Alkoholismus in der Pflege und keiner will es merken

Forum: Missbrauch - Abhängigkeit


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Alkoholismus in der Pflege und keiner will es merken

Beitragvon eagle » 11. Jun 2008 - 22:57


Einfach mal so nachgefragt:

Warum gibt es so viele Alkoholiker in Pflegebrufen und keiner merkt es oder will es merken und wir müssen den Leuten vertrauen---- unser Leben anvertrauen :prost:

Schon mal drüber nachgedacht?
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Beitragvon Svart-Vinter » 11. Jun 2008 - 23:36


Oft ist es so, dass Süchtige (egal in welcher Form) ihre Sucht gut verstecken können.

Ich habe selber 7 Jahre in der Altenpflege gearbeitet und arbeite heute noch in der Pflege, eben nur nicht mehr in der Altenpflege.
Die Menschen haben ihre Sucht meist schon in den Beruf mitgebracht, sie wurden nicht erst durch den Beruf süchtig.

Wiederum ist es so, das gerade dieser Beruf, die Sucht noch verstärken kann.
Es haftet viel Verantwortung an einem und man muss sehr viel ertragen können und ja... auch irgendwie damit klar kommen.

Komischerweise ziehen solche Jobs oft Süchtige an, da sie sich auch ständig mit sich und ihrer Psyche auseinandersetzen.
In dem Beruf sind sie quasi direkt an der Quelle und können dadurch ihr Leid besser verstehen.

Damals gab es bei uns einige Alkoholiker und auch Kiffer.

Wir hatten mal einen Pfleger, der immer seinen gefüllten Flachmann in der Tasche hatte.
Irgendwann wurde seine Abhängigkeit bemerkt und man hat versucht ihm entgegen zu kommen
in dem man ihm Hilfe anbot oder ihn auch einfach mehrere Chancen gab.
Leider bekam er sein Problem nicht in den Griff und ging irgendwann von alleine.

Es gab auch mal eine nette Mitarbeiterin die vor Jahren Heroinsüchtig war und dann irgendwann clean wurde.
Sie ging bei ihrer Bewerbung ganz offen mit der vergangenen Problematik um und sie wurde trotzdem eingestellt,
da sie beweisen konnte, dass sie wirklich nicht mehr süchtig war.

Und es ist nicht nur das, es gibt auch viele Ex-Knastis in der Pflege.
Klar, es sträuben sich einem die Nackenhaare bei dem Gedanken, sein Leben in deren Hände zu legen, aber jeder hat eine Chance verdient,
sich zu beweisen und zu beweisen, dass man gut arbeiten kann.


Viele Grüße.
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Beitragvon eagle » 12. Jun 2008 - 11:01


Da hast du vollkommen recht wenn jemand seine Sucht in den Griff bekommt, oder auch entsprechend resozialisiert aus dem Knast kommt ist das alles kein Thema.

Wenn ich aber auf einer Station arbeite wo die Patienten zu 90% beatmet sind und das Leben von ihnen, von meiner schnellen Reaktion abhängt, ist es sehr schwer zu tollerieren oder gar zu akzeptieren das da eine Kollegin im so dichten Schädel rum läuft, das sie nicht mal mitbekommt das man mit IHR spricht.

Ich finde es einfach Schade wenn sich manche, die auch noch ein Hilfsangebot von der Einrichtung bekommen, Es so wegwerfen.
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Beitragvon Kha » 12. Jun 2008 - 12:33


Natürlich ist das "schlimm" wenn die Leute so dermaßen stark alkoholisiert sind, das sie nicht mehr reagieren, aber ich denke dann fällt das schon auf, und es werden Maßnahmen ergriffen.

Es kommt ja nochetwas hinzu. Es gibt unterschiedliche "Pflegeheime" bzw "Altenheime" nach Preisklassen. Und so stuft sich sicherlich auch das Personal und die Pflege. Also sollte man gut sparen um im Alter versorgt zu sein (leider).

Aber ich habe auch Pflegepersonal im Bekanntenkreis und ich denke dass jene sich sehr viel zu muten. Denn schwerkranke Leute sind nicht einfach zu betreuen, vorallem nicht psychisch. Daher kann ich eine Sucht irgendwo verstehen.

Aber es gibt auch in sehr vielen anderen Berufen Arten von Sucht.
Sieht man sich den Beruf des Erziehers an, so stellt man auch dort fest, dass es dort Alkoholkranke gibt. Vor allen Dingen an Schulen / weiterführenden Schulen. Beispiele gibt es genug, ich spreche da aus Erfahrung. Ich denke man soltle solche Berufe nur ergreifen, wenn man eine psychische Stärke besitzt das zu verarbeiten. Und vor allen Dingen nicht mit "nach Hause" zu nehmen und zu grübeln.

Lg, kha
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Beitragvon Svart-Vinter » 12. Jun 2008 - 12:34


Ja, schade ist es.

Ich denke, wenn man mitbekommt, dass jemand dicht über die Station läuft, dann wäre es nur fair, diesen Fall zu melden.
Irgendwo liegt die Verantwortung da auch bei einem selbst, leider.

