein,
dass das Erlebte im Gedächtnis nur fragmentarisch und zusammenhangslos abgespeichert wird.
Dies kann dazu führen, dass Betroffene solche Erlebnisse später nicht verbal schildern können.

Darüber hinaus können seltener auch die auditive oder taktile Wahrnehmung, das Geschmacksempfinden oder die Zeitwahrnehmung gestört sein.
Weiterhin können Gefühle von "Gedankenleere" bestehen, die Unfähigkeit, sich visuell oder auditiv etwas vorzustellen, oder eine erhöhte Selbstbeobachtung.

Die Dauer der Entfremdungserlebnisse kann von einigen Sekunden bis hin zu mehreren Stunden oder Tagen reichen.

Depersonalisationserfahrungen treten auch bei Gesunden auf, z. B. bei großer Müdigkeit, nach stressauslösenden oder lebensbedrohlichen Situationen,
während spiritueller Erfahrungen (Meditation, Trance) oder unter dem Einfluss halluzinogener Drogen.

Quelle: Klick


Hier noch eine interessante Seite zum Thema:

- http://www.depersonalisation.de.vu/ -


Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das diese Störung nicht krankhaft sein muss, aber kann.

Ich hatte diese Störung beispielsweise, wenn ich mir den Schlaf selbst entzogen habe und total übermüdet war oder nach durchzechten Nächten und Wochen.
Man kann sich durch diese Störung selber in gefährliche Situationen bringen, wenn man auf einmal nicht mehr weiß, was man tut oder gerade getan hat.

Das ist meiner Meinung nach zu vergleichen mit einem BlackOut.

Ich hatte mal mit einer Freundin mehrere Nächte durch gemacht und irgendwann meinte ich zu ihr,
das ich mich mal kurz hinlege und ab da ist alles nur noch sehr wage in Erinnerung.

Laut Aussagen meiner Freundin bin ich sofort wieder aufgestanden nachdem ich mich hingelegt habe.
Ich bin vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer gegangen und habe dort gesagt, das da noch jemand ist im Raum, dann bin ich zurück gegangen,
habe mich vor meine Freundin gestellt und wie durch sie durch geguckt.
Das hatte ihr wohl ziemliche Angst gemacht, da mein Blick so leer war. Dann habe ich mich wieder hingelegt.

Ja und ab da habe ich auch wieder die richtige Erinnerung.
Ich bin aufgesprungen und fragte wie spät es ist und wie lange ich geschlafen habe und sie sagte zu mir, das ich gar nicht geschlafen habe.
Sie sagte das ungefähr erst 20 Minuten vergangen waren und dann hatte sie mir erzählt, was da eben passiert war.

Ich konnte mich daran nicht richtig erinnern, ich hatte zwar teilweise Bilder im Gedächtnis, aber sie waren weit weg und nicht in Worte zu fassen.
Deswegen war ich richtig geknickt als sie mir erzählte wie ich mich verhalten habe.


Liebe Grüße.
Svart-Vinter

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Depersonalisation - Das Entfremdungsgefühl

Beitragvon Lucivar » 18. Feb 2009 - 14:42


Tag Sao :wink:


Was du da schilderst klingt fuer mich eher ein bisschen wie Schlafwandeln, besonders was den Blick betrifft. Schlafwandler koennen sich waehrend der Zeit, in der sie Wandeln (oder generell Handeln) nicht erinnern, aber ihre Augen sind geöffnet und der Blick ziellos und geht durch alles durch. Oft legen sich Schlafwandler von alleine wieder hin.

"Du magst Eis, du magst Eis, du liebst Eis, du kannst ohne Eis nicht leben, ohne Eis bist du hoffnungslos, deine Existenz ist sinnlos - ohne Eis. Ohne Eis bist du ein Scheiss."

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Depersonalisation - Das Entfremdungsgefühl

Beitragvon Haderlumpin » 18. Feb 2009 - 15:57


Äußerungen über Erlebnisse der Depersonalisation oder Derealisation bekomme ich desöfteren auf der Arbeit im Rehazentrum mit. Die Schilderungen sind teilweise sehr direkter Art, z.B. "Ich kann mich selbst/meinen Körper nicht mehr spüren." oder "Ich hab das Gefühl, der Boden unter meinen Füßen ist gar nicht da." Manchmal kann man auch nur indirekt darauf schließen, z.B. wenn jemand sich wiederholt nicht an Termine, Uhr/Tageszeit usw. erinnern kann oder nicht mehr auf seinen körperlichen Zustand achtet.

