Ab wann ist ein Leben lebenswert ?

Forum: Philosophie - Eigene Ansichten


Philosophie ist der Versuch des Menschen mit dem Mittel des Denkens sein Dasein, die von ihm wahrgenommene äußere Welt und sein eigenes Inneres zu erklären.




Ab wann ist ein Leben lebenswert ?

Beitragvon Svart-Vinter » 22. Okt 2008 - 06:49


Habt Ihr Euch diese Frage auch schon mal gestellt?

Neulich kam im TV eine Reportage über ein kleines Mädchen, dass bei einem Feuer fast ihr Leben verlor.
Im Alter von 2 Jahren erlitt sie starke Verbrennungen, wo 90% (!) ihrer Haut verbrannten, Ärzte konnten sie retten.

Die Folgen dieses Unglücks sind dramatisch: Terri hat keine Nase mehr, keine Haare, keine Finger, keine Ohren und nur noch einen Fuß.
Nur langsam können die Ärzte damit beginnen, Terris Gesicht und Körper zu rekonstruieren und die Narbenbildung so gering wie möglich zu halten.
Bis heute hat sie bereits 16 größere und 30 kleinere Operationen durchgestanden - zahllose weitere werden folgen...

Ihre Großeltern und alle anderen Familienmitglieder lieben sie über alles und beteuerten in der Sendung immer wieder,
dass Terri glücklich sei und das sie es verdient hat zu leben.

Ich möchte mir darüber kein Urteil erlauben, dennoch drängen sich mir Gedanken auf, von denen ich ein paar aussprechen möchte.

Wird das Mädchen auch noch glücklich sein, wenn sie älter ist und die Situation erstmal richtig begreift?

Ich könnte mir gut vorstellen, dass sie irgendwann mal Hass auf die Menschen haben wird, die sie retteten,
denn es ist klar, dass sie nie ein normales Leben führen wird.
Sie benötigt vermutlich ein Leben lang immer wieder Operationen und Medikamente...

Mehr Infos:

- http://www.rtv.de/detailansicht.php?sen ... d=16690115 -


Es gab mal einen anderen Fall, wo eine Mutter ihrer behinderten pflegebedürftigen Tochter die Gebärmutter
und die Brüste entfernen ließ aus Gründen, die eigentlich lächerlich sind.
Sie sagte, dass sie die Tochter so besser pflegen könnte, da sie um einiges leichter sei und sie ja mit den Jahren noch an Gewicht gewinnen würde.
Hätte sie die OP nicht veranlasst, dann hätte sie die Tochter in ein Pflegeheim geben müssen...

Und es ist noch nicht genug, die Eltern veranlassten eine Hormontherapie damit das Mädchen klein bleibt.... klein und kompakt, wenn man es so will...
Die angegebenen Gründe sind einfach nur lächerlich, seht selbst:

- http://www.spiegel.de/wissenschaft/mens ... 87,00.html -


Mich würden Eure Meinungen zu den Beispielen interessieren.


Viele Grüße.
...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben...
Svart-Vinter

[ Anstaltsleitung ]

[ Anstaltsleitung ]

Benutzeravatar
 
Status: Offline

Beiträge: 904
Registriert: 05.01.2008

Sternzeichen: Schütze
Stimmung: bad request

Ab wann ist ein Leben lebenswert ?

Beitragvon Mike » 22. Okt 2008 - 09:28


Ich finde beide Male, dass das Leben nicht mehr lebenswert wäre, wobei ein kleiner Unterschied besteht: In Beispiel eins mit dem verbrannten Mädchen versuchen die Verwandten, das Mädchen durch OPs wieder EINIGERMAßEN normal zu kriegen, d.h. sie wiederherzustellen. In Beispiel zwei hingegen wird das Kind wie ein Haustier behandelt... absolut verabscheuungswürdig.

