Blick hinter den Vorhang des Lebens

Forum: Philosophie - Eigene Ansichten


Philosophie ist der Versuch des Menschen mit dem Mittel des Denkens sein Dasein, die von ihm wahrgenommene äußere Welt und sein eigenes Inneres zu erklären.




Blick hinter den Vorhang des Lebens

Beitragvon Mike » 5. Nov 2008 - 14:53


Es gibt Situationen im Leben, einzelne kurze Augenblicke, in denen man sich wohlig warm in den Fluss der Zeit eingebettet fühlt. In diesen Momenten denkt man, man wäre eins mit dem Kosmos, man hat dieses gewisse Gefühl, dass man gerade einen wunderbaren Blick hinter den Vorhang des Lebens erhascht haben muss. Die Unzufriedenheit von zuvor ist wie weggeblasen und stattdessen breitet sich eine Zufriedenheit und ein inneres Gleichgewicht im Körper aus - als ob man auf einer Wellenlänge mit dem Leben schwingen würde.

Kennt ihr das Gefühl? Ich hab es ab und an, meistens verbunden mit einem Naturerlebnis. Das kann sein, wenn ich früh morgens zur Arbeit fahre und die Felder noch nebelbehangen sind, wobei der Nebel dicht über dem Boden schwebt und man sich fühlt, als würde man darüber hinweg fahren. Dazu vielleicht noch eine orange Sonne, die tief über dem Horizont hängt... und die richtige Musik aufgelegt. Es stellt sich bei Weitem nicht immer in so einer Situation ein, und die Auslöser sind willkürlich. Aber ich finde dieses Gefühl atemberaubend.
Es ist nicht nur ein "Och, schau dir dieses schöne Naturspektakel an". Es ist fast so, als ob alles um einen rum nicht mehr wichtig wäre. Dabei ist es egal, ob man allein im Wald oder mitten unter Menschen in einer Großstadt ist. Früher war ich oft in ner Stadt hier in der Gegend unterwegs und da war direkt neben dem Bahnhof ein kleiner Park... ich weiß noch, was dieser Ort damals für eine Anziehungskraft auf mich hatte, wenn nachts rundrum Autos brüllten und Züge schrien, man selbst aber bei einem kleinen Denkmal saß, abgeschirmt von Bäumen, und in sich selbst eine Ruhe verspürte, die all dem Lärm um einen rum trotzte. Leider hängen da mittlerweile nachts nur noch Junkies und Penner rum...
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
Mike

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Blick hinter den Vorhang des Lebens

Beitragvon Ategato » 5. Nov 2008 - 16:48


Ich denke, dass das Leben erst erlebt werden kann, wenn man von der ganzen Illusion namens Zivilisation und Sozialisation für einen Moment wegkommt.
Wir achten täglich auf alles, was passiert und unser Gehirn muss Wege finden, um auf diese zu reagieren. Da bleibt, meiner Vermutung nach, garkeine Zeit die Welt außerhalb der Pflichtenwelt, welche wir aufbauen, um für uns und andere korrekt zu sein, kennenzulernen.

Ich erlebe solche Momente, wie Du sie beschreibst eigentlich nur im Alleinsein.
Ein kleines Erlebnis meinerseits:

Schulschluss und spontan gehe ich nicht direkt und monoton nach Hause, sondern verspüre den Drang mal mich auf den Rasen zu legen. Auch wenn ich spontane Umänderungen nicht leiden kann, kam mir dieses Erlebniss sehr gut.
Anschließend sah ich die Natur an, die Bäume, die Erde... vor allem die Erde. Denn danach fasste ich den Boden an, welche so eine Mischung aus ganz kleinen Steinen und Sand war. Es war wirklich abgespaced mal die Erde zu fühlen und nein, man muss nicht psychisch gestört oder betrunken sein, um dies toll finden zu können :P

DAS finde ich real, alles andere würde ich (vielleicht ungeschickt ausgedrückt) eine unintensive Welt.
Alles Vergängliche ist eine Illusion.
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Beitragvon Svart-Vinter » 9. Nov 2008 - 17:59


Ich kann die Beschreibungen von Euch sehr gut nach vollziehen.

Ab und an erlebe ich auch diese hervorragenden Momente, manchmal erlebe ich sie voll und ganz mit
und manchmal ist es so als wäre ich nur ein Beobachter aus einer anderen Welt.

Das ist schwierig zu erklären...

In der Natur habe ich auch häufig solche Erlebnisse, ich liebe das Verbundenheitsgefühl zur Natur,
mir kommt es manchmal so vor als sei sie um einiges weiter als unser eins, sie erscheint mir weise und harmonisch,
sie hat ja schließlich auch schon viel gesehen und ertragen müssen.

Die Natur ist etwas, woran ich mich stundenlang kuscheln könnte.

Was mir eine absolute geistige Erektion verschafft ist, wenn der Frühling kommt (Achtung: Wortspiel :) )

Ich liebe es, wenn draußen alles zu leben beginnt und wieder grün wird, zwitschert und sich bewegt.
Die Natur scheint im Frühling wahrhaftig zu leben und sie lädt alle dazu ein, daran teil zu haben.

Dann beobachte ich sehr gerne Vögel, z.B. wie sie den ganzen Tag fliegen um Essen für ihre Jungen zu suchen.
Dieses Jahr im Sommer hatte ich häufig Besuch von vielen verschiedenen Vogelfamilien,
die auf meinem Balkon zwischen den Fugen meiner Fließen nach Essen suchten um danach ausgelassen in der Schale mit Wasser zu planschen,
die ich ihnen jeden Tag frisch bereit stellte.

Das Bild war einfach toll und ich freue mich schon darauf, wenn der Frühling an die Tür klopft.

Mein Zweit-zu-Hause, welches auf dem Land liegt, sorgte in diesem Jahr auch schon häufig für wunderbare Gefühle in Bezug auf die Natur.
Jedesmal wenn ich mit dem Hund Gassi gehe, habe ich einen wunderbaren Blick auch weite Felder, Wiesen und Acker,
gerade jetzt in der Herbstzeit ist der Anblick schön, da jeder Baum ein andersfarbiges Kleid trägt.

Was mich wieder zurück ins kalte reale Leben ruft sind leider die Autos und der Lärm, wenn ich wieder zurück nach Hause gehe.

Ich finde, dass man sowas nicht erleben kann, wenn man in einem Bus oder Auto sitzt, deswegen denke ich mir oft, dass diese Menschen etwas verpassen.
Wahrscheinlich gibt es auch viele Menschen, die der Natur gar keine Beachtung schenken...
oder warum sonst fährt jemand mit dem Auto zum Zigarettenautomaten, der nur 200 Meter entfernt liegt... ?!

Ja... dieses Jahr hatte ich ein lustiges Erlebnis als ich im Regen unterwegs war und mich ein breites Grinsen überkam,
dabei hatte ich wirklich keinen Grund zu grinsen, denn ich war schon ziemlich durch genässt, so ganz ohne Regenschirm.
Das was mir ein Lächeln auf die Lippen zauberte waren die Menschen die mir auch ohne Regenschirm begegneten,
denn sie haben alle ein ganz schreckliches Gesicht gezogen... so als würde ihnen der Regen auf der Haut weh tun oder als wenn sie aus Zucker wären...

Ihr müsst mal darauf achten, was die Leute für komische Gesichter ziehen, wenn sie in den Regen kommen... als gäbe es nichts schlimmeres...

In diesem Sinne, viele Grüße.
...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben...
Svart-Vinter

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Blick hinter den Vorhang des Lebens

Beitragvon Mike » 9. Nov 2008 - 19:14


Erst gestern habe ich mit Bekannten darüber gesprochen, die mich überraschend besucht haben... war sehr interessant. Entweder gibt es doch mehr Leute, die solche Empfindungen hegen, oder aber es finden sich lediglich nur immer die Gleichgesinnten. Wäre eine Frage für die Philosophie ;-)

Ich finde dieses Gefühl jedenfalls wunderbar... es ist eine Losgelöstheit von der Welt der Menschen und eine innige Verbundenheit mit der Welt, wie sie wirklich ist. Verstärkt hatte ich das, als ich das letzte Mal Heilfasten gemacht habe. Man fühlt sich befreit und erlöst, so wie man es sich bei Buddhisten vorstellt. Mit sich selbst im Gleichgewicht. Was bei mir noch das Schöne ist... ich hab auf eine seltsame Art und Weise Frieden mit dem Tod geschlossen. Ich hatte früher nie sonderliche Angst davor, weil ich schon immer wusste, dass er Teil der Natur ist. Aber jetzt... jetzt ist es fast schon Freundschaft. Auch wenn sich das vielleicht psychisch gestört anhören mag.

Was Jahreszeiten betrifft, so bin ich eher ein Freund des Herbstes und des Winters... wenn das Alte vergeht und den Weg für das Neue bereitet.
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
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Blick hinter den Vorhang des Lebens

Beitragvon Vordb » 4. Dez 2008 - 23:13


Nun zu dem Beschreiben des Gefühls muß ich mich nicht weiter auslassen, die anderen
Beteiligten an dem Thema hier beschrieben es zu genüge.

Soetwas passierte mir im Spätsommer 2005 bei einem Ostseeurlaub.
Ich hatte Wachdienst für die Zelte am Strand, und war daher alleine,
als ein nebelartiges Gebilde am Horizont zu sehen war.
Irgendwann fing dieser Nebel dann an, "Streifen" zu bekommen
und sich zu bewegen (und nein, ich nehme kein LSD oder sonstige fragwürde ..."Unterhaltungsmittel")
Es waren Polarlichter, die man nur sehr schwach sehen konnte, aber da ich selbst noch nie welche
überhaupt in real sah, war das doch einer der Momente im Leben die etwas besonderes waren...
Ω
Vordb

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