Bei diesen Menschen dürfte es zum einen an ihrem teilweise völlig vertauschten Tag/Nacht-Rythmus und Schlafmangel liegen. Zum anderen sind viele durch ihre Krankheit sehr stark auf sich und ihre Gedankenwelt zurückgeworfen. Zumindest erscheint es mir nachvollziehbar, dass man kaum einen Bezug mehr zu seinem Körper und/oder zu seiner Umwelt hat, wenn man ständig mit seinen Gedanken und gegebenenfalls mit Halluzinationen beschäftigt ist.

Sicherlich sind unsere Erfahrungen mit diesem Zustand weniger extrem, als die von chronisch psychisch Kranken. Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, dass Alkohol ein Auslöser für Depersonalisationserlebnisse sein kann. Blackouts, diese Unfähigkeit, sich zu erinnern. Das ist extrem beängstigend.
"Dass das Leben Höhen und Tiefen kennt, weiß auch der moderne Mensch, aber in seinen Augen kommt eigentlich nur den Höhen ein Recht auf Existenz zu, die Tiefen haben es verwirkt, ihnen droht die Höchststrafe der Moderne, die Abschaffung und Entsorgung." (Wilhelm Schmid)
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Re: Depersonalisation - Das Entfremdungsgefühl

Beitragvon Lucivar » 5. Sep 2009 - 22:02


Hmmm... Sao, ich glaub, ich brauch doch noch deine Meinung...

Seit einiger Zeit faellt es mir enorm schwer, mich im Spiegel zu erkennen. Ich hab jetzt neben meinen Monitor einen Spiegel gestellt. Und zwar nicht, weil ich mich ach so toll finde, sondern, um mich an mich zu gewoehnen. Meine Haende fallen mir auch schwer. Ich kann sie oft schwer zu mir zuordnen und sobald ich eine lockere Faust schließe und meinen Handruecken betrachte, kann ich es nicht mehr als Hand und erst recht nicht als MEINE Hand erkennen. Ich habe eine extrem verflachte Gefuehlsebene und ein seltsames Empfinden dabei, wenn ich ploetzlich feststelle, dass ich einen Koerper habe und dass ICH das bin, der da laeuft.
An Theorietagen gibt mir ein Lehrer zu verstehen, dass ich arg starre und als ich ein Logo fuer eine Firma vektorisiert habe, musste ich krampfhaft abbrechen und gehen. Außerdem umhuellt ein dauerhafter Nebel schwirrend mein Empfinden. Ich empfinde wenig, wenn jemand weinend vor mir steht, weiß aber, dass erwartet wird, dass ich troeste. Das ist jetzt mehrmals vorgekommen. Zwinge ich mich aber dazu, ENDLICH zu empfinden, falle ich in tiefe Depression.
Ich schau eigentlich nur zwei Mal am Tag in den Spiegel und zwar zum Zaehneputzen und da schau ich nur auf die Zaehne. Die sind tatsaechlich auch das Einzige, was ich mir zuordnen kann. Als ich mal Hoeher in die Augen geguckt habe, bin ich fast erschrocken, weil ich es nicht so in Erinnerung hatte. Ich wusste auch gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal in die Augen geguckt hatte. Ich fuehl mich oft wie ein Koerperloses Wesen, dass durch ein Gefaeß spricht. Wenn ich mir aber klarmachen moechte, dass dieses Gefaeß mein Koerper ist, an den ich gebunden bin, dann kann ich das kaum glauben und ich muss es mir krampfhaft beweisen. Ich habe eher das Gefuehl, dass ich den Koerper ablegen kann (z B im Bett) und dann gehen kann, bis ich wieder komme.

Das war nicht immer so, wird jetzt aber zunehmend staerker und haeufiger. Passt das in das Bild?
Auch, wenn mein Freund da ist, haelt die Verflachung an. Ich habe jetzt die Angewohnheit, Haare auszureißen, um mir zu zeigen, dass das mein Koerper ist, der fest und unzertrennbar mit mir verbunden ist. Manchmal druecke ich auf meinen Arm und stelle fest, dass er weich ist, dass innen ein Knochen ist. Das macht mich total baff.

Ich versteh das ehrlich gesagt auch alles nicht, moechte es aber auch nicht.

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Re: Depersonalisation - Das Entfremdungsgefühl

Beitragvon Svart-Vinter » 28. Sep 2009 - 20:43


Ich weiß auf jeden Fall, dass man das Gefühl zu seinem Körper verlieren kann,
aber das ist meistens entweder durch irgendwelche Substanzen ausgelöst (dann ist der Zustand nur vorübergehend)
oder es ist ein -über Jahre- schleichender Prozess.
Es kann gut sein, dass man sich in diesen meist ereignisreichen Jahren von der sozialen Welt zurück zieht
und dann verlernt man auch den Umgang mit anderen Menschen und vor allem auch den Umgang mit den Situationen, die sich im Alltag so ergeben.