Bei dem verbrannten Mädchen können die Verwandten wohl nicht loslassen und das Schicksal des Mädchens nicht akzeptieren. Andererseits - was will man tun? Umbringen kann man sie nicht, denn solange sie nicht aus freiem Willen erklärt, dass sie so nicht weiterleben will, wäre es Mord. Vom biologischen und gesellschaftlichen sowie ethischen Standpunkt aus betrachtet würde ich sagen, dass Euthanasie ("guter Tod") wohl die sinnvollste Lösung wäre, da sie mit diesem Körper niemals glücklich werden würde und die Hilfeleistungen bei Weitem den Nutzen dieser Leistungen übersteigen. Klingt hart, ja. Vom menschlichen Standpunkt aus gesehen würd ich sagen: Man sollte ihr selbst die Entscheidung überlassen, ob sie leben oder sterben will.

Bei Fall 2 wird mir schlecht... die Ausrede der Eltern, ihr Kind nicht in die Betreuung fremder Hände geben sondern selbst pflegen zu wollen ist für mich nicht ausreichend, um so eine Behandlung des Kindes zu rechtfertigen. Auch hier wäre wohl Euthanasie von den oben genannten Standpunkten aus gerechtfertigt - andererseits weiß man ja nie, was genau diese Menschen wirklich denken und mitkriegen von der Welt.
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
Mike

[ Stationsleiter ]

[ Stationsleiter ]

Benutzeravatar
 
Status: Offline

Beiträge: 579
Registriert: 02.09.2008


Ab wann ist ein Leben lebenswert ?

Beitragvon Haderlumpin » 22. Okt 2008 - 12:51


Im ersten Fall bleibt wohl nur die Möglichkeit abzuwarten, was das Mädchen später für sich entscheidet...
Im zweiten Fall sehe ich die Sache so: Es ist leicht, so zu urteilen, wenn man selbst nicht die große Mühe mit so einem pflegebedürftigen Menschen hat. Trotzdem: Wenn den Eltern so wichtig ist, sich selbst um ihre Tochter zu kümmern, sollten sie sie annehmen, wie sie ist und sie nicht zu einem kompakten pflegeleichten Torso zurichten lassen. Wenn man sich dieser Verantwortung und Mühe nicht gewachsen sieht, muss man Hilfe von außen annehmen. Es ist unglaublich, dass solche Operationen durchgeführt wurden.
Haderlumpin

Mitglied

Mitglied

Benutzeravatar
 
Status: Offline

Beiträge: 84
Registriert: 03.09.2008


Ab wann ist ein Leben lebenswert ?

Beitragvon Svart-Vinter » 2. Nov 2008 - 11:35


Ich finde es auch unglaublich...

Wie sieht es denn mit Abtreibung aus?

Ich bin auf einen Artikel gestoßen, der mich zum nachdenken gebracht hat.

In manchen Ländern ist es erlaubt bis zum Ende der Schwangerschaft abzutreiben, also wenn das Herz schon schlägt und alles voll entwickelt ist.
Kann man eine Abtreibung bei einer fortgeschrittenen Schwangerschaft überhaupt mit einem plausiblen Grund rechtfertigen?

Welcher Grund wäre ein plausibler Grund für eine Abtreibung?

Ab wann beginnt Leben? Passiert das schon während der Verschmelzung von Ei und Samenzelle oder erst wenn das Herz zu schlagen beginnt?
Und was ist mit Kindern, wo schon im Mutterleib ein schwerer Gendefekt festgestellt wird?


Viele Grüße.
...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben...
Svart-Vinter

[ Anstaltsleitung ]

[ Anstaltsleitung ]

Benutzeravatar
 
Status: Offline

Beiträge: 904
Registriert: 05.01.2008

Sternzeichen: Schütze
Stimmung: bad request

Ab wann ist ein Leben lebenswert ?