Jedenfalls würde ich es so machen, da ich mir ewig Vorwürfe machen würde,
wenn wirklich mal etwas passiert und man das hätte verhindern können.
Ich weiß, dass z.B. bei Schlaganfall- oder Herzinfarktpatienten eine sekundenschnelle Reaktion nötig werden kann,
die ein besoffener Mensch gar nicht in der Zeit bewältigen kann.

Das ist ein verdammt heikles Thema, da man in solchen Berufen sowieso immer mit einem Bein im Knast steht.


Liebe Grüße.
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Beitragvon Hagazussa » 12. Jun 2008 - 19:22


:shock: Das hört sich alles ganz schön krass an.

Ich hatte keine Ahnung, was da so abläuft. Eigentlich war ich immer der
Meinung, das in Pflegeberufen alles korrekt abläuft.
Tja....falsch gedacht.

Sao hat folgendes geschrieben
Das ist ein verdammt heikles Thema, da man in solchen Berufen sowieso immer mit einem Bein im Knast steht.

Wie meinst Du das denn? Wenn ich fragen darf....
Wenn du es eilig hast, gehe langsam
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Beitragvon Svart-Vinter » 12. Jun 2008 - 22:32


Es ist so, dass alles und damit meine ich wirklich alles dokumentiert werden muss.
Wenn mal etwas passiert, dann kannst Du dafür tatsächlich ins Gefängnis kommen.
Das ist eigentlich in fast allen Berufen so, wo man mit Menschen zu tun hat.

Ich hatte auch mal Probleme mit den Angehörigen einer Bewohnerin.

Sie war schon verwirrt damals und sie behauptete, dass ich Nachts in ihr Zimmer kam
und ihre Schuhe aus dem Schrank geklaut hätte um damit tanzen zu gehen.

Was darauf hin bei uns los war, ist unvorstellbar.

Ihr Enkel war bei der Polizei angestellt und hatte einen schlimmen Aufstand gemacht, so dass ich erstmal nicht mehr in das Zimmer durfte.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nie Nachtschicht gemacht, muss ich dazu sagen.
Im Grunde eine lustige Sache, aber es war bitterernst.

Ein anderes Beispiel:

Es kann auch mal aus Versehen passieren, dass man einem Bewohner einen blauen Fleck hinzufügt,
was mir und auch anderen schon zig mal passiert war.
Je nachdem welcher Bewohner diesen blauen Fleck hat, kann man in Teufelsküche kommen, was ich auch schon miterlebt habe.


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Beitragvon eagle » 15. Jun 2008 - 00:56


Da hast du leider vollkommen Recht, die Angehörigen sind die schlimmsten " Bewohner" :(, aber es gibt sie leider.
Hab die Kollegin dann auch nach Hause geschickt, kann und will nicht die Verantwortung für ihre Arbeit noch mitübernehmen.

Zum Thema viele Geld= perfekte Pflege: vergiß es. Ich kann nur empfehlen: behandel deine Kinder gut und dir bleibt das Heim ersparrt :bussi:
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Beitragvon Svart-Vinter » 15. Jun 2008 - 09:05


Ja, die Angehörigen können einem das Leben wirklich zur Hölle machen.
Ich habe das auch ganz besonders gespürt als ich eine Zeit lang in der ambulanten Pflege gearbeitet habe.

Wo beispielsweise beim waschen oder beim Kathederwechsel der Angehörige direkt hinter mir stand um zu schauen, ob ich alles richtig mache.

Mich hat der Job in einigen Hinsichten ziemlich hart gemacht, in anderen Hinsichten aber auch ziemlich weich,
was bestimmte Ansichten zum Leben betrifft.

Also hast Du die Kollegin jetzt nach Hause geschickt oder liegt das schon länger zurück?
Ich finde es gut, Du hast Recht, wenn Du sagst, dass Du die Verantwortung für sie und ihre Arbeit nicht mit übernehmen kannst.
Es steht dafür wirklich einfach viel zu viel auf dem Spiel.

Zum Thema viele Geld= perfekte Pflege: vergiß es. Ich kann nur empfehlen: behandel deine Kinder gut und dir bleibt das Heim ersparrt


Hehe...

Das erinnert mich an einen beschrifteten Magneten für die Pinnwand meiner Eltern, den ich ihnen mal geschenkt habe, darauf steht:

"Sei lieb zu Deinen Kindern, denn sie suchen Dein Altenheim aus." :)

Und so ist es wirklich, mein Opa kam vor kurzem ins Altenheim und meine Eltern mussten ihm ein paar Heime zur Wahl vorschlagen.


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Beitragvon eagle » 15. Jun 2008 - 23:14


Hi Sao,

der Vorfall ist erst einige Tage her, am nächsten Tag konnte man förmlich auf ihrer Stirn lesen wie, peinlich es ihr war, das alle es mitbekommen haben. Zur Zeit hat sie sich im Griff, mal schauen wie lange.


Habe schon in vielen Häusern gearbeitet ( bin Freiberuflerin) und oft waren die, die von außen die schönsten und teuersten Privatheime waren, die Schlimmsten.
Im ambulanten Bereich habe ich zum Glück nicht so negative Erfahrungen gemacht, da war nur Eine Heftig, die hat immer das Personal versucht gegeneinander auszuspielen und hat sich dann gewundert warum der PD ihr den Versorgungsvertrag kündigt.


In diesem Sinne, genug von der Arbeit gequatscht, neues Thema :?:

WIe wärs mit Fußball :ironie:
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