Es gibt immer wieder Jugendliche, die ausflippen. Im Nachhinein gibt es dafür immer Dutzende an Betroffenen, die sich im betroffen-sein noch überschlagen. Die einen sagen nur "Der arme Junge, hätte er doch nur was gesagt". Andere gibt es, die sagen "Die Opfer haben es schon verdient, so wie sie ihn behandelt haben". Dritte sagen "Der Junge hatte nen Knall".
Ich selbst würde nie Amok laufen, aber gewissermaßen kann ich es sogar verstehen. Wenn man "aussen" steht und keinen Wert auf Statussymbole legt oder eine andere, nicht auf Spaß basierte Weltanschauung hat, hat man nicht grad sonderlich viele Freunde. Gerade im Jugendalter kann einen sowas ziemlich mitnehmen, verstärkt wird es noch dadurch, wenn man ein zu geringes Selbstwertbewusstsein hat und ständig an sich zweifelt und vielleicht sogar in den Chorus der anderen miteinstimmt ("Ja, schauts mich an, ich bin erbärmlich,...").
Einerseits tun mir solche Menschen leid, weil sie nicht mit sich selbst klar kommen können. Andererseits denke ich mir: Jeder Mensch hat die Möglichkeit, sich zu ändern. Und jeder Mensch erhält das, was er "verdient". Man muss sich im Leben vielen Problemen stellen, aber im Jugendalter erscheint einem so ziemlich alles als großes Problem.
Amüsant finde ich es immer wieder, wenn sich die Medien selbst drauf stürzen, dass nur die Medien für seinen Amoklauf verantwortlich sind. Gerade die Medien erschaffen erst das Bild von den szeneeigenen Archetypen, wie diese sein müssen. Dort wird vorgegeben, was "cool", angesagt, "hip und trendy" ist. Anstatt dass sie, die Massenmedien, die alle Menschen und Altersgruppen erreichen können, ihre Macht sinnvoll zur GEISTIGEN Entwicklung des Menschen einsetzen, wird der Blick nur fürs Materielle geschärft.
Man weist sich gegenseitig die Schuld zu - die Politiker den Eltern, weil diese zu wenig für die Erziehung tun würden. Die Eltern den Politikern, weil diese gewaltverherrlichende Spiele noch nicht verboten haben.
Ich hab solche Nachrichten satt, daher sag ich mittlerweile bei nem Amoklauf nur noch zynisch "So? Sehr schön, wieviel hats diesmal erwischt? Und wer ist diesmal schuld?"
Die Attentäter mögen vielleicht stellenweise ganz intelligent sein, aber sie sind dennoch zu dumm, um Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen. Es läuft doch immer nach Schema F ab. "[blabla] jahrelang gedemütigt [blabla] alle verlogen [blabla] sind alle so gemein zu mir [blabla] aber JETZT werde ich mich rächen [blabla] ich werde ihnen zeigen, wer hier der mächtige Obermacker ist [blabla]".
Sie haben vielleicht kein leichtes Leben gehabt, aber sie weisen ständig die Schuld von sich und übernehmen keine Verantwortung. Wie kann ich dann für so jemanden Mitleid empfinden?
Ich glaube auch nicht, dass ein Verbot helfen würde. Denn es sind nicht Killerspiele oder Horrorfilme, die einen zum Amokläufer machen. Wenn ich mein DVD-Regal anschau, müsst ich schon längst nen Massenmord in nicht grad kleinem Ausmaß begangen haben.
Tatsache ist vielmehr, dass diejenigen, die für Amokläufe anfällig sind, sich auf diese Medien konzentrieren. Und gäbe es diese Spiele nicht, würden sie sich eine andere Betätigung suchen. Man kann nicht alles verbieten, wovor man Angst hat.
Das ist ein ähnliches Argument wie "Gäbe es keine Prostituierten, gäbe es wesentlich mehr Vergewaltigungen". Vielleicht einen minimalen Prozentsatz, aber wer vergewaltigt tut das aus anderen Gründen.

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