Beitragvon Mike » 2. Nov 2008 - 11:51


Abtreibung ist ein sehr heikles Thema... grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Abtreibung nur dann erlaubt sein sollte, wenn das Kind entweder aus einer Vergewaltigung entstand oder wenn bei ner ärztlichen Untersuchung festgestellt wird, dass es schwer behindert sein wird.

Ansonsten bin ich ein Abtreibungsgegner, da ich der Meinung bin, dass man die Konsequenzen für sein Handeln tragen muss. Das Erschreckende ist nur, dass viele Jugendliche sich dessen entweder gar nicht bewusst sind, was sie durch den Akt (rein biologisch gesehen) anrichten oder dass sie es schlichtweg nicht WISSEN und irgendwelchen Gehirngespinsten glauben, dass man z.B. nicht schwanger werden kann, wenn der Kerl ihn kurz vorher rauszieht.

Dann kommen wir aber zur nächsten Problematik: Bis zu welchem Zeitpunkt darf abgetrieben werden? In meinen Augen ist das Leben ab der Diagnose der Schwangerschafft schon als menschliches Wesen zu bezeichnen, da alles einem festen Lauf der Dinge folgt.
Es gibt sogar die Ansicht, dass die zu inkarnierende Seele bereits beim Zeugungsakt dabei ist und sich seine Eltern bewusst aussucht...
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
Mike

[ Stationsleiter ]

[ Stationsleiter ]

Benutzeravatar
 
Status: Offline

Beiträge: 579
Registriert: 02.09.2008


Re: Ab wann ist ein Leben lebenswert ?

Beitragvon Lillifee » 28. Nov 2009 - 20:15


Hui, da könnte einem ja glatt der Kragen platzen.

"wenn bei ner ärztlichen Untersuchung festgestellt wird, dass es schwer behindert sein wird. "

Ein Beispiel zu diesem Satz:

2 Kinder kommen mit einem Hydrocephalus(http://de.wikipedia.org/wiki/Hydrocephalus) zur Welt.
Das ganze ist mittlerweile mehr als 20 Jahre her. DAs eine Kind ist schwerstbehindert und lebt in ein Wohnheim für Behinderte ein schönes Leben.
Das andere hat ein ganz "normales" Leben, macht eine Ausbildung zur PTA und ist Vize-Weltmeisterin im Rollstuhl-Fechten. Genau, sie sitzt im Rollstuhl!

Wenn du also während der Schwangerschaft erfährst, dass dein Kind einen Hydrocephalus haben wird, kannst du entweder das schwerstbehinderte Kind 1 abtreiben oder das "normale" aber Rolli-fahrende Kind 2!
Denk mal drüber nach.
»Nur ein Mensch kommt in Frage – oder ein sehr großer Affe.«
Lillifee

Mitglied

Mitglied

Benutzeravatar
 
Status: Offline

Beiträge: 18
Registriert: 28.11.2009

Stimmung: so lala

Re: Ab wann ist ein Leben lebenswert ?

Beitragvon Lillifee » 28. Nov 2009 - 20:23


Oder natürlich ein Kind, welches keinerlei Einschränkungen hat.
Gleiches gilt auch für Sauerstoffmangel, Spina Bifida ect.
»Nur ein Mensch kommt in Frage – oder ein sehr großer Affe.«
Lillifee

Mitglied

Mitglied

Benutzeravatar
 
Status: Offline

Beiträge: 18
Registriert: 28.11.2009

Stimmung: so lala

Re: Ab wann ist ein Leben lebenswert ?

Beitragvon Mike » 1. Dez 2009 - 16:54


Ich habe nicht gesagt, dass es abgetrieben werden SOLL oder MUSS, sondern dass es DARF, meiner Meinung nach. Natürlich kann es auch sein, dass ein kerngesundes Kind aufgrund Komplikationen während der Geburt behindert wird. Aber wenn man alles im Vorhinein schon weiß und sich aufgrunddessen dafür entscheidet, das Kind nicht zu bekommen, habe ich teilweise Verständnis dafür.