Wenn man sich von sich selbst entfernt, ist das meistens ein unschönes Gefühl, finde ich.
Aber wenn die Beschreibung der Störung im ersten Beitrag eine ausführliche Version ist, dann kannst Du davon ausgehen,
dass Du zumindest speziell unter der Depersonalisation nicht leidest, da in dem Beitrag eigentlich von einer schnell vorübergehenden Störung die Rede ist
und nicht von einem Zustand, der länger als ein paar Tage dauert.

Wozu würdest Du denn Dein Problem eher einordnen?


Viele Grüße.
...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben...
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Re: Depersonalisation - Das Entfremdungsgefühl

Beitragvon Ategato » 5. Apr 2010 - 00:33


Ich lese zur Zeit ein Buch von Oliver Sacks (Neurologe), wo unter Anderem auch ein Fall einer jungen Frau auftaucht, die ihr Körper nicht mehr als "eigen" empfindet.

Sacks meint, dass die Empfindung des Körpers aus 3 Instanzen besteht: der visuellen Wahrnehmung, den Gleichgewichtsorganen (Vestibularapparat) und der Eigenwahrnehmung.
Die Eigenwahrnehmung wird von den propriozeptiven Nervenfasern im Rückenmark beeinflusst. Und diese waren dauerhaft bei der Frau geschädigt.


@ Sao
Könnte es sein, dass du schlafgewandelt hast? Mir ist da vor Jahren nämlich etwas ähnliches passiert; an dem Abend hatte ich zu tief ins Glas geguckt und ging kurz vor 1 Uhr ins Bett. Meine Schwester kam dann wohl ins Zimmer und meinte, ich solle leiser sein, damit sie schlafen kann. Das war nach ihrer Aussage in der Zeit, wo ich mich im Schlafzustand eingeschätzt hätte, so um ca. 2:30 Uhr.
Kann mir gut vorstellen, dass Rauschmittel sich auf die Eigenwahrnehmung auch im Schlaf auswirken und auch zu "Schlafwandel" führen kann.
Dies wäre aber - wie Du schon gesagt hast - nicht wirklich als krank zu bezeichnen.
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Re: Depersonalisation - Das Entfremdungsgefühl

Beitragvon Svart-Vinter » 5. Apr 2010 - 01:14


Ich bin mir nicht sicher, ob ich schlaf-gewandelt bin, aber vom Gefühl her, würde ich nein sagen.
Wenn es doch der Fall war, dann war das Erlebnis umso schlimmer,
da ich -mehr als weniger- unbewusste Handlungen verrichtet habe, das ist gefährlich.

Insgesamt würde ich Schlafwandeln als ebenso krasse Störung ansehen wie die Depersonalisation.
Diese Störungen treten im Erwachsenenalter meist auch nur in extremen Situationen auf,
von daher sind da bestimmt auch Parallelen zueinander.


Viele Grüße.
...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben...
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Re: Depersonalisation - Das Entfremdungsgefühl

Beitragvon Mike » 6. Apr 2010 - 16:36


Ich will jetzt nicht so weit gehen und das als Depersonalisation bezeichnen, aber ich hatte gestern im Zuge meiner momentanen Heilfastenphase auch ein Gefühl, als ob ich nicht ich selbst wäre. Als ob der Körper, den ich steuere, gar nicht mir gehört. Im ersten Moment dachte ich mir nur "Fix... klasse". Aber es war schon... ein beeindruckendes Gefühl finde ich.
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
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Re: Depersonalisation - Das Entfremdungsgefühl

Beitragvon Ategato » 7. Apr 2010 - 12:01


Schlafwandeln ist in dem Sinne krass, dass man im Schlafzustand geheime/unbewusste Dinge ausplaudert oder gefährliche Gedanken auslebt, die verdängt wurden (im Extremfall Mordlust). Bloß ist bei der Depersonalisation das ganze Leben im Wachzustand betroffen, wo doch die größere Arbeit getan und Dinge erlebt werden.

@ Mike
Was genau machst Du in dieser Heilfastenphase, wenn ich fragen darf?
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Re: Depersonalisation - Das Entfremdungsgefühl

Beitragvon Mike » 7. Apr 2010 - 16:56


Abhitlern und Fasten ^^

Naja, vom Fastenvorgang selbst abgesehen, diverse Meditations-übungen etc.
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