Ab wann ist ein Leben lebenswert ?

Forum: Philosophie - Eigene Ansichten


Philosophie ist der Versuch des Menschen mit dem Mittel des Denkens sein Dasein, die von ihm wahrgenommene äußere Welt und sein eigenes Inneres zu erklären.




Re: Ab wann ist ein Leben lebenswert ?

Beitragvon Mike » 6. Dez 2009 - 19:45


Lillifee hat geschrieben:Gut, was du schreibst ist eine Sache. Aber ein Leben als "lebensunwert" zu beschreiben oder zu fragen, ob dieses oder jenes Leben lebenswert ist, ist krass! In Deutschland gab es vorher schonmal Zeiten in denen sich Leute das Recht genommen haben, so etwas zu entscheiden!

http://potsblits.de/lebensunwertes-leben

Und wie schwer es diese Menschen letzendlich im Leben haben, hängt nicht nur von ihren Einschränkungen ab, sondern auch davon wie schwer es ihnen gemacht wird.
Ich arbeite schon seit Jahren mit behinderten Menschen zusammen…und ich habe mich NIE gefragt ob dieses eben lebenswert ist.

Und wer maßt sich an, zu entscheiden WELCHES Leben lebenswert ist und welches nicht?



Und zufällig bin ich grad darauf gestoßen, was du mal zum Thema Sterbehilfe geschrieben hast…passt das zusammen?

"Unsere Maxime lautet "Das Leben ist lebenswert". Punkt.
Und grundsätzlich stimmt das ja eigentlich auch, da jedes Problem im Leben uns etwas sagen will, auch wenn wir es oftmals nicht verstehen... aber nun, so ists nun Mal…"


Es ist mir ehrlich gesagt egal, obs "so ne Zeit" in Deutschland schon Mal gegeben hat. Ich sag was ICH denke - die Verbindung mit irgendeiner Zeit oder irgendnem Verbrechen geschieht im Kopf desjenigen, der die Anschuldigung ausspricht. Zudem entscheide ich nicht, welches Leben es wert ist, gelebt zu werden oder nicht. Ich bin nur dafür, dass in manchen Situationen den Eltern die MÖGLICHKEIT gegeben werden sollte, ihr Kind abzutreiben. Grundsätzlich bin ich nämlich gegen Abtreibung. Aber in manchen Situationen kann ich es eben verstehen.

Ich maße es mir somit nicht an, das zu entscheiden. Aber eine Meinung dazu hab ich dennoch. Und das ist nicht verboten ;-)

Nettes Zitat... aber bitte überlese das Wort "grundsätzlich" nicht, wenn du mich auf angeblich nicht zusammenpassende Dinge hinweisen willst. Die Kunst ist nicht das Zitieren, sondern auch das Verstehen des Zitats.
Der Stolz des Philosophen erstarb in mir; der Schmerz des Menschen gewann die Oberhand und das kommende Licht der Sonne erfüllte mich mit Mutlosigkeit.
Mike

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Re: Ab wann ist ein Leben lebenswert ?

Beitragvon Mina » 6. Dez 2009 - 23:38


Als Außenstehender darüber zu urteilen ob ein Leben lebenswert oder nicht lebenswert ist, ist eine sehr heikle Sache. eigentlich sollte es niemandem zustehen so über das Leben anderer Menschen zu urteilen. Aber leider ist es gerade bei diesem Thema oft nicht möglich den Betroffenen selbst darüber zu befragen.

Erst mal zu den Beispielen aus dem Eingangspost.
Zum ersten Beispiel:
Ich finde erst mal das sehr wenig Infos vorhanden sind um sich ein richtiges Bild machen zu können. (der link funktioniert leider nicht mehr).
Du schreibst, das du dir vorstellen könntest das das Mädchen die "Retter" später mal hassen könnte.
Ich kann den Gedanken gut nachvollziehen.
Allerdings ist gerade die Frage der "Rettung" ja wieder eine andere, wie die Frage ob das leben wie es nun ist lebenswert ist oder nicht. Direkt nach einem Unglück, wenn das Opfer (in diesem Fall das kleine Mädchen) schwer verletzt ist, ist oft noch gar nicht abzusehen welche Folgeschäden es davontragen wird, oder ob es überhaupt überleben wird. Und da steht natürlich an erster Stelle das Leben zu erhalten. Das finde ich im Grund auch richtig, denn wie gesagt, ist oft nicht abzusehen wie sich das entwickeln wird. Um das einzuschätzen bleibt auch erst mal gar keine Zeit.
Im Nachhinhein kann man sich dann fragen ob das jetzt sinnvoll war dieses Leben zu retten. Ob das so noch ein "Leben" ist.

Hast du vielleicht noch einen anderen Link zu dem Thema?
Oder weißt du noch etwas darüber?
So wie das scheint, ist die Behandlung ja noch lange nicht abegschlossen, besteht noch die Möglichkeit Fähigkeiten wiederherzustellen oder zu erhalten? Kann das Mädchen sprechen, ist es geistig beeinträchtigt usw?

Zum dem zweiten Beispiel fehlen mir ehrlich gesagt die Worte.
Das sowas überhaupt gemacht wird. Als wäre es nicht schlimm genug das das Kind behindert ist, da muss man doch nicht zusätzlich noch schaden hinzufügen. Ne, dafür habe ich nun wirklich kein Verständnis.
Sicher ist es nicht einfach für Eltern ein Kind zu hause zu pflegen, aber deswegen kann man doch nicht einfach die Entwicklung des Kindes stoppen. Das steht doch in gar keinem Verhältnis zueinander.


Momentan arbeite ich in einer Neurologischen Rehaklinik.
Dort sind auch einige Patienten die so gut wie nichts mehr können. Da habe ich mir auch schon die Frage gestellt, ob das als lebenswert bezeichnet werden kann.
Aber wenn man dann vor diesen Menschen steht, ist es doch auch wieder etwas anderes.
Es ist dort z.B. ein Junge (21 Jahre alt), er liegt im Bett, und kann mit den Augen zwinkern um "Ja" zu sagen. Das wars mit der Kommunikation und den momentanen Fähigkeiten.
Als ich vor diesem Jungen stand und ihn versorgt habe, habe ich mich auch gefragt was das denn für ein Leben ist, das das doch einfach nur schrecklich sein muss.
Aber ich würde ehrlich gesagt auch nicht entscheiden wollen, ob er(oder irgendjemand anders) ein Recht auf sein Leben hat oder nicht.
Und es würde mir auch nicht gerade leicht fallen, wenn morgen einer kommt und sagt "so das war es dann mit ihm, sein Leben ist nicht mehr lebenswert, also wird er jetzt ganz sterben".
Und es ist auch immer die Frage wie die Möglichkeiten sind das es sich entwickelt. Es besteht einerseits Hoffnung das die Menschen wieder mehr können, aber sicher sagen kann das einem niemand.

Allerdings sollte man niemals vergessen das die betroffenen Menschen auch noch Menschen sind.
Ein weiteres Beispiel von mir von der Arbeit. Ein Patient liegt da, ist auch in vielen Tätigkeiten eingeschränkt und seine Frau steht daneben und erzählt, das das doch kein Leben mehr ist, was das denn soll, sowas könne man doch nicht als Leben bezeichnen.
Für sie mag es so ausgesehen haben, aber für den Patient selbst sah es ganz anders aus, und für ihn war das ganz und gar keine schöne Situation solch eine Aussage mit anhören zu müssen.

Und auch Menschen die sich nicht mehr äußern können, bekommen manchmal noch ziemlich viel mit. Und eigentlich sollte es niemandem zu stehen einem anderen Menschen sein Leben als lebenswert abzuerkennen.


Thema Abtreibung:
Das ist wieder ein anderes Thema.
Ich bin eigentlich eher gegen Abtreibung. Allerdings kann ich manche Frauen verstehen die sich für eine Abtreibung entscheiden.
Und diese Entscheidung fällt ihnen selbst auch nicht leicht. Es ist auch für die Frauen nicht damit getan sich für eine Abtreibung zu entscheiden und dann ist alles wieder gut. Das sollte man dabei auch bedenken.

Zufälligerweise schreibe ich gerade eine Hausarbeit über das Thema Pränataldiagnostik mit Schwerpunkt auf die psychische Belastung nach einem positiven Befund ^^
Und das es erst mal eine ziemlich schwere Situation ist für werdende Eltern wenn sie erfahren das ihr Kind behindert sein wird, ist denke ich verständlich. Häufig wird ihnen dann noch von den Ärzten gleich ein Termin für die Abtreibung gemacht und hauptsächlich die negativen Seiten aufgezeigt. Eine Entscheidung wirklich gut zu überlegen ist meist gar nicht möglich, da auch nicht ewig Zeit bleibt.
Ich weiß nicht wie ich selbst reagieren würde. Jetzt würde ich zwar sagen, ich würde auch auf jeden Fall ein Kind bekommen das behindert sein wird, aber ob ich wirklich so handeln würde wenn ich in dieser Situation wäre kann ich nicht zu 100% sagen.
Und ich finde man sollte Menschen, die sich dazu entscheiden nicht leichtfertig verurteilen ohne sich darüber informiert zu haben wieso sie es getan haben.
Außerdem gibt es auch noch Erkrankungen wo ausgeschlossen ist das das Kind überleben wird. Ich finde es nachvollziehbar wenn eine Frau sich dann nicht im Stande sieht es auszutragen damit es dann sofort stirbt.

Die Problematik ist zum Teil, wie hier ja auch schon angesprochen, das gerade bei Pränataldiagnostik nichts oder wenig über den Schweregrad der Behinderung ausgesagt werden kann.

Aber auch in Deutschland können Schwangerschaften noch abgebrochen werden wenn das Kind schon lebensfähig sein kann.
Da muss man gar nicht ganz so weit in andere Länder schauen.

Auch wenn ein Kind durch eine Vergewaltigung entsteht kann ich nachvollziehen wenn eine Frau es nicht austrägt.
Klar, kann das Kind nichts dafür. Und es gibt auch Möglichkeiten wie Adoption, aber so eine Schwangerschaft mit dem Kind des Vergewaltigers in sich ist jetzt auch nicht unbedingt einfach denke ich mir. Und da muss dann auch drauf geachtet werden was für die Frau zumutbar ist.
Mina

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