Und Tatsache ist nun Mal, dass behinderte Kinder es wesentlich schwerer haben als gesunde Kinder. Und nicht nur die Kinder, auch die Eltern haben es schwerer. Nein, man kann kein Wunschkind nach nem "Ich-bastel-mir-mein-Kind"-Motto zeugen. Und es bleibt auch den Eltern selbst überlassen, ob sie es auf sich nehmen wollen oder nicht. Aber die Möglichkeit sollte gegeben sein.
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
Mike

[ Stationsleiter ]

[ Stationsleiter ]

Benutzeravatar
 
Status: Offline

Beiträge: 579
Registriert: 02.09.2008


Re: Ab wann ist ein Leben lebenswert ?

Beitragvon Lillifee » 5. Dez 2009 - 14:48


Gut, was du schreibst ist eine Sache. Aber ein Leben als "lebensunwert" zu beschreiben oder zu fragen, ob dieses oder jenes Leben lebenswert ist, ist krass! In Deutschland gab es vorher schonmal Zeiten in denen sich Leute das Recht genommen haben, so etwas zu entscheiden!

http://potsblits.de/lebensunwertes-leben

Und wie schwer es diese Menschen letzendlich im Leben haben, hängt nicht nur von ihren Einschränkungen ab, sondern auch davon wie schwer es ihnen gemacht wird.
Ich arbeite schon seit Jahren mit behinderten Menschen zusammen…und ich habe mich NIE gefragt ob dieses eben lebenswert ist.

Und wer maßt sich an, zu entscheiden WELCHES Leben lebenswert ist und welches nicht?



Und zufällig bin ich grad darauf gestoßen, was du mal zum Thema Sterbehilfe geschrieben hast…passt das zusammen?

"Unsere Maxime lautet "Das Leben ist lebenswert". Punkt.
Und grundsätzlich stimmt das ja eigentlich auch, da jedes Problem im Leben uns etwas sagen will, auch wenn wir es oftmals nicht verstehen... aber nun, so ists nun Mal…"
»Nur ein Mensch kommt in Frage – oder ein sehr großer Affe.«
Lillifee

Mitglied

Mitglied

Benutzeravatar
 
Status: Offline

Beiträge: 18
Registriert: 28.11.2009

Stimmung: so lala

Re: Ab wann ist ein Leben lebenswert ?

Beitragvon Thanatos » 5. Dez 2009 - 16:02


Lillifee hat geschrieben:Gut, was du schreibst ist eine Sache. Aber ein Leben als "lebensunwert" zu beschreiben oder zu fragen, ob dieses oder jenes Leben lebenswert ist, ist krass! In Deutschland gab es vorher schonmal Zeiten in denen sich Leute das Recht genommen haben, so etwas zu entscheiden!


Erst nachdenken, dann posten.
Es gibt einen nicht zu übersehenden Unterschied zwischen der Entscheidung der Mutter /Eltern und der Entscheidung von Staatsorganen über das Leben eines Kindes.

Und wer maßt sich an, zu entscheiden WELCHES Leben lebenswert ist und welches nicht?


Auch wenn es uns nicht passt: Diese Entscheidungen werden jeden Tag getroffen. Wenn Du damit nichts zu tun haben willst, dann lass es.

Die größte Problematik liegt nun mal darin, dass zu einen bestimmten Zeitpunkt eine Entscheidung getroffen werden muss und wir eben nicht wissen, welche Folgen unsere Entscheidung in der Zukunft haben wird. Das ist aber bei ALLEN Handlungen/Entscheidungen so, die wir tätigen. Jemand, der in ständiger Angst vor den Konsequenzen seiner Handlungen lebt, wird schließlich handlungsunfähig.
Thanatos

Mitglied

Mitglied

Benutzeravatar
 
Status: Offline

Beiträge: 167
Registriert: 12.04.2009




 


  • Ähnliche Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste