Diese Woche war es so weit, der Termin im Schlaflabor wegen Durchschlafstörungen und dem Night Eating Syndrom.
Besuch im Schlaflabor vom 18.05 - 20.05.2010
Den Termin zum diagnostischen schlafen im Labor bekam ich nach einem Vorgespräch.
Für die Diagnostik meines Problems waren 2 Tage vorgesehen.
17.00 Uhr - Ankunft und Anmeldung im Krankenhaus.
Ich wurde auf der "Inneren" in einem vollklimatisierten kleinen Zimmer ohne Fenster untergebracht.
Auf der Station wurden 3 Zimmer für die Schlafgestörten frei geräumt, diese Räume wurden mit spezieller Technik ausgestattet.
Es fanden insgesamt 6 Patienten in 3 Zimmern Platz, wobei in jedem dieser 3 Zimmer eine Wand hochgezogen wurde, damit man ungestört schlafen kann.
In dem Zimmer an sich habe ich mich nicht wohlgefühlt, da ich nicht weiter als bis zur Wand schauen konnte.
Schon bei der Ankunft bekam ich die Ahnung, dass es nicht einfach werden würde, was sich später auch bestätigen sollte.
17.30 Uhr - Eine Schwester kam um mir den weiteren Ablauf zu klären, fragte was ich zu den Mahlzeiten essen möchten.
Außerdem wollte sie einen Abstrich aus Mund und Nase nehmen, das machte sie mit ein - und demselben Wattestäbchen!
Angenommen; ich hätte einen Pilz im Mundraum (was rein statistisch gesehen, relativ häufig vorkommt), dann hätte sie mit dem Wattestäbchen die Pilzsporen (oft hochinfektiös) vom Mundraum in den Nasenraum übertragen. Ganz schön leichtsinnig und unprofessionell!
Weiterhin erklärte sie, dass ich gegen Abend verkabelt werde und ich dann nicht mehr aufs Klo könnte, da die Kabel nicht bis zur Toilette reichen, also müsste ich für einen Toilettenstuhl die Klingel betätigen, wenn ich nachts aufs Klo muss.
Das war schon die 3. Tatsache innerhalb von 30 Minuten, die mir Unbehagen einbrachte.
18.00 Uhr - Zeit fürs Abendbrot.
Danach bin ich sofort raus gegangen, um wieder weiter als 1 Meter weit schauen zu können.
Gott sei Dank war es eine schöne ländliche Gegend, man konnte unmittelbar am Krankenhaus einen Pilger-Weg entlang eines Flusses gehen.
Das war echt schön.
Zwischendurch bin ich immer mal wieder auf Station gegangen um zu schauen, ob mich vielleicht ein Arzt sehen will, dem war aber nicht so.
20.30 Uhr - Die Nachtschwester stellt sich vor, sie war ganz nett.
Sie hat mich nicht wie die anderen Patienten schon um 19.00 Uhr verkabelt, sondern erst um 22.00 Uhr, damit ich noch länger raus kann.
Ich meine, es ist eine Zumutung ab 19 Uhr angekabelt und völlig unflexibel zu sein.
Kurz später lerne ich den ersten Arzt von vier in insgesamt 2 Tagen kennen.
Er nahm schon vorhandene Daten nochmal auf (typisch!) und hörte meine Lunge ab.
Vermutlich ein Assi
22.00 Uhr - Ich wurde verkabelt mit insgesamt 21 Sensoren, 11!!! davon im Gesicht bzw. Kopf/Hals.
Einige besondere Sensoren waren zwei Gurte, einer für den Bauch, einer wurde oberhalb der Brust befestigt, ein Sensor zum anklippen für den Zeigefinger für die Pulsmessung und eine sensorische (Klebe)Flow-Brille oberhalb des Mundes um den Zufluss der Luft in Nase und Mund zu messen.
Alle anderen Sensoren, waren zum aufkleben in Form eines ovalen 2 Euro Stückes.
An allen Sensoren hingen Kabel in unterschiedlicher Stärke.
Das man damit nur sehr schwer schlafen kann, kann man sich bestimmt vorstellen. Es war gerade mal genug Freiraum um sich auf die andere Seite zu drehen.
So ungefähr schaut es dann aus:

Die roten Punkte kennzeichnen sehr genau die Stellen die mit Sensoren versehen werden.
Allein der Gedanke an dieses gefangen sein hat mich sehr unruhig werden lassen, nach gewisser Zeit kam noch die Zigarettensucht mit voller Wucht.
01.30 Uhr - Ich klingelte völlig aufgelöst nach stundenlangen rum wälzen. Zur Schwester sagte ich, dass das nix wird, ich muss raus.... rauchen, mich bewegen.
Mir wurde vorher schon gesagt, dass man die Diagnostik nicht unterbrechen sollte, aber die Schwester hat sehr gut erkannt, dass ich mich selber entlassen würde, wenn sie mich nicht gehen lässt.
Ich habe gezittert, ich wäre am liebsten gegangen, auf diese Art und Weise gefangen zu sein, ist wirklich unangenehm.
Obwohl ich eigentlich nicht pingelig bin, konnte ich mich an die ganzen Kabel nicht gewöhnen.
Na ja... bin mir dann mit dem Kabelwirrwarr und den vielen Pflastern im Gesicht eine rauchen gegangen, mir ist glücklicherweise keiner begegnet hehe.
Normalerweise schlafe ich in der Woche um diese Zeit schon längst, aber dort konnte ich nicht einschlafen, mir hat mein gewohntes Abendritual gefehlt.
In den Informationen zum Schlaflabor stand, dass man sich dort so verhalten soll wie zu Hause auch, da stand sogar, dass man Alkohol trinken soll, wenn man gewohnt ist, abends Alk zu trinken.
Wahrscheinlich wäre das mit dem Alk sogar die beste Lösung gewesen oder sollte es vielleicht sogar eine indirekte Andeutung sein?
02.00 Uhr - Nach dem rauchen liege ich wieder im Bett, ich bin jetzt völlig ruhig und schlafe sofort ein.
05.00 Uhr - Die diagnostische Nacht ist zu Ende, ich werde abgekabelt.
Eine deutliche Pflasterallergie zeichnet sich im Gesicht ab, da fast alle Sensoren zusätzlich mit Pflaster fixiert wurden.
Es juckt tierisch, ich habe knallrote Flecken im ganzen Gesicht.
Außerdem bin ich nach nur 3 Stunden Schlaf fertig mit der Welt, ich dachte, ich bin im falschen Film als die Schwester klopfte und Guten Morgen sagte.
Zu dem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl gerade erst die Augen zu gemacht zu haben.
Trotzdem war ich glücklich die Nacht überstanden zu haben.
Ankabeln und Abkabeln dauern jeweils ca. 20 Minuten. Vor dem Ankabeln werden die zu beklebenden Hautstellen mit einer Salbe entfettet, dazu wird eine grobe Kompresse genommen um einen Peel-Effekt zu erzeugen.
Wenn man den Namen "Schwester Rabiata" trägt, dann kann das Entfetten der Haut auch schon mal sehr weh tun.
Nach der Abkabelung habe ich mich nochmal hingelegt, ich konnte gar nicht anders.
07.30 Uhr - Lautes klopfen an der Tür. - Eine Schwester nimmt mir Blut ab, danach bekomme ich Frühstück.
09.30 Uhr - Ich lerne den zweiten Arzt kennen, sehr nett.
Er macht bei mir ein EKG und einen Herzultraschall, beide Befunde unauffällig.
Bin also ziemlich gesund.
Der Arzt wusste gar nicht was mir fehlte, als ich ihm erklärte warum ich da bin, meinte er, dass das nächtliche Essen höchstwahrscheinlich eine abgewandte Form des Schlafwandelns ist.
Und je mehr ich die letzten Jahre reflektiere um so mehr bin ich auch dieser Meinung, denn ich esse Nachts nicht nur was mir schmeckt.
Ich esse praktisch alles was mir unter die Finger kommt, von gefrorenen Sachen bis hin zu Zartbitterschokolade, die ich normalerweise nie essen würde.
Mal gut, dass ich Nachts nicht an andere Sachen ran gehe...
Ein Lungenfunktionstest gehörte eigentlich auch noch zu dieser Untersuchung, dieser wurde aber schon im Vorgespräch gemacht und musste nicht wiederholt werden, da kein auffälliger Befund vorlag.
Wäre ich nicht so naiv gewesen, hätte ich nach diesen 3 Tests schon wissen müssen, wie die Diagnose lauten würde... doch dazu später.
12.00 Uhr - Es gibt Mittagessen (echt ekelhaft) und im gleichen Augenblick möchte der dritte Arzt im Bunde mit mir reden.
Er deutete hier schon mehr als deutlich an, dass man mir bei meinem Problem vermutlich nicht helfen kann, da es von "Außen" kommt und nicht von "Innen".
Die zweite diagnostische Nacht wurde mir aber trotzdem zugesichert, da ich in der letzten Nacht nur 3 Stunden geschlafen habe.
Was hier bereits festzustellen war, dass ich eine sehr unruhige Schläferin bin, mehr nicht.
Der Arzt hat mir verboten, mich tagsüber hin zulegen.
Das war für mich sehr sehr schwer, ich habe den ganzen Tag mit mir gekämpft, meine Gedanken drehten sich nur um den Schlaf der mir spürbar fehlte.
Da ich ja mit dem Auto dort war, bin ich in die Stadt gefahren und bin dort einfach durch die Läden gegangen.
Die Stadt kannte ich noch nicht, aber insgesamt war es echt super, mal ganz alleine los zu gehen, wo einen keiner kennt.
Ich habe dann noch eine Burg besichtigt und war in einem Reichswald spazieren, danach bin ich wieder auf dem Pilgerweg (Papa-Klein-Wanderweg in Goch) gelandet hehe.
Der gefiel mir außerordentlich gut, da er verlassen war, in der schönen Natur, gleich an einem Fluss entlang führend.
Irgendwann demnächst werde ich mal den ganzen Weg pilgern, das habe ich mir vorgenommen.
Insgesamt war ich knapp 5 Stunden unterwegs
Danach war ich fix und fertig, ich dachte, die nächste Nacht muss besser werden...
18.00 Uhr - Abendessen. Mir schmeckt es nicht.
21.00 Uhr - Verkabelung der Sensoren. Es war eine andere Nachtschwester da.
Sie war vom Wesen her ganz anders wie Vorherige, aber nicht besser, sondern viel hektischer.
Ich mag hektische unfreundliche Schwestern nicht.
23.30 Uhr - Ich werde nervös, ich habe Schmacht, ich kann nicht schlafen.
Also wieder das Gleiche wie in der Nacht zuvor.
Ich klingele, sie stöpselt mich ab, aber nur sehr ungern, sie wollte es nicht einfach so machen mit der Begründung, dass dies nicht im Sinne der Sache ist.
Na ja, aber wenn ich gar nicht einschlafe... bestimmt noch weniger.
Bin rauchen gegangen und habe mich im Raucherraum noch ca. 30 Minuten mit einem jungen Mädel unterhalten, dann hat mich die Nachtschwester geholt. (lol -.-)
Ich habe mich mit 28 Jahren wie ein kleines Kind gefühlt, vor allem war ich echt sprachlos, ich meine, ich habe selber 7 Jahre in der Pflege gearbeitet, aber so was habe ich nie zu Stande gebracht.
Sie meinte, die Krankenkasse würde sonst Ärger machen, wenn ich jetzt noch länger fern bliebe.
Ich habe ja schon einiges gehört und selbst mit erlebt wie das System der Krankenkasse funktioniert, aber DAS?
Egal...
Sie hat mich wieder angekabelt und ich bin ruhig eingeschlafen, da alle Bedürfnisse befriedigt waren.
In meinem Fall war es in beiden Nächten eben das Rauchen was mir fehlte, denn das gehört bei mir eben dazu, vorm schlafen gehen rauche ich gerne noch ein Kippchen.
Um ein besseres Ergebnis in der Diagnostik zu erzielen, habe ich auch extra etwas früher geklingelt, damit ich auch früher wieder zum schlafen komme.
Das hat dann ja im Prinzip auch geklappt.
00.00 Uhr - Ich schlafe ein und die Nacht fast durch mit nur einer Unterbrechung (ohne Einnahme von Essen), an die ich mich erinnere.
05.30 Uhr - Das ist eigentlich sensationell für meine Verhältnisse, in 5 1/2 Stunden nur einmal wach zu werden.
Normalerweise wache ich in dieser Zeitspanne mindestens 2x aber eher 4x auf und esse dann oder rauche.
Ich habe mich nach dem Erwachen spitze gefühlt, bin aber von alleine wach geworden kurz bevor mich die Schwester abkabeln wollte.
Ich war so glücklich, da tat das rabiate abziehen der zig Pflaster auch gar nicht mehr so doll weh.
Mit voller Elan fing ich an, das Zimmer aufzuräumen, meine Tasche zu packen, mich zu duschen und schick zu machen für den Heimweg.
07.30 Uhr - Frühstück (Krankenhausfrühstück!).
10.00 Uhr - Endlich das ersehnte Gespräch mit dem Arzt Nr. 3
Ich frage ihn, was mir fehlt.
Zuerst sollte ich ihm meinen eigenen Eindruck über den Schlaf der letzten Nacht mitteilen, da ahnte ich schon, wie das Ergebnis lautet.
Meine Antwort war: "Gut!"
Ja und genau das bestätigte er mehr oder weniger.
Aber ich habe jetzt eine bzw. zwei Diagnosen und bin trotzdem nicht weiter mit meinem Wissen.
Mein Problem ist die sogenannte "Schlafhygiene", sie ist falsch, ich mache es falsch, das ist das primäre Problem.
Die zweite Diagnose ist eine, die von "Innen" kommt.
In den Tiefschlafphasen verkrampft sich bei mir hin- und wieder ganz minimal die Luftröhre.
Dadurch werden Impulse an das Gehirn gesendet, die ihm befehlen, den Mensch aus der Tiefschlafphase heraus zu holen.
Das ist aber NICHT der Grund, warum ich nachts immer aufwache oder nachts esse.
Die Prognose der 2. Diagnose ist die Schlafapnoe.
Der Arzt sagte, dass ich in 20 Jahren oder später oder vielleicht sogar nie (man kann es nicht genau sagen) eine Schlafapnoe bekommen werde.
Das beunruhigt mich weniger, mir macht meine Ratlosigkeit mehr Angst, da ich bzgl. der Schlafhygiene nicht weiß, was ich noch alles machen soll.
Ich habe doch schon so viel diesbzgl. versucht, auch über längere Zeiträume.
Mir bleibt nur der erneute Versuch, mich selbst zu heilen...
Ich muss mir jetzt einen neuen Plan schmieden, wie sich das Thema Schlaf ab sofort gestalten soll.
Der Arzt meinte, dass ich in großen Abständen eine einzige Schlaftablette zur Schlafkorrektur nehmen könnte, aber alles andere liegt in meiner Hand.
Klar, man könnte natürlich noch Psychologen oder gar Ernährungsberater oder Heilpraktiker hinzu ziehen, wobei letztere nicht unbedingt von der Krankenkasse übernommen werden und man sich mit den hohen Behandlungskosten selbst rum schlagen muss.
Tabletten selbst hat er mir aber nicht mit gegeben, die soll ich mir beim Hausarzt holen, wenn der Bedarf besteht.
Momentan muss ich das alles erstmal sacken lassen, sicherlich bin ich froh zu wissen, welches Problem ich genau habe, aber das ist eben verdammt schwer in den Griff zu bekommen, vor allem, wenn man 7 Jahre mit Durchschlafstörungen und Parasomnien gelebt hat.
Man braucht unglaublich viel Disziplin und eine Willen, den man mit Stahl vergleichen sollte.
Trotzdem fühle ich mich ein wenig so als wäre ich vor eine Wand gerannt, da ich ganz tief in mir wusste, dass es wieder ein schwerer Weg werden würde, dass es wieder mal "nur" psychisch bedingt ist und diese Sachen sind wie ein verdammter Virus, der mit einem in Symbiose lebt und nicht weggehen will.
Die 2 Tage Schlaflabor haben mich mürbe gemacht.
Man hat dort nichts außer Zigaretten, Fernseher und die Natur vor der Tür.
Vor den Patienten denen man im Krankenhaus begegnet ist man gleich, egal was für ein Problem man hat, jeder dort hat es nicht besser wie andere Mitpatienten.
Ich habe mich da nicht wohl gefühlt und würde so schnell nicht mehr in ein Schlaflabor gehen, um genau zu sein; eigentlich nie wieder!
Mir sind da viele sehr kranke Menschen begegnet und ich habe einige Krankengeschichten im Raucherraum hören können.
Von Krebs bis verfuschte Operationen...
Zum 4. Arzt: Er hatte das Vorgespräch gemacht letzte Woche und als ich ihn in dieser Woche immer auf dem Flur begegnet bin, hatte ich das Gefühl er wollte vor mir flüchten.
Ich hatte bei dem Gespräch schon so ein komisches Gefühl mit ihm und vielleicht hat sich mein Eindruck bestätigt, ich weiß es nicht und werde es auch nie erfahren. Gut so.
10.30 Uhr - Ich werde entlassen und muss 30 Euro Eigenbeteiligung für 3 Krankenhaustage bezahlen.
Ich bin so froh, wieder zu Hause zu sein, gestern als ich entlassen wurde, habe ich ein starkes Glücksgefühl und das Gefühl von Heimweh verspürt, das war schön.
Aber ansonsten weiß ich nicht, was ich sagen soll... ich bin eigentlich kein Stück weiter wie vorher.
Grüße